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Leitartikel
Wie gut, dass ich weder Bauer noch Bischof bin!

 Schwickerath Damian
Schwickerath Damian FOTO: SZ / Lorenz, Robby
Es gibt drei  Jobs, die würde ich für kein Geld der Welt haben wollen. Zum Beispiel Bischof von Trier. Weil Stephan Ackermann im Moment ja scheinbar alles falsch macht, die Gläubigen in Scharen aus den jetzt schon leeren Kirchen zwischen Prüm und Saarbrücken treibt, die Gemeindekassen vor Ort plündert, die Missbrauchsopfer dauernd allein lässt – und auch sonst kann er es  scheinbar niemandem recht machen. Von Damian Schwickerath

Oder Bundeskanzler, Gott bewahre. Die arme Angela Merkel, die für den Untergang des Abendlandes ebenso verantwortlich sein soll wie für alles andere, was in diesem Land tatsächlich oder auch nur gefühlt schiefläuft. Die arme Frau verdient zwar weniger als ein besserer Sparkassendirektor, aber als Sündenbock für alle, die  ihr Mütchen an „Mutti“ kühlen wollen, taugt sie allemal. „Merkel ist schuld“, das wird wahrscheinlich irgendwann im Buch der bösen Sprichwörter stehen.

Und ich wollte auch kein Bauer sein. Wer will sich denn schon das ganze Jahr über plagen und dann noch jeden Tag sagen lassen, dass die Insekten weg sind, die Vögel nicht mehr singen, wir nur noch versifftes, nitratreiches Wasser zu  trinken bekommen, die Pol-Kappen schmelzen, die  Meeres­pegel steigen, es zu trocken, zu stürmisch  und manchmal auch zu heiß in Europa ist?! Und das alles nur, weil ich meinen Bauernhof betreibe. Nach diesen grundsätzlichen Aussagen kommen dann ja erst die Totschlagwörter wie Tierquäler, Massentierhaltung, Gülleflut, Glyphosat und Landwirtschaftsindustrie. Nein danke, da vergeht mir der Appetit!

Stattdessen wäre ich gerne Klugscheißer, einer von denen, die ganz genau wissen, wie das alles zu funktionieren hätte – beim Bistum, beim Bund und bei den Bauern. Mit gepflegten Halbwahrheiten kommt man da prima über die Runden.



Meinungsforscher, das wäre auch so ein Traumberuf. Da könnte ich die tierliebenden, spendablen, netten Deutschen jeden Tag fragen, ob sie auch bereit wären, für mehr Tierwohl und Umweltschutz mehr Geld zu bezahlen. Die würden mich immer selig anlächeln, begeistert nicken und gingen am nächsten Tag dann doch lieber zehn Eier für 99 Cent oder ein Kilo Schweineschnitzel für drei Euro in den Supermarkt kaufen.

Natürlich gibt es im Bereich Landwirtschaft auch in der Bundesrepublik große Probleme, und ja, wir können so nicht weitermachen mit diesem immer größer, immer mehr. Das war, ist und bleibt ein Irrweg, der für alle Beteiligten im Nichts enden muss – und auf absehbare Zeit auch wird.

Aber zunächst geht es bei diesem Thema nicht darum, wer recht hat, zumal es darauf ohnehin keine einfachen Antworten gibt. Es geht um eine ehrliche Diskussion. Wenn wir, die Verbraucher, all das täten, was wir immer wieder kundtun, dann gäbe es die meisten dieser Probleme nicht.

Und wenn die Bauern jetzt massiv auf die Straße gehen, weil sie endgültig keine Lust mehr auf die alleinige Rolle des Sündenbocks haben, dann ist das ihr gutes Recht.