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| 19:10 Uhr

Der rote Knopf für mehr Geborgenheit

Drückt ein Hilfesuchender den roten Knopf am Armband, macht er sich in der Notrufzentrale bemerkbar. Je nach Situation werden Angehörige oder Rettungsdienst verständigt. Foto: Initiative Hausnotruf
Drückt ein Hilfesuchender den roten Knopf am Armband, macht er sich in der Notrufzentrale bemerkbar. Je nach Situation werden Angehörige oder Rettungsdienst verständigt. Foto: Initiative Hausnotruf FOTO: Initiative Hausnotruf
Mainz. Ein Druck auf den roten Knopf am Armband oder an der Halskette genügt, und schon wenig später eilt Hilfe herbei: So funktionieren Hausnotrufsysteme. Vor allem Senioren, die alleine leben, vermitteln sie ein Gefühl von Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Dpa-Mitarbeiterinsabine Meuter

Ein Sturz kann für Senioren schlimme Folgen haben, insbesondere, wenn sie alleine wohnen. Möglicherweise kommt der Gestürzte nicht mehr von alleine hoch, wenn er im Bad ausgerutscht oder über die Teppichkante im Wohnzimmer gestolpert ist, und kann daher nicht per Telefon auf sich aufmerksam machen. Ein wahrer Albtraum. Dazu muss es aber nicht kommen. Denn ein Hausnotrufsystem kann für mehr Sicherheit sorgen.

Das Prinzip ist denkbar einfach. Ausgelöst wird der Notruf über einen Funksender, den der Nutzer als Anhänger an einer Art Kette am Hals oder wie eine Uhr am Arm trägt. Gerät ein Senior in eine brenzlige Situation, muss er den roten Knopf am Hals- oder Armband drücken. Dann stellt ein Gerät mit Freisprechanlage die Verbindung zur Notrufzentrale her.

"Das Gerät wird an die Stromversorgung und an die Telefondose angeschlossen", erläutert Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest in Berlin. Wer über Kabel oder Internet telefoniert, benötigt ein technisch etwas anderes Modell.

Drückt ein Hilfesuchender den roten Knopf am Armband oder an der Halskette, macht er sich in der rund um die Uhr besetzten Notrufzentrale bemerkbar. "In der Notrufzentrale sind sämtliche wichtigen Daten des Nutzers hinterlegt", sagt Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz . Das sind neben der genauen Anschrift und Informationen zum Gesundheitszustand und Vorerkrankungen die Kontaktdaten von Angehörigen und Bezugspersonen sowie individuell vereinbarte Hilfepläne. "Je nach Situation werden Angehörige, Rettungsdienst oder Notarzt verständigt", sagt Gundall.

Hausnotrufsysteme werden von privaten Firmen, aber auch von Organisationen wie etwa dem Deutschen Roten Kreuz oder den Johannitern angeboten. Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen rät dazu, sich möglichst für einen größeren Anbieter zu entscheiden. "Die haben mehr Personal zur Verfügung und können im Notfall schneller Hilfe organisieren", erklärt sie.

Wer überlegt, sich ein Hausnotrufsystem zuzulegen, sollte Angebote mehrerer Anbieter einholen und ihre Leistungen vergleichen. "Angeboten werden häufig neben Basis- auch Komforttarife", sagt Michael Gundall. Der sogenannte Basistarif umfasst in aller Regel die Aufstellung und Programmierung der Geräte sowie die Einweisung in ihre Handhabung. Die Komforttarife sind nur in Verbindung mit dem Basistarif möglich und beinhalten zusätzliche Leistungen. Beispielsweise können beim Hausnotruf-Service Ersatzschlüssel hinterlegt werden oder die Helfer überzeugen sich durch regelmäßige Kontrollrufe, dass die Senioren noch wohlauf sind. "Die einmalige Anschlussgebühr variiert zwischen zehn Euro und 50 Euro, je nach Region und Anbieter", erklärt Gundall. Die monatlichen Kosten liegen seinen Angaben zufolge um die 20 Euro im Basistarif und bei bis zu 50 Euro, wenn weitere Leistungen hinzukommen.

Bei Abschluss eines Vertrags gilt es, einiges zu beachten. Es ist wichtig, schriftlich zu vereinbaren, dass das Gerät bei Mängeln unverzüglich repariert oder ausgetauscht wird. Die Wartung bei Mängeln sollte kostenlos erfolgen. Im Todesfall des Nutzers sollten Angehörige die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung haben. "Im Fall der Vertragsbeendigung muss das Gerät möglichst innerhalb von zehn Tagen zurückgesendet werden", erläutert Michael Gundall.

Auch bei der Installation ist einiges zu beachten. "Die Basisstation sollte so platziert werden, dass der Notruf per Funksender aus allen Räumen der Wohnung, eventuell auch aus Keller und Garten ausgelöst werden kann", betont Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest . Schon beim Installieren sollte getestet werden, ob beim Kontakt mit der Notrufzentrale die Lautstärke ausreicht und beide Seiten deutlich verstehen, was gesagt wird. Andruschow empfiehlt, dass Nutzer einen gründlichen Funktionstest verlangen. "So bekommen sie ein Gefühl für die Abläufe im Notfall."

Im Alltag ist dann wichtig, dass Nutzer den Funksender mit der Notruftaste auch tatsächlich tragen. "Die Sender sind in der Regel wasserfest und sollten auch beim Gang auf die Toilette immer dabei sein", rät Katrin Andruschow. Sie vermittelten den Nutzern ein Stück Sicherheit. "Auch die Angehörigen haben das gute Gefühl, dass für den Notfall vorgesorgt ist", sagt Ursula Lenz.

Zum Thema:

Auf einen BlickFür Senioren und deren Angehörigen, die in Erwägung ziehen, ein Hausnotrufsystem anzuschaffen, hat die Stiftung Warentest einige Tipps zusammengestellt. Interessenten sollten sich umfassend informieren. Sowohl Wohlfahrtsverbände als auch private Unternehmen bieten den Hausnotruf an. Wichtig seien eine persönliche Beratung ohne Verkaufsdruck, eine Einsicht in den Vertrag vor Abschluss und eine fachmännische Installation.Im Vorfeld muss festgelegt werden, ob im Notfall nur Hilfsmaßnahmen einleitet werden sollen oder ob Zusatzleistungen erwünscht sind und welche Personen die Mitarbeiter des Hausnotrufs in einer Notsituation informieren sollen. Empfohlen wird Vertrag ohne Mindestlaufzeit und mit höchstens zweiwöchiger Kündigungsfrist. Die Kosten für die verschiedenen Leistungen sollten transparent sein. np