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Betrügerische Händler
Ärger mit gefälschten Markenprodukten

Das original Schweizer Taschenmesser des Herstellers Victorinox erfreut sich seit über 120 Jahren weltweit großer Beliebtheit. Immer wieder wird es Opfer eines Plagiates. Links das Original, rechts die Fälschung.
Das original Schweizer Taschenmesser des Herstellers Victorinox erfreut sich seit über 120 Jahren weltweit großer Beliebtheit. Immer wieder wird es Opfer eines Plagiates. Links das Original, rechts die Fälschung. FOTO: dpa-tmn / Aktion Plagiarius e.V
Elchingen. Billige Kopien ähneln dem Markenartikel oft bis ins letzte Detail. Doch das nachgemachte Produkt hat in der Regel eine deutlich schlechtere Qualität. Kunden müssen genau hinschauen, um sich vor einem Fehlkauf zu schützen.

(dpa) Markenprodukte zu Schnäppchenpreisen – das klingt immer gut. Und tatsächlich findet man in Schlussverkäufen und Sonderaktionen das ein oder andere Stück, das drastisch reduziert ist. Leider steckt nicht immer das Original dahinter, sondern eine täuschend echte Kopie von schlechter Qualität.

Das ist schwer zu erkennen, aber nicht unmöglich. Markenware dürfte trotz aller Rabatte immer noch einen beachtlichen Preis haben. Kosten die Designertasche oder der ersehnte Marken-Sneaker wesentlich weniger als die Hälfte des Originalpreises, ist Vorsicht angebracht.

„Alles, was erfolgreich am Markt ist, wird gefälscht“, sagt Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius in Elchingen. Die Vereinigung vergibt jährlich den Negativpreis Plagiarius für besonders dreiste Produktkopien. Die Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Die Nase symbolisiert die Gewinne, die Plagiatoren verdienen.



In diesem Jahr ging der erste Preis an die chinesische Fälschung eines Küchen-Schneidegerätes. „Die Qualität des Plagiats hat nichts mit dem Original zu tun“, erklärt Lacroix. „Die Schneideklingen der Fälschung sind stumpf und brechen leicht, der verwendete Kunststoff enthält gesundheitsschädliche Substanzen.“

Alles, was man sich denken kann, wird abgekupfert: Elektronik, Medizin, Spielzeug, Kosmetik, Bekleidung, Ersatzteile, Sanitärprodukte, Lebensmittel. „Man unterscheidet zwischen Plagiat und Fälschung“, erklärt Lacroix. Bei einem Plagiat wird das Design oder die Technik des Originalherstellers kopiert und das Produkt unter einem eigenen Namen verkauft. Eine glatte Fälschung liegt vor, wenn die Billigkopie unter dem Original-Markennamen angeboten wird.

Das macht das Erkennen von Kopien auch so schwer. „Oft sieht sie dem Original zum Verwechseln ähnlich“, sagt Günther Häring von der Generalzolldirektion in München. Neben dem Preis ist etwa bei Elektroartikeln ein fehlendes Prüfkennzeichen ein Hinweis. Auch minderwertige Verpackungen und fehlende Garantiezertifikate sollten Käufer stutzig machen. „Aber das alles muss nicht sein. Die Fälschungen werden immer besser“, erklärt Häring. Bei manchen Waren merkt man erst im Gebrauch, das etwas nicht in Ordnung ist.

Und auch der Preis ist nicht unbedingt ein sicheres Indiz. „Zwar werben Fälscher gern mit Schnäppchenpreisen, aber sie wissen auch, dass die Kunden misstrauisch werden, wenn die Ware allzu günstig ist“, erläutert Lacroix. „Deshalb setzen sie den Preis gern etwas höher an, damit die Leute keinen Verdacht schöpfen.“ Günther Häring sagt: „Es kommt sogar vor, dass die Fälschung zum gleichen Preis angeboten wird wie das Original.“

Stutzig machen sollte zum Beispiel auch der Verkaufsort. Es ist weithin bekannt, dass in Urlaubsländern auf der Straße und am Strand oft mit billigen Markenkopien gehandelt wird. Aber auch in Deutschland sind Fälschungen zu finden, zum Beispiel auf Wochen- oder Flohmärkten. „Wer dort etwas günstig kauft, muss damit rechnen, dass es sich nicht um Markenwaren handeln kann“, betont Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Der größte Marktplatz für Fälschungen und Plagiate ist mittlerweile jedoch das Internet. „Da gibt es viele schwarze Schafe“, sagt Häring. Die Maschen der Betrüger sind unterschiedlich. Oft werden die Fälschungen auf Webseiten mit Fotos der Originalhersteller präsentiert. „Wer solch ein Angebot anklickt, bekommt nur einen billigen Abklatsch“, berichtet der Produktexperte vom Zoll. Oder er geht vollkommen leer aus.

Für den Verbraucher ist es nicht einfach zu erkennen, ob er sich auf einer echten Webseite des Herstellers oder Händlers befindet oder ob es sich um einen Fake-Shop handelt. Es sind teilweise Kopien real existierender Webseiten. Sie wirken daher seriös und lassen beim Käufer selten Zweifel an ihrer Echtheit aufkommen.

Es gibt hierfür eine einfache Faustregel: kein Kauf, ohne das Impressum zu prüfen. „Sind keine Angaben zum Verkäufer zu finden, sollte man generell die Finger davon lassen“, rät Häring. „Aber auch Rechtschreibfehler im Impressum und auf der Webseite können auf unseriöse Anbieter hinweisen.“

Tryba sagt: „Besteht der Verdacht, dass es sich um eine Fälschung handelt, können Verbraucher Kontakt zum Händler oder zum Hersteller des Markenprodukts aufnehmen.“ Manche Markenfirmen geben auf ihren Webseiten auch Hinweise, woran man Originalware erkennen kann. „Hilfreich sind auch Nutzerbewertungen im Netz“, sagt Lacroix. „Schlechte Bewertungen, aber auch ausschließlich überschwängliche Beurteilungen sollten einen misstrauisch werden lassen. Auch ein ungewöhnlicher Domainname oder Domainendungen wie „to“ können Hinweise darauf sein, dass dort keine Markenartikel verkauft werden.“

Tryba rät außerdem, immer auf eine sichere Bezahlweise zu achten und niemals in Vorkasse zu gehen. Statt Vorkasse oder Kreditkarte also besser Zahlung per Rechnung, Lastschrift oder Paypal. Ist das nicht möglich, sollte man nicht kaufen.