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Leitartikel
Der Staat wehrt sich gegen die reale Gefahr von Rechts

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nur wer auf dem rechten Auge blind sein wollte, hat in den vergangenen Jahren noch die Gefahr des Rechtsterrorismus in Deutschland banalisiert. Denn seit der Aufdeckung des mörderischen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) im Jahre 2011, hinter dem nachweislich ein breites Unterstützernetzwerk gesteckt hat, musste jedem noch so großen Zweifler klar sein, dass rechter Terror nicht mehr ins Märchenbuch gehört. Von Hagen Strauss

Es gibt ihn, und er formiert sich immer wieder. Siehe Freital, siehe jetzt Chemnitz. Die Gefahr ist real. Und sie ist extrem groß. Der Weg von der Wut und dem Hass, die sich zuletzt auf den Straßen in Sachsen, aber auch in Dortmund entladen haben, hin zum Terrorismus, scheint für manchen nur noch ein ganz kurzer und schmaler zu sein. So kurz, dass die Behörden am Montag zugeschlagen haben, um einen möglichen Anschlag ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit zu verhindern.

Das zeigt: Nicht nur gegen Islamisten wird hart vorgegangen, sondern auch gegen Rechtsextremisten. Und das ist auch gut so. Das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden hat gerade im Zuge der NSU-Morde und ihrem großen Versagen bei der Aufklärung der Taten des Terror-Trios um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe stark gelitten. Da­raus haben Bund und Länder zum Glück Konsequenzen gezogen. Der Staat wehrt sich gegen alle seine Feinde. Endlich wird auch da­rauf reagiert, wovor Experten schon seit Langem warnen, dass sich nämlich in manch einem Landesteil rechtsterroristische Strukturen herausbilden könnten, oder schon herausgebildet haben. Und um das gleich festzuhalten: Auch gegen den Linksextremismus wird von den Behörden inzwischen stärker vorgegangen. Wenn man bedenkt, wie akribisch nach den Ausschreitungen beim Hamburger G20-Gipfel im vergangenen Jahr Hunderte Krawallmacher identifiziert wurden, kann keiner mehr behaupten, dass der linken Gefahr staatlicherseits zu wenig Beachtung geschenkt wird. Wobei man bei den Hamburger Ereignissen einräumen muss: leider erst im Nachhinein.

Noch eines wird durch den Schlag der Behörden gegen den Rechtsterrorismus indirekt deutlich – wie wenig fundiert die Äußerungen von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zu den Ereignissen in Chemnitz gewesen sind. Es gibt eine Allianz aus Hooligans, Skinheads und Neonazis, die auch schon bei den Ausschreitungen mit von der Partie gewesen ist. Das ist belegbar. Und von denen jetzt einige laut Bundesanwaltschaft Anschläge auf Ausländer, Andersdenkende und Politiker begehen wollten. Der Streit um Worte wie „Hetzjagd“ erscheint da erst recht lächerlich.



Außerdem hat die Debatte seinerzeit den Blick auf das eigentliche Problem versperrt – und das sind die hohe Mobilisierungsstärke, die gute Vernetzung und die sehr reale Gefahr, die von Rechtsextremisten ausgeht. Die Festnahmen von Montag haben diesen Blick wieder freigelegt. Es ist jetzt an der Politik und den Behörden, daraus weitere Schlüsse zu ziehen.