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Neues Reiserecht seit 1. Juli
Besserer Schutz für Online-Buchungen

Urlauber sollen künftig bei der Buchung einer Reise eindeutig darauf hingewiesen werden, ob es sich um eine Pauschalreise handelt oder nicht.
Urlauber sollen künftig bei der Buchung einer Reise eindeutig darauf hingewiesen werden, ob es sich um eine Pauschalreise handelt oder nicht. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Kempten. Seit Juli gilt in Deutschland ein neues Pauschalreiserecht. Es soll Buchungen per Internet stärker absichern und Urlauber für den Fall einer Insolvenz besserstellen. Veranstalter weiten ihren „Vollkasko-Schutz“ aus.

() In Deutschland gilt seit 1. Juli ein neues Reiserecht. Mit der EU-Pauschalreiserichtlinie sollen Urlauber bei Buchungen im Internet besser abgesichert sein. Was müssen Verbraucher wissen?

Insolvenzabsicherung für Baustein-Reisepakete: Bisher hatte der Urlauber die Wahl zwischen einer Individualreise mit einzelnen Leistungen wie Flug, Hotel und Mietwagen und einem Pauschalangebot. Letzteres ist gut abgesichert: Der Urlauber bekommt bei Insolvenz des Veranstalters sein Geld zurück, kann bei Mängeln den Reisepreis mindern und Schadenersatz verlangen. Wer alles einzeln bucht, hat diese Rechte nicht. Künftig gibt es eine dritte Kategorie: die verbundene Reiseleistung. Diese Rechtsform entsteht, wenn ein Reisebüro oder Online-Portal dem Urlauber als Vermittler ein individuelles Reisepaket aus einzelnen Leistungen verkauft, und zwar binnen eines Tages und mit getrennten Rechnungen etwa für Flug und Hotel. Jeder Baustein muss mindestens 25 Prozent des Gesamtpreises ausmachen. Bei einer solchen Reise muss der Vermittler eine Insolvenzabsicherung vorlegen, wenn er Kundengelder kassiert, wie der Reiserechtsexperte Professor Ernst Führich aus Kempten erklärt. Geht also das Reisebüro oder das Internet-Portal pleite, bekommt der Urlauber das angezahlte Geld zurück.



Mehr Transparenz: Welche Art von Reise der Urlauber bucht, darüber muss der Vermittler künftig mit einem Formblatt explizit informieren. Tut er das nicht, wird er automatisch zum Reiseveranstalter – mit allen Pflichten. Dann gilt das Pauschalreiserecht. Der Urlauber kann unter diesen Umständen etwa von einem Portal nachträglich einen Teil des gezahlten Geldes zurückfordern, wenn im Urlaub Mängel aufgetreten sind.

Das Ziel: Durch die Informationspflicht soll der Urlauber bei der Buchung einer Reise aus verschiedenen Bausteinen nicht irrtümlich glauben, er kaufe eine Pauschalreise. Dabei hat der Gesetzgeber vor allem an solche Buchungen im Netz gedacht, bei denen mit wenigen Klicks Flug und Hotel für eine Reise gebucht werden.

Beispiel: Der Urlauber bucht auf der Webseite einer Fluggesellschaft einen Flug und binnen 24 Stunden noch ein vorgeschlagenes Hotel. Für diese verbundene Reiseleistung muss die Airline nun laut Führich in jedem Fall eine Insolvenzabsicherung mit einem gesetzlichen Musterformblatt und einem Sicherungsschein nachweisen. Und sie muss dem Urlauber zwei Rechnungen aushändigen. Informiert das Unternehmen den Kunden nicht eindeutig per Formblatt über die Art der Reise, haftet es wie ein Reiseveranstalter für Probleme beim Flug und im Hotel.

Eine Fluglinie könne künftig schon durch den Ablauf des Buchungsprozesses zum Veranstalter werden, so die Verbraucherzentrale Brandenburg. Da sich Webseiten ständig änderten, sollten Urlauber den Buchungsverlauf und den Mailverkehr stets abspeichern. Auch ein Reisebüro müsse künftig jede Einzelleistung separat buchen und abrechnen sowie ein Formblatt aushändigen. Sonst hafte es wie ein Veranstalter mit entsprechenden Pflichten.

Große Reiseveranstalter sichern Einzelbuchungen ab: Als Reaktion auf die neue Rechtslage haben sich große Veranstalter dazu entschlossen, künftig auch Einzelleistungen wie den Aufenthalt im Hotel als Pauschalreisen abzusichern. Tui kombiniert etwa Einzelbuchungen mit einem Servicepaket („TUI Plus Paket“), das eine Krisenfallabsicherung und 24-Stunden-Betreuung umfasst. Dieses Paket bekommt der Kunde kostenlos dazu, wenn er nur ein Hotel oder einen Mietwagen bucht. Ähnlich machen es Thomas Cook Signature und Neckermann: Mit dem „Sunny Heart Paket“ werden einzelne Hotelbuchungen zur Pauschalreise. Zu diesem Schritt hat sich auch Schauinsland Reisen mit dem „Hotel & Mehr Paket“ samt Reiseleitung, Notfallservice und Krisenmanagement entschieden.

FTI erklärt, Kunden mit Einzelleistungen „in allen Bereichen“ als Pauschalreisende zu behandeln, also etwa in Bezug auf die Haftung, Gewährleistung oder die Betreuung vor Ort. Bei DER Touristik erhalten die Gäste wie bisher einen Sicherungsschein für einzelne Hotelbuchungen und einen „Rundum-Schutz wie für Pauschalurlauber“, wie der Veranstalter erklärt. Alltours wird hingegen nach eigenen Angaben für Einzelleistungen keine Sicherungsscheine ausgeben.

Große Veranstalter machen Einzelbuchungen also freiwillig zu Paketreisen. „Das Pauschalreiserecht wird hier auf einzelne Leistungen übertragen“, sagt Führich. „Das ist ein großes Plus für den Urlauber.“ Reisende haben künftig außerdem mehr Zeit für die Mängelanzeige beim Veranstalter, wenn zum Beispiel das Hotelzimmer verdreckt war. Die Frist beträgt in Zukunft ganze zwei Jahre statt wie bislang nur einen Monat.

Doch es gibt auch Nachteile: Künftig gilt das Pauschalreiserecht nicht mehr für Ferienwohnungen und -häuser, die bei einem Reiseveranstalter gebucht wurden. Auch Tagesreisen bis 500 Euro pro Person sind nicht mehr abgedeckt. Bucht der Kunde künftig also etwa ein Ferienhaus in Spanien bei einem deutschen Veranstalter, könnte spanisches Mietrecht gelten. Geld für Mängel zurückzubekommen, wird dadurch erschwert. Zudem sind größere Preisänderungen nach der Buchung möglich. Bislang kann ein Urlauber den Reisevertrag kostenlos kündigen, wenn der Veranstalter den Preis nachträglich um mindestens fünf Prozent erhöht. Künftig ist dies erst ab acht Prozent möglich. Bisher durfte der Preis zudem binnen vier Monaten vor Reisebeginn nicht erhöht werden. Dieser Schutz beginnt nun erst 20 Tage vor Reisebeginn.

(dpa)