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Fußball-Weltmeisterschaft
Nur eine starke DFB-Elf kann WM-Stimmung entfachen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die DFB-Elf muss am Sonntag im Spiel gegen Mexiko liefern, um Deutschland in WM-Stimmung zu bringen. Denn wirklich spürbar ist hierzulande noch nicht, dass heute mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland das sportliche Großereignis schlechthin beginnt.

Die Vorfreude im Land des Titelverteidigers ist getrübt. Aus mehreren Gründen.

Da sind zum Einen die zuletzt schwachen Leistungen der deutschen Mannschaft. Erst gab es fünf Spiele lang keinen Sieg, dann ein äußerst mageres 2:1 gegen Saudi-Arabien. Doch das sollte nicht allzu sehr beunruhigen: Testspiele haben immer nur eine sehr begrenzte Aussagekraft. Gerade wenn der Liga-Betrieb noch läuft, fehlt in diesen Partien oft die letzte Konzentration. Zudem wird viel ausprobiert und rotiert. Zuversichtlich stimmt dagegen die beeindruckende WM-Qualifikation mit zehn Siegen aus zehn Spielen.

Ein Stimmungs-Killer ist aber auch der Fall Gündogan/Özil. Die Affäre um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schwelt immer weiter, wie das Pfeifkonzert gegen Ilkay Gündogan zuletzt zeigte. Auch weil beim DFB offenbar keiner so richtig die Tragweite der Aktion versteht. Die beiden türkischstämmigen Nationalspieler haben mit ihrem Verhalten einen wunden Punkt getroffen. Sie stehen – berechtigt oder nicht – in den Augen vieler Fans stellvertretend für die große Anzahl Deutsch-Türken, die Erdogan unterstützen. Obwohl der Demokratie und Menschenrechte mit Füßen tritt. Hier würde nur eine glasklare Distanzierung von dem Despoten helfen. Die gab es bislang nicht. Özil schwieg fatalerweise gleich ganz.



Apropos politische Verwerfungen: Auch der Gastgeber trübt die WM-Laune: Dass ausgerechnet Russland, dessen Olympisches Komitee zuletzt wegen systematischen Dopings von den Spielen in Pyeongchang ausgeschlossen war, sich nun im WM-Glanz sonnen darf, ist ein Ärgernis. Auch mit der Krim-Annexion, dem Militär-Einsatz in Syrien und Hacker-Angriffen hat Russland keine Sympathie-Punkte gesammelt. Und 2022 folgt mit Katar gleich der nächste zweifelhafte WM-Gastgeber.

Immerhin wurde gestern bekannt, dass die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet. Damit kann man leben. Zumal die drei Länder bereits über eine gute Infrastruktur verfügen. Hier haben sie ganz andere Möglichkeiten als der einzige Konkurrent Marokko. Ob allerdings mit gleich drei Gastgebern echte WM-Euphorie aufkommen kann, bleibt abzuwarten. Zumal die USA und Kanada keine Fußball-Nationen sind.

Doch nun rollt erst einmal in Russland der Ball. Und das Schöne am Fußball ist: Die Stimmung kann schnell kippen, auch ins Positive. Vor allem wenn die DFB-Elf mit tollem Fußball begeistert. Und um sich vor dem Spiel gegen Mexiko Mut zu machen, lohnt ein Blick in die WM-Historie: Seit 1990 hat Deutschland alle Auftaktspiele gewonnen – bei den vergangenen vier Turnieren schoss das Team dabei jeweils mindestens vier Tore. Wenn das nicht doch ein wenig Lust auf die WM macht. . .