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Zum Arbeitskampf
Damit der „Wahnsinn“ bei Halberg Guss ein Ende hat

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende.“ Dringlicher konnten die auf Lieferungen harrenden Kunden der Neue Hal­berg Guss – sowie die Kunden dieser Kunden – ihren Appell kaum formulieren, den mehr als fünf Wochen währenden Streik bei Neue Halberg Guss zu beenden. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Immerhin, das Management der Saarbrücker Gießerei und die Arbeitnehmerseite – Gewerkschaft IG Metall und Betriebsrat – verhandeln wieder. Wer sich in dem Arbeitskampf vor allem bewegen muss, ist klar: die Verantwortlichen für den „Wahnsinn“. Das sind die Geschäftsführer, mehr noch die hinter ihnen stehenden Chefs der Muttergesellschaft Prevent und deren Eigentümer, die umstrittene bosnische Familie Hastor. Denn zu dieser Eskalation hätte es gar nicht kommen müssen, wenn Prevent von Anfang an unternehmerische Verantwortung bewiesen hätte.

Die Firmengruppe hat die Gießerei offenbar nur übernommen, um ihre jahrelange Fehde mit Volkswagen fortzusetzen. Den in der Branche berüchtigten Investoren war es womöglich recht, dass VW keine langfristigen Aufträge mehr versprach. Denn nun konnte Prevent den über andere Tochterfirmen erprobten Erpressungs-Kurs mit Lieferstopps und Wucherpreisen leicht rechtfertigen. Alle Energie setzten die Prevent-Leute darauf, schnell Millionen herauszuschlagen. Sie widmeten sich aber nur halbherzig der Kernfrage: welchen Weg in die Zukunft es ohne den Großkunden VW gibt und wie möglichst viele der 2100 Jobs an den beiden Standorten Saarbrücken und Leipzig erhalten werden können.

Das passt ins Bild. Prevent fällt in Deutschland bisher nur negativ auf: durch rabiate Preiskämpfe und juristische Scharmützel – vor allem mit VW und Daimler, die gescheiterte Sanierung des Küchenherstellers Alno, den Versuch einer feindlichen Übernahme des Autozulieferers Grammer – und Arbeitsplatz-Vernichtung.



Die Prevent-Leute haben sich aber verkalkuliert. Sie haben nicht mit dem enormen Widerstand der Halberg-Guss-Beschäftigten und der Gewerkschaft IG Metall gerechnet. Die Mitarbeiter haben genau das eingefordert, was die Geschäftsführung im Grunde nie anstrebte: eine auf Erhalt von Jobs ausgerichtete Zukunftsstrategie und eine soziale Absicherung für alle, die vor allem wegen des Wegfalls von VW-Aufträgen ihre Jobs verlieren würden. Über Monate haben die Geschäftsführer nur blockiert und gedroht und zum Schaden des Unternehmens Zeit mit aussichtslosen Versuchen verplempert, den Streik gerichtlich stoppen zu lassen.

Die einzige Chance für die Arbeitnehmer liegt in maximaler Härte. Ihre Botschaft an die Chefs: Wir machen die angedrohte Liquidation so teuer, dass es sich lohnt, Halberg Guss mit möglichst vielen Beschäftigten weiterzuführen. Mit dem Dauerstreik kann die Belegschaft die Geschäftsführung im besten Fall dazu zwingen, endlich das zu tun, wozu sich ehrbare Kaufleute selbstverständlich verpflichtet fühlen müssten: in die Zukunft von Neue Halberg Guss zu investieren. Der „Wahnsinn“ kann nur enden, wenn die Prevent-Leute zu unternehmerischer Vernunft kommen.