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Leitartikel
Trumps falsche Zollpolitik fördert nur neue Allianzen

Kommentarkopf Lothar Warscheid
Kommentarkopf Lothar Warscheid FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Vereinigten Staaten und China steuern sehenden Auges auf einen Handelskonflikt zu, der die Weltwirtschaft erschüttern könnte. Als Reaktion auf 25-prozentige Sonderzölle der USA auf Importe aus China will Peking heute Gegenmaßnahmen in ähnlicher Größenordnung erlassen. Von Lothar Warscheid

Und die nächste Runde ist schon angekündigt. US-Präsident Donald Trump will überall Zollschranken hochziehen, um zu erreichen, dass das ausufernde Außenhandelsdefizit der USA sinkt. Es ist im vergangenen Jahr mit 566 Milliarden Dollar (486 Milliarden Euro) auf den höchsten Wert seit 2008 geklettert. Vor allem der Fehlbetrag mit China ist kräftig gestiegen und hat 375 Milliarden Dollar erreicht – ein neuer Rekord.

Nun kann man dem ökonomischen Simpel im Weißen Haus nicht mit der schädlichen Wirkung von Zöllen kommen, die am Ende auf den zurückschlagen, der sie erlässt. Trump hat die irrige Ansicht, dass er das Defizit eindämmen kann, wenn die importierten Waren so teuer werden, dass die US-Bürger lieber auf amerikanische Produkte zurückgreifen. Doch so wird es nicht kommen. Im Gegenzug werden vielmehr die Exportmärkte für US-Waren verbaut, so dass die Erzeuger auf ihnen sitzen bleiben.

Grundsätzlich kann ein Außenhandelsdefizit nur zurückgefahren werden, wenn mehr Güter und Dienstleistungen exportiert als importiert werden. Doch dann müssen die Produkte so gut sein, dass sie im Ausland ausreichend Käufer finden. Hier hat die US-Wirtschaft mit Flugzeugen, Elektrotechnik oder Computern mitsamt den entsprechenden Rechenchips durchaus vorzeigbare Produkte. Doch diese industrielle Basis ist im Exportwert zu gering, um die Kauflust der Amerikaner auf hochwertige Konsumgüter aus dem Ausland auszugleichen.



Auch wenn China derzeit im Fokus des Trumpschen Zoll-Furors steht, sollte Europa darauf vorbereitet sein, dass bald auch wieder die EU ins Visier des Weißen Hauses gerät. Doch angesichts der Tatsache, dass die 28 Länder der Europäischen Union mehr als 26 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften, sollte sich die EU von den USA nicht einschüchtern lassen. Vielmehr sollte sie für offene Wirtschaftsräume eintreten und die Beziehungen mit wichtigen strategischen Partnern weiter ausbauen. Ein Beispiel dafür ist das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan. Hier besteht die Chance, die größte Freihandelszone der Welt zu errichten und ein Zeichen gegen den wachsenden Protektionismus zu setzen.

Auch die Sanktionen gegen Russland gehören bei der Suche nach neuen Handelsoptionen abgeschafft, zumal das Riesenreich als Rohstofflieferant immer wichtiger wird. Damit verbunden ist auch die Teilnahme am so genannten Seidenstraßen-Projekt, in das auf Initiative Chinas 900 Milliarden Dollar fließen sollen. Es hat zum Ziel, den asiatischen Raum über ein Netz neuer Straßen, Eisenbahnen, Häfen und Flughäfen mit Europa zu verbinden. Kurzum: Die EU hat Alternativen, sie muss sie nur ergreifen.