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Von „Hitze-Aktionsplan“ bis Klimapolitik
Die Hitze wird auch politisch zur Herausforderung

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Mit gutem Gefühl fürs Timing und einer gewissen Portion Populismus haben die Grünen einen „Hitze-Aktionsplan“ vorgelegt. Denn ganz Deutschland redet derzeit über die Temperaturen, weil Rekorde gebrochen worden sind und 40 Grad wahrlich nicht mehr als „normal“ angesehen werden können. Von Werner Kolhoff

Die Einhaltung der Klimaziele von Paris bleibt existenziell notwendig, damit nicht alles noch viel schlimmer wird. Gleichwohl muss man sich schon mit Anpassungsstrategien beschäftigen, und das geschieht auch. An den Küsten werden schon lange systematisch Deiche und Wehre verstärkt, denn der Meeresspiegel steigt. Die Waldbesitzer stellen sich um auf andere Mischungen in den Forsten, die Bauern auf trockenresistentere Getreidearten. Die Versicherungen schaffen Rücklagen für Sturmschäden und die Skiregionen entwickeln Alternativangebote für Winter ohne Schnee. Das alles ist keine Kapitulation vor dem Klimawandel, sondern schlichte Notwendigkeit. Es geht darum, die Menschen vor unmittelbaren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gefahren zu schützen. Gefahren, die nicht in einer fernen Zukunft liegen, sondern jederzeit eintreten können oder schon eingetreten sind.

Die Hitze stellt Anforderungen an viele Bereiche der Gesellschaft, die man bisher in dieser Klarheit noch nicht auf dem Schirm hatte. Zu debattieren ist zum Beispiel, ob der Arbeitsschutz für Menschen, die draußen oder in überhitzten Räumen tätig sind, ausgeweitet werden muss. Die Lern- und Prüfungsbedingungen von Schülern und Studenten müssen ebenfalls überprüft werden. Es geht darüber hinaus um Stadtplanung und kühlendes Grün, um Architektur und Bautechnik. Sind Glas und Stahl noch das richtige Material für Büros, Schulräume und Bibliotheken? Es geht um die Versorgung der Hilflosen, ob es Obdachlose sind oder alte Menschen. Es geht um Bäder, Brunnen und öffentliche Trinkwasserspender, die aus Städten und Dörfern nahezu verschwunden sind. Und vieles mehr. Zwar haben die Behörden in Bund, Ländern und Gemeinden das Thema durchaus auf dem Schirm. Doch sollte die aktuelle, dramatische Entwicklung Anlass sein, noch einmal alles zu koordinieren und zu prüfen, ob mehr Geld nötig ist. Denn das kommt wieder. „Hitzegipfel“ auf jeder Handlungsebene, Kreise, Länder, Bund, wären sicher nicht übertrieben.

Vor allem muss es darum gehen, konsistente Lösungen zu finden. Zum Beispiel sind energiefressende Klimaanlagen sicher nicht die richtige Antwort, denn sie verstärken den CO2-Ausstoß nur. Und wenn die Stadt- und Raumplanung das Thema Grün, Schatten, Frischluftschneisen und Wasser stärker mitbedenken soll, darf eben nicht mehr alles bebaut werden. Dann muss die Kleingartenanlage im Zweifel erhalten bleiben und das Dach aufgestockt und begrünt werden, statt noch ein Neubaugebiet auszuweisen. Es gibt viele Zielkonflikte, die entschieden werden müssen. Im Kleinen wie im Großen. So wird die Hitze politisch. Ihre Ursache, der Klimawandel, ist es längst.