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Umgang mit Tönnies-Aussagen
Schalke widerlegt sein „Nein zum Rassismus“

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Im Leitbild von Schalke 04 steht: „Wir zeigen Rassismus die Rote Karte.“ Die Einhaltung dieser Verpflichtung hat der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies an sehr prominenter Stelle zu überwachen. Von Werner Kolhoff

Da steht nicht: Gelbe Karte. Nichts anderes ist aber die dreimonatige Suspendierung des Fleischunternehmers von seinem Amt. Die mildeste denkbare Strafe. Im Herbst ist er zurück und wird so tun, als sei nichts gewesen.

Aber jetzt ist doch etwas. Wenn die Chefs ihre Vorurteile vor sich hertragen, nutzt all das „Nein zum Rassismus“-Getue nichts. Schalke bekommt ein Image-Problem und wird es nicht loswerden, so lange Tönnies da sitzt. Der Riss etwa zum früheren Vereinshelden Gerald Asamoah ist überdeutlich. Und wie Teile der Fanszene das Signal aufnehmen werden, kann man sich jetzt schon denken. Man muss sich jedenfalls nicht wundern, wenn es häufiger Affen-Laute im Stadion geben sollte.

Die Feststellung des Ehrenrates, Tönnies habe sich bloß diskriminierend, aber nicht rassistisch geäußert, ist pure und durchsichtige Wortklauberei. 20 saubere Kraftwerke hinstellen, hat Tönnies gesagt, „dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“. Das ist O-Ton Björn Höcke, AfD, der verächtlich vom „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ gesprochen hat. Tönnies hat sich entschuldigt, es sei ihm „passiert“, also rausgerutscht. Rausrutschen kann nur, was drin ist.



In der Debatte um die Klimapolitik bedient Tönnies bedenkenlos eine rassistische Schablone, nur um als Unternehmer der CO2-Steuer zu entgehen. Für ein bisschen mehr Gewinn also. Und wider alle Fakten. Fakt ist, dass ein Afrikaner sehr viel weniger CO2 produziert als ein Europäer. FDP-Vize Wolfgang Kubicki war Tönnies mit der scheinbar sachlichen Bemerkung beigesprungen, wenn es nicht gelänge, das Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen, „können wir uns alle Überlegungen zum Erreichen der Klimaziele in die Haare schmieren“. Fakt ist hingegen, dass der Klimaschutz scheitern wird, wenn es nicht gelingt, den übermäßigen Fleischkonsum der Industriestaaten in den Griff zu bekommen. Mit dem Tönnies übrigens Multimillionär geworden ist. Nicht die Überbevölkerung ist für das Klima das Hauptproblem, es ist die westliche Art des Wirtschaftens und Lebens. Und wenn es um Bäume geht: Die werden gerade in Brasilien massenhaft abgeholzt, für Soja-Anbau und Rinderzucht. Von „Weißen“.

Natürlich, Spitze eines Fußballvereins, das ist kein öffentliches Amt. Die Maßstäbe sind andere als etwa an einen Politiker, der nach so einer Entgleisung längst hätte zurücktreten müssen. Die Frage ist nur, ob sich Schalke 04 mit der Entscheidung selbst einen Gefallen tut. Man kann nun jedenfalls mit Fug und Recht sagen, dass an der Spitze des Ruhrpott-Vereins jemand steht, der zwar erfolgreich ist, aber kein Format hat. Ein Mann mit Ansichten von vorgestern. Sympathischer ist der Club am Mittwoch nicht geworden. Vorbildlicher schon gar nicht.