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Leitartikel
Was die Groko und Bayern München gemeinsam haben

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Pokalsieg und Meisterschaft haben Niko Kovac bei Bayern München nichts genutzt. Vielleicht stimmte die Chemie von Anfang an nicht. Das 1:5 in Frankfurt gab dem Trainer jedenfalls den Rest. Von Werner Kolhoff

Bei der großen Koalition ist es ähnlich. Da mag man noch so gute Bilanzen schreiben, und Minister und Abgeordnete mögen sich verstehen – bei den Wählern und beim Parteivolk ist trotzdem die Hölle los. Um beim Fußballvergleich zu bleiben: Die Leute wollen diesen Rumpelstil einfach nicht mehr sehen.

Da nützt es nichts, akribisch alles schon Erreichte aufzulisten, wie das am Mittwoch im Kabinett geschehen ist. Für Parteien zählen nur Wahlerfolge, und die sind ausgeblieben. Schon länger für die SPD, nun aber auch für die Union. Die Öffentlichkeit hat ohnehin mehr die Momente des Missmuts in Erinnerung. Angefangen von Horst Seehofers Amoklauf gegen Angela Merkel im ersten Jahr, über den Fall Maaßen bis heute zum Streit um die Grundrente. Die SPD wollte nach der Wahl in die Opposition, und dort hätte sie auch hingehört. Erst das Scheitern von Jamaika und der Bundespräsident zwangen sie in dieses Bündnis. Wider den eigenen Willen. So konnte die Groko von Anfang an keinen Aufbruch signalisieren. Viele Konflikte wurden einfach mit Geld zugeschüttet. Die gute Wirtschaftslage machte es möglich. Aber auch die ändert sich jetzt.

In international unsicheren Zeiten wenigstens eine stabile Regierung mit einer erfahrenen Kanzlerin –  das sind zwei gewichtige Gründe für Schwarz-Rot. Aber nun streiten sich Außenminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer öffentlich, und Angela Merkels Autorität wird in der Union massiv in Frage gestellt. International ist Deutschland gemessen an seiner Bedeutung ein Totalausfall. Das ist also auch kein Argument mehr.



Wenn sie gut sein wollen, müssen Koalitionen es schaffen, unterschiedliche Parteiprogramme auf Zeit zu etwas Neuem zu vermengen. Zu etwas, das der Mehrheit der Menschen das Gefühl gibt, es gehe voran. Die Beteiligten müssen sich dafür gegenseitig Erfolge gönnen – und diese dann auch gemeinsam feiern. Sie müssen die Reibungen gering halten. Das alles hat die große Koalition zu keinem Zeitpunkt geschafft. Bei einer Jamaika-Koalition wäre vielleicht anfangs das Gefühl eines Neuanfangs aufgekommen. Wahrscheinlich aber hätte sie wegen der scharfen Konkurrenz von Grünen und FDP auch nicht lange gehalten.

Nicht alles ist automatisch besser als das Bestehende. Manchmal ist ein Bruch notwendig, manchmal sollte man es lieber doch noch einmal miteinander versuchen. Der Rückblick auf die bisherige Bilanz muss für diese Bewertung eine Rolle spielen. Der Blick auf die kommenden Alternativen aber auch. Bei Bayern München zum Beispiel haben alle möglichen Traumnachfolger des geschassten Trainers inzwischen abgesagt. Nun ist die Not dort noch größer.