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Masterplan Migration
Warum man Seehofer auch mal loben kann

FOTO: SZ / Robby Lorenz
In den letzten Wochen hat Innenminister Horst Seehofer wegen seines Kamikazeflugs in der Flüchtlingspolitik politisch und persönlich einiges um die Ohren gehauen bekommen. Hinter seinem Vorgehen stand eben nicht nur die Überzeugung, in der deutschen Asylpolitik wieder für Recht und Ordnung sorgen zu müssen. Von Hagen Strauss

Der Streit um seinen „Masterplan Migration“ war auch ein Machtkampf zwischen ihm und Kanzlerin Angela Merkel. Gleichwohl sollte man den Innenminister jetzt auch einmal loben, grundsätzlich zumindest. Denn mit seinem Vorhaben hat er den Finger in viele Wunden gelegt. An die zahlreichen Absurditäten des Asylrechts hat sich die deutsche Politik nämlich bislang nicht wirklich herangetraut. Weil zu kompliziert, weil vieles europäisch geregelt werden muss.

Dass zum Beispiel jemand unbehelligt wieder einreisen konnte, obwohl gegen ihn eine Einreisesperre verhängt gewesen ist, ist nicht zu begreifen. Auch nicht, dass sich Asylverfahren über Jahre hingezogen haben, was übrigens nicht im Sinne der Betroffenen sein kann. Vom Mangel an konsequenten Abschiebungen durch die Bundesländer ganz zu schweigen. Beim Bürger hat das erheblich für Verdruss gesorgt. Und an Seehofers Argument ist natürlich etwas dran: Jedes Bußgeld wird staatlicherseits bis zur letzten Instanz verfolgt, aber ein Gefährder kann hierzulande über Jahre unbehelligt leben, ohne irgendwelche Sanktionen befürchten zu müssen. Klingt populistisch, ist es auch. Aber deshalb ist dieser Gedanke nicht per se falsch. Dem CSU-Mann ist es zumindest zu verdanken, dass neuerdings über bessere Wege in der Asylpolitik auch europäisch stärker diskutiert wird. Und man sich nicht mehr mit jedem rechtlichen Unsinn einfach abfindet.

Von einer großen Wende in der Asylpolitik, die Seehofer in seinem „Masterplan“ sieht, kann aber nicht die Rede sein. Denn im Kern geht es nur um etwas mehr Steuerung und etwas mehr Begrenzung. Außerdem beinhaltet der Plan nichts darüber, wie endlich das Sterben im Mittelmeer beendet werden könnte – und mit legalen Fluchtwegen beschäftigt sich Seehofer schon gar nicht. Auch macht der Minister wie so oft einen Fehler: Er verprellt andere, die er für die Umsetzung seines „Masterplans“ dringend benötigt. Dass er die Asyl-Einigung mit der SPD nicht berücksichtig hat, ist eine typische Provokation. Sie dürfte es den Genossen noch schwerer machen, dem Vorhaben etwas Gutes abzugewinnen.



Seehofers Art der Auseinandersetzung um den Plan und speziell die mit der Kanzlerin ist zudem ein Irrweg gewesen. Sogar der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen, dass er die in der Folge schlechten Umfragewerte für die CSU in Bayern bewusst in Kauf genommen hat, um seinem verhassten Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, Markus Söder, gehörig eins auszuwischen. Seehofers Halbwertzeit als Bundesminister muss daher auf den 14. Oktober begrenzt werden. Wenn Landtagswahlen im Freistaat sind und die CSU tatsächlich eine deftige Schlappe erleiden sollte.