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Rückzug als CSU-Chef
Seehofer ruiniert seine politische Lebensbilanz

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Die Frage ist, ob Horst Seehofer der CSU in Berlin noch nützt, wenn er nicht mehr CSU-Vorsitzender und nur noch Bundesinnenminister ist, wie ihm offenbar jetzt vorschwebt. Dass das eine mit dem anderen nichts zu tun habe, davon „unberührt“ sei, wie Seehofer nun meint, ist ausgemachter Quatsch. Von Werner Kolhoff

Er selbst hat noch vor einem Jahr argumentiert, der „Stärkste“ müsse nach der Bundestagswahl nach Berlin, um der CSU dort gehörig Gewicht zu geben.

Ohne Parteivorsitz aber ist der 69-Jährige stark geschwächt, zumal wohl sein Intimfeind Markus Söder sein Nachfolger wird – trotz der schweren Verluste, die der bayerische Ministerpräsident bei der Landtagswahl vor vier Wochen hinnehmen musste. Der 51-Jährige würde Seehofer dann schon zum zweiten Mal beerben. Erst im März war er ihm als Regierungschef in München nachgefolgt.

Dass Seehofer als Bundesinnenminister Befehle von einem CSU-Parteichef Söder entgegennimmt oder auch nur Ergebnisse von Koalitionsgipfeln schluckt, an denen nicht er, sondern Söder beteiligt war, das ist allerdings schwer zu glauben.



Es ist eine Lösung allenfalls auf Zeit, weil man in München meint, dass es die große Koalition sowieso nicht mehr lange macht. Seehofers mögliche Nachfolger im Innenministerium müssen so nicht für vielleicht wenige Monate nach Berlin wechseln, wo es dann Neuwahlen mit ungewissem Ausgang gibt. Seehofer macht sozusagen den Platzhalter, eine Rolle, die seiner Lebensleistung auch nicht gerade gerecht wird.

Dauert die große Koalition aber länger, vielleicht sogar bis zum regulären Ende der Legislaturperiode, wird es ungemütlich für alle Beteiligten. Zur Erinnerung: In nur sieben Monaten Amtszeit hat Seehofer zwei ebenso große wie überflüssige Regierungskrisen provoziert. Weil er ein Einzelgänger, Rechthaber und politischer Spieler ist, und weil er noch einige Rechnungen mit Angela Merkel offen hat, wird das nicht aufhören. Dann müsste die Kanzlerin dass tun, was sie schon in der Causa Maaßen hätte tun sollen: Ihn rausschmeißen. Dass die CSU sich dann für ihn verkämpft, ist nicht zu erwarten.

So oder so, die Alternativen sind für den 69-Jährigen also eher erniedrigend. Und für das wichtige Amt verheerend. Wie und was soll so ein König ohne Land noch bewegen können? Wo kann er sich Rückhalt bei schwierigen Entscheidungen holen. Wer akzeptiert noch seine Autorität? Horst Seehofer hat den letzten Zeitpunkt für einen ehrenhaften politischen Ausstieg verpasst. Egozentrik und Rechthaberei sind zu seinem Motor geworden. Nicht mehr das Wohl des Landes und der eigenen Partei. Seehofer ruiniert gerade seine politische Lebensbilanz. Was bleibt, sind die Erinnerungen an die unappetitlichen Diadochenkämpfe mit Söder und Merkel und an sein Klammern am Amt. Wenn man daran denkt, wie Seehofer begann, und was er der deutschen Politik auch schon alles gegeben hat, kann man nur sagen: Schade. Schade, dass er nicht erkennt, wann Schluss ist.