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Trump droht Iran
Trump riskiert einen Krieg, den er gar nicht will

 Herrmann Frank
Herrmann Frank FOTO: SZ / Robby Lorenz
Donald Trump mag die rhetorische Achterbahn. Er gefällt sich in der Rolle des Unberechenbaren, der heute rasselt, morgen beschwichtigt und Verhandlungen nach der Devise führt, dass sich die andere Seite nie ganz sicher sein darf, woran sie bei ihm ist. Von Frank Herrmann

Trump, die Sphinx der Weltbühne. Fähig zu allem, zur Eskalation wie zum plötzlichen Rück­zieher.

So scheint denn auch die permanente Verunsicherung die Maxime zu sein, der er im Konflikt mit dem Iran folgt. Mal droht er dem Gegner mit der Vernichtung, mal bietet er Gespräche an und fügt nur halb im Scherz hinzu, es sei ihm gelungen, den Hardliner John Bolton, seinen Sicherheitsberater, zu zähmen. Eine Strategie lässt sich bei alledem nicht erkennen. Es sei denn, die Strategie besteht darin, Druck aufzubauen. In der Hoffnung, dass die Iraner – wirtschaftlich stranguliert – irgendwann die weiße Fahne hissen und den Amerikanern in allen Punkten entgegenkommen, dass sie ihr Raketenprogramm stoppen, Hilfstruppen im Irak, im Jemen, im Libanon die Mittel streichen. Die Machtdemonstration soll einschüchtern, der Rest wird sich finden. Trump, der Pokerspieler.

Die verbale Spirale erinnert an das Tauziehen mit Nordkorea, der Nuklearmacht, der er mit Feuer und Zorn drohte, um ein Ende ihres Atom- und Raketenprogramms zu erzwingen. Was folgte, müsste die Iran-Hardliner eigentlich zum Nachdenken zu bringen. Eben noch als „kleiner Raketenmann“ verhöhnt, ließ sich Kim Jong Un als weiser Staatsmann feiern, nur weil er sich mit dem Mann aus dem Oval Office traf. An der Sache änderte es nichts, von nuklearer Abrüstung ist Pjöngjang noch genauso weit entfernt, wie es vor den Gipfelbegegnungen in Singapur und Hanoi der Fall war. Viel Lärm um wenig, bislang jedenfalls.



Welche Risiken die Fahrt auf der Achterbahn birgt, liegt auf der Hand. Im Weißen Haus träumt der Antreiber Bolton offenbar tatsächlich von jenem Regimewechsel, den er bereits 2017 beschwor, als er den Volksmudschaheddin, einer fragwürdigen iranischen Exilgruppe, bei einem bezahlten Auftritt versicherte, dass man in allernächster Zukunft gemeinsam in Teheran feiern werde. Im Iran mangelt es nicht an Falken, die in den Beschränkungen des Atomabkommens eine Zwangsjacke sehen und froh wären, sie endlich ablegen zu können. Saudi-Arabien wittert die Chance, die Macht des regionalen Rivalen auf Jahre hinaus zurechtzustutzen. In Israel sprach Benjamin Netanjahu bereits von der bewaffneten Option, da handelte Trump noch mit Immobilien.

Die Gefahr besteht darin, dass sich der amerikanische Präsident von der Allianz der Falken in einen Krieg hineintreiben lässt, den er im Grunde nicht will. Im eigenen Land, das weiß Trump, gibt es keine Mehrheit für neue militärische Abenteuer. Seinen Wählern versprach er, den endlosen Truppeneinsatz in Afghanistan zu beenden und in Nahost keinen neuen zu beginnen. Nur mag er eben auch das Nervenspiel, er mag das Drama, und er selber muss dabei immer im Mittelpunkt stehen. Es ist ein Tanz auf dem Drahtseil.