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DAB-Radio
Noch wenig Interesse an digitalen Radios

 Radios mit digitalem Empfang bieten stets eine rauschfreie Übertragung. Dennoch bevorzugen noch 70 Prozent der Hörer UKW-Sender. Das hat auch mit der größeren Anzahl an UKW-Programmen zu tun.
Radios mit digitalem Empfang bieten stets eine rauschfreie Übertragung. Dennoch bevorzugen noch 70 Prozent der Hörer UKW-Sender. Das hat auch mit der größeren Anzahl an UKW-Programmen zu tun. FOTO: Tchibo
Berlin. Obwohl hierzulande mit Millionenaufwand das digitale Hörfunknetz DAB+ aufgebaut worden ist, hört die Mehrheit noch analoges UKW-Radio. Dabei gibt es schon zahlreiche Digitalprogramme und die Geräte sind ausgereift.

(dpa) Die Ultrakurzwelle ist ein Dino. 1949 ging der erste UKW-Sender des Bayerischen Rundfunks an den Start, und bis heute dominiert der Standard das deutsche Radio. Dabei gibt es längst eine neue Technik, die ebenfalls terrestrisch verbreitet wird. Es reicht also die Antenne am Radiogerät aus, um die Programme zu empfangen.

Der neue Standard heißt DAB+ (Digital Audio Broadcasting – digitale Hörfunkverbreitung) Das +-Zeichen steht für die zweite Generation, die 2011 den Vorgänger DAB abgelöst hat.

Vor allem bietet DAB+ rauschfreie Übertragungen. Obwohl das Digitalradio der UKW-Ausstrahlung technisch überlegen ist, hat es einen schweren Stand. Gerade mal sechs Prozent der Nutzer hören Radio vorwiegend über DAB+, während UKW für fast 70 Prozent die Hauptempfangsart ist. Das geht aus dem Digitalisierungsbericht Audio 2018 der Landesmedienanstalten hervor. Selbst Internetradio ist mit knapp zehn Prozent Nutzern verbreiteter als DAB+.



Damit sich das europaweit ändert, hat das EU-Parlament 2018 beschlossen, dass neue Autos künftig mit Digitalradios ausgestattet sein müssen. Experten gehen davon aus, dass diese Regelung ab 2021 gilt. Bislang ist ein DAB+-Autoradio oft ein aufpreispflichtiges Extra und ein reines UKW-Radio die Standardausstattung.

Sollte die EU-Regelung kommen, könnte das die Wende zugunsten des Digitalradios bedeuten, denn derzeit ist eine zwangsweise Abschaltung der UKW-Ausstrahlung nicht im Gespräch.

Vor allem Privatradios lehnen einen zwangsweisen Umstieg ab. „Zusätzliche Verbreitungswege bedeuten zusätzliche Kosten ohne entsprechende Einnahmen“, sagt Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im Verband privater Medien (Vaunet). Er schätzt die Kosten des Umstiegs für den privaten Rundfunk auf 500 Millionen Euro. Nur wenige Privatsender strahlen ihr Programm auf DAB+ aus, die meisten Sender beschränken sich auf UKW und Internetradio. Analoges Radio sei existenziell für viele Privatsender, meint Schunk: „Der Presse wird ja auch nicht die Druckmaschine verboten, um den Umstieg in die digitale Welt zu gestalten.“

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind dagegen bereits im digitalen Radionetz unterwegs und würden die UKW-Verbreitung ebenfalls aus Kostengründen am liebsten in absehbarer Zeit beenden. Vom Bundesverkehrsministerium gibt es zwar schon Pläne zur Abschaltung, diese sind aber unverbindlich.

Technisch hat DAB+ Vorteile gegenüber UKW. „Insgesamt können mehr Sender auf einem Frequenzblock ausgestrahlt werden als bei UKW, mit erweiterten Angeboten etwa für Information, Klassik oder Schlager“, sagt Carsten Zorger vom Digitalradio-Büro Deutschland, das sich für DAB+ engagiert und hinter dem ARD, Deutschlandradio, private Radioveranstalter, Gerätehersteller und Netzbetreiber stehen.

Über 230 DAB+-Programme gebe es aktuell, die wie bei UKW überwiegend regional zu empfangen seien, erläutert Zorger. „Zudem können die Sender Informationen wie beispielsweise Albumcover, Schlagzeilen und Staumeldungen übermitteln oder einen digitalen Programmführer.“ Ein Internetanschluss sei dazu nicht nötig. „DAB+ kostet nichts extra, ist stabil und fast überall empfangbar. Davon werden auch die Privaten profitieren“, sagt der Experte.

Die aktuelle Verkaufszahlen von Digitalradios lassen die Befürworter hoffen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland schätzungsweise über eine Million DAB+-Geräte verkauft, eine Steigerung von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt werden derzeit bereits zwölf Millionen DAB+-Geräte in Deutschland genutzt, 4,4 Millionen davon in Autos.

Aktuelle DAB+-Radios, egal ob für daheim oder fürs Auto, könnten immer sowohl UKW als auch DAB+ empfangen, sagt Christian van de Sand von der Stiftung Warentest: „So ist gesichert, dass Sie Privatsender über UKW empfangen können und gleichzeitig bei DAB+ die Vorteile nutzen.“ Offenbar mühen sich viele Hersteller aber nicht mehr um einem guten UKW-Empfang, denn in einem Vergleich der Warentester konnte kaum ein Digitalradio beim UKW-Empfang glänzen.

Bei DAB+ ist das laut van de Sand anders. Hier gab es im Test so gut wie keine Probleme. Nach dem Einschalten zeigten die Radios die verfügbaren Sender gleich im Display an, ganz ohne Suchlauf. „Wer nur ein Radio sucht, das analog wie digital empfängt, sollte 40 bis 100 Euro anlegen. Dann kann er aber kein Sound-Wunder erwarten“, sagt der Warentester. „Die meisten Radios sind auch mit DAB+ eher als Küchenradio zum Nebenbeihören konzipiert.“ So kam im Test der Stiftung kein Radio beim Ton über ein „Befriedigend“ hinaus.

Eine schier endlose Anzahl von Radiostationen aus der ganzen Welt bietet dagegen Internetradio an. Viele Hersteller sind schon dazu übergegangen, Digitalradios auch mit LAN oder WLAN auszustatten, damit zusätzlich Programme aus dem Internet wiedergegeben werden können. Die Stiftung Warentest hat mehrere Geräte dieser Kategorie unter die Lupe genommen. Sie kosteten meist über 100 Euro und hatten einen eher schlechten UKW-Empfang sowie einen mäßigen Klang, zeigten aber gute Leistungen bei DAB+ und Internetradio. Zudem könnten manche vernetzte Digitalradios Musikstreaming-Dienste direkt abspielen.