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Sicherheit
Wie eine Polizeieinheit gezielt für Terrorlagen geschult wird

 Ein SEK-Beamter mit seiner neuen Ausrüstung vor einem Polizeifahrzeug. 
Ein SEK-Beamter mit seiner neuen Ausrüstung vor einem Polizeifahrzeug.  FOTO: dpa / Andreas Arnold
Mainz.

Urplötzlich nähert sich ein maskierter, bewaffneter Mann und eröffnet das Feuer. Ein Opfer sackt zu Boden, schreit: „Mein Bein!“ Wild um sich schießend verschwindet der Täter hinter einer Stahltür in einem Gebäude. Es könnte eine Schule sein oder ein Einkaufszentrum. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei rauscht heran, dann weitere Beamte. Mit Blendgranaten bahnen sie sich den Weg, nehmen die Verfolgung des Amokläufers auf. Schüsse fallen, Geschrei ist zu hören. Schließlich führen die Polizisten den Täter ab – der bestmögliche Ausgang eines solchen Horror-Szenarios. Was sehr ernst aussieht, ist nur eine Übung auf dem Gelände des Polizeipräsidiums Einsatz, Logistik und Technik (ELT) in Mainz-Hechtsheim. Der Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit zwischen dem SEK und der sogenannten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) der Polizei. Und das nicht zufällig, denn die BFE soll mehr und mehr zur dritten Säule der Einsatzkräfte bei sogenannten lebensbedrohlichen Einsatzlagen werden – neben SEK und Streifenpolizei, die bei Attacken oft zuerst vor Ort sind.

Die enge Kooperation von SEK und BFE ist Bestandteil der einmal mehr weiterentwickelten Einsatzkonzepte der rheinland-pfälzischen Polizei. Innenminister Roger Lewentz (SPD) schlägt am Rande der Übung die Brücke zum Amoklauf von Winnenden vor genau zehn Jahren mit insgesamt 15 Toten. Schon nach dieser Tat 2009 sei neue Ausrüstung für die Polizei im Land angeschafft worden – etwa Schutzdecken zum Bergen und Sichern von Lehrern und Schülern.

Ein weiterer tiefgreifender Einschnitt waren die Anschläge 2015 in Paris. Auf die Attacke gegen das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ folgten weitere Anschläge auch im Nachbarland Belgien. Als Reaktion darauf wurden die Einsatzkonzepte der Polizei umfassend angepasst. Und das geschieht nun also erneut.



Vom großen organisierten Angriff bis hin zum Einzeltäter könne vieles passieren, sagt Lewentz. „Das ist ein ganz breites Spektrum an Herausforderungen.“ Zuletzt sei die BFE nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2018 bereits an Fahndungen nach dem zunächst flüchtigen Täter im rheinland-pfälzischen Grenzgebiet beteiligt gewesen, erklärt der Minister. Nun wird diese Einheit eine dauerhafte dritte Säule bei großen Einsatzlagen. Dafür werden die Beamten geschult, damit etwa die Kooperation vor Ort mit dem SEK reibungslos funktioniert. Ab dem zweiten Halbjahr 2019 seien die BFE-Kräfte nach und nach einsatzbereit, kündigt Lewentz an.

Zuletzt waren schon Tausende Streifenpolizisten auf der Landespolizeischule am Flughafen Hahn auf lebensbedrohliche Lagen vorbereitet worden.

Die SEK-Kräfte sollen zwar die „Speerspitze des Einsatzes“ bleiben, wie Thomas Wimmer erklärt. Er ist SEK-Leiter und stellvertretender Leiter der Spezialeinheiten insgesamt. Die BFE agiere aber fortan in ihrem Rücken, entlaste das SEK, könne Räume sichern und freihalten, evakuieren oder Verletzte bergen. Insgesamt gibt es in Rheinland-Pfalz rund 200 SEK-Kräfte, an den vier Standorten Mainz, dem pfälzischen Enkenbach-Alsenborn, Koblenz und Wittlich-Wengerohr. Zu ihrem Aufgabenspektrum zählen die organisierte Kriminalität, die Banden- und Gewaltkriminalität oder politisch motivierte Kriminalität. Sie sind in der Regel gefragt, wenn gefährliche, bewaffnete Täter gestoppt werden müssen. Die BFE umfasst nochmal über 100 Kräfte, die sich auf Mainz, Enkenbach-Alsenborn und Koblenz verteilen. Sie kennt man von Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Demos.

(dpa)