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Leitartikel
Gondwana ist ein Lehrstück über das Durchhalten

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Zehn Jahre und ein bisschen weiser, das steht als Motto über  dem Jubiläum des Gondwana-Erlebnisparks in Reden, das dieser Tage gefeiert wird. Was hat das Land gelernt? Die Party läuft nicht mehr so euphorisch und prominentenfunkelnd wie zur Eröffnung im Jahr 2008, als der ehemalige Vizepräsident der USA und Umweltschützer Al Gore Reden seine Aufwartung machte. Von Cathrin Elss-Seringhaus

Diesmal kommt der Präsident der Deutschen Paläontologischen Gesellschaft, Professor Joachim Reitner, und bekräftigt mit seinem Auftritt den wissenschaftlichen Anspruch der Urzeit-Ausstellung, die sich als außerschulischer Lernort für die Schulen versteht. Ohne jemals vom saarländischen Kultusministerium als solcher anerkannt worden zu sein. Warum nicht? Das ist nur eines von vielen Rätseln in der konfliktreichen Beziehungsgeschichte zwischen Landesregierung und dem Gondwana-Gründer Matthias Michael Kuhl. Erst kürzlich preschte er ohne politische Rückendeckung mit einem neuen Bergbau-Standort-Profil für Reden („Montanium“) in die Öffentlichkeit. Da ist er also wieder, der Luftschloss-Architekt Kuhl, der die Politik mit unseriösen Finanzierungsverträgen über den Tisch zieht?

Es wird Zeit, endlich von diesem Klischee Abstand zu nehmen. In Reden ist, wie überall, die Welt weder schwarz noch weiß, sondern grau. Einerseits hat sich Gondwana mit rund 100 000 Besuchern pro Jahr nicht zu dem von Kuhl versprochenen touristischen Topziel entwickelt – dafür ist der Rundgang dann doch zu spärlich bestückt mit echten Sensationen – und es fehlt gleichzeitig an außerordentlichen Marketingkonzepten. Andererseits hat auch die saarländische Landesregierung ihr Versprechen nicht erfüllt, den früheren Grubenstandort Reden zu einem Paradies der Industriekultur zu entwickeln. Gondwana wie Reden laufen passabel, zur Strukturwandel-Erfolgsgeschichte taugt dies ebenso wenig wie zur Katastrophenstory über ein „Subventionsgrab“. Vielmehr ist Reden mit Gondwana ein Lehrstück über das Durchhalten und das Kleine-Brötchen-Backen.

An die einst von der CDU ausgerufene Botschaft, an der Industriekultur werde das Land genesen, glaubt keiner mehr. Vielmehr hat die Achterbahnfahrt von Gondwana gezeigt, dass die Bäume der Industriekultur nicht in den Himmel wachsen.



Auf den Bergbau-Industriebrachen stehen sich hierzulande zu viele Akteure in den Füßen und warten auf Ideen und das Geld der anderen: RAG, Lokalpolitiker, Privatinvestoren, Kulturveranstalter, Ministerien, Touristiker. Sie klagen über Stagnation und sind doch letztlich selbst Teil des Problems. Resignation ist die Währung, mit der die Bürger dafür zahlen, zumindest verbal hat das der neue Ministerpräsident kapiert.

Niemand erwartet, dass Tobias Hans (CDU) in den nächsten fünf Jahren den Stein der Weisen in Sachen Industriekultur findet, aber es ist seine Pflicht, mit persönlichem Fleiß und Schweiß ein neues Kapitel aufzuschlagen. Titel: Anpacken statt Arbeitsgruppen.