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Schlechte Zeiten für Anleger
Donald Trump und die Börsen-Bären

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Was für ein Börsenjahr. Zehn Jahre lang gab es für Aktien eigentlich nur eine Richtung: aufwärts. Doch nun befindet sich der Dax seit Sommer auf Abwärtskurs, mehrere US-Indizes erleben seit Oktober den größten Absturz seit der Finanzkrise 2008. An der Börse haben nach Jahren der Zuwächse die Bären Einzug gehalten. Von Joachim Wollschläger

Von einem Bärenmarkt spricht man, wenn der Kurs 20 Prozent unter dem Höchststand liegt.

Die Börse schaltet in den Krisenmodus – und das in einer Zeit, in der es der Wirtschaft kaum besser gehen könnte. Das Wachstum mag sich abschwächen, doch noch ist die Lage gut. Viele Volkswirte erwarten schon im kommenden Jahr eine Erholung. Die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind gefüllt, die Bundesagentur für Arbeit erwartet weiter Rekordbeschäftigung.

Eigentlich dürfte der Kurseinbruch also nur eine gesunde Erholung nach Jahren gestiegener Kurse sein. Doch es wird wohl auch in den kommenden Wochen und Monaten weiter abwärts gehen. Der Grund dafür hat einen Namen: Donald Trump. Börsenbewegungen, das wissen Anleger, sind selten real begründet, sondern beruhen auf Stimmungen und Ängsten. Gefühlen, die der unberechenbarste Präsident, den das Weiße Haus je gesehen hat, täglich befeuert. Ein Präsident der mit unreflektierten Twitter-Tiraden im Stile eines Pubertierenden seine Stimmungsschwankungen mit der Welt teilt.



In diesem Sinne hätte es zwar schon Grund für einen Börsenabsturz Anfang 2017 geben können, Auch damals war Trump kaum anders, doch die Börsenwelt hoffte damals noch, dass ein kompetenter Beraterstab den Präsidenten einfängt. Und mit Trump kam auch eine Hoffnung: Auf einen Konjunkturschub, befeuert unter anderem durch seine angekündigte Steuerreform.

Mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt. Trump hat nach der Hälfte seiner Amtszeit sämtliche Berater verschlissen – entweder sind sie gegangen, weil sie den Präsidenten nicht im Zaum halten konnten, oder sie sind aus dem gleichen Grund gefeuert worden. Nun steht nur noch die B-Liga zur Verfügung. Jene, die zur Sicherung ihrer eigenen Karriere dem Präsident kaum noch Contra geben.

Nun überwiegen die mit Trump gekommenen Risiken. Handelskrieg mit China und der EU, Aufkündigung des Freihandels, Abzug der Truppen und damit Bruch langjähriger Allianzen. Trump ist zur Zeitbombe geworden.

In der großen Wirtschaftskrise 2008 war ein entscheidender Erfolgsfaktor, dass alle Länder weltweit ihre Aktionen streng abgestimmt haben und nationale Alleingänge ausblieben. Alles begleitet von wirtschaftlich kompetenten Beraterstäben. Wie anders ist das heute: Jetzt gibt es einen Präsidenten, den außer seiner Grenzmauer nichts zu interessieren scheint. Und einen Finanzminister, der vorsorglich, aber öffentlich bei den Banken fragt, ob ihre Liquidität gesichert ist. Das ist in etwa so, als ob man in Krankenhäusern fragt, ob genug Antibiotika vorhanden sind, um die Sorgen vor einer Epidemie zu nehmen.

Es ist leider wahr: Die Chancen für die Börse stehen 2019 schlecht.