| 21:38 Uhr

Beamten erhoffen sich mit Projekt mehr Dialog
Westpfälzer Polizisten gehen auf Internet-Streife

Isabel Pelegri und Felix Brandt zeigen auf ein Plakat, mit dem die Polizei auf ihren Instagramm-Auftritt aufmerksam macht.
Isabel Pelegri und Felix Brandt zeigen auf ein Plakat, mit dem die Polizei auf ihren Instagramm-Auftritt aufmerksam macht. FOTO: dpa / Polizeipräsidium Westpfalz
Kaiserslautern. Als digitale Freunde und Helfer sind zwei Westpfälzer Polizisten ab sofort im Internet ansprechbar. Werden die ersten „Insta-Cops“ im Bundesland für mehr Dialog und Menschlichkeit in sozialen Netzwerken sorgen?

Es sind spannende Einblicke in die Polizeiarbeit – und nicht nur in Rheinland-Pfalz dürften die Behörden interessiert nach Kaiserslautern blicken. Ab sofort gehen zwei Westpfälzer Polizisten in einem landesweit einmaligen Pilotprojekt im Internet auf Streife: mit Fotos, Kommentaren und Erlebnisberichten. „Wir wollen die Menschlichkeit hinter dem Begriff Polizei zeigen und den Bürgern einen persönlichen Ansprechpartner bieten“, sagt Polizeikommissarin Isabel Pelegri, eine der Westpfälzer „Insta-Cops“. Und ihr Kollege Felix Brandt betont: „Wir zeigen uns und die Menschen, die hinter der Organisation stehen. Wir reduzieren die Anonymität.“ Am gestrigen Montag wurden die Adressen @isabel_polizeikl und @felix_polizeikl freigeschaltet.

Pelegri und Brandt, beide Mitte 20, geben auf der Foto-Plattform Instagram mit Bildern und Videoclips Einblicke in den Alltag im Streifendienst. Die Beamten treten dabei mit eigenem Namen auf und wollen in einen Dialog mit anderen Nutzern treten. Die Initiative Internet Community Policing hat Vorbilder etwa in der Schweiz und Finnland. In Zürich sind die Beiträge von Patrick Jean, dem ersten Internet-Community-Polizisten im deutschsprachigen Europa, ein Hit.

„Wir konnten Jean besuchen und von seinen Erfahrungen profitieren“, erzählt Polizeikommissar Brandt. Was davon am Ende in Rheinland-Pfalz funktioniere, müsse man sehen. „Jede Community verhält sich nun mal unterschiedlich und reagiert anders auf verschiedene Posts.“ Die Polizei müsse in den sozialen Medien vertreten sein, sagte Peter Wilkesmann einmal, einst zuständiger Referatsleiter im Innenministerium und heute Verwaltungsleiter im Polizeipräsidium Koblenz. „Wenn wir dies nicht tun würden, wäre es, als ob die Polizei vor über 100 Jahren gesagt hätte, es gibt zwar Autos, aber wir benutzen sie nicht und setzen lieber weiter auf Polizeipferde.“



Im Mainzer Innenministerium besetzt Carolin Henn seit Jahresbeginn die neue Koordinierungsstelle Kommunikation. Ihre Aufgabe ist es, die Social-Media-Aktivitäten der Polizeipräsidien in Rheinland-Pfalz zu koordinieren. „Wir wollen Prozesse standardisieren“, sagt sie. Dazu gehöre die wichtige Aus- und Fortbildung. Denn soziale Netzwerke seien mittlerweile ein „Hauptbestandteil der Pressearbeit“.

Noch arbeitet jedes Präsidium nach seinem eigenen Muster. Trotz der Standardisierung soll das operative Geschäft weiter vor Ort bleiben. Hier wurde Personal aufgestockt. Seit dem 1. April habe jedes Präsidium einen eigenen Redakteur, sagt Henn. Damit wolle man einen „ganz anderen Blick“ von außen in die Arbeit integrieren.

Anscheinend mit Erfolg: Das Präsidium Mainz hat aktuell auf dem Kurznachrichtendienst Twitter etwa 18 900 Follower, das Präsidium Rheinpfalz etwa 15 300. Das liege wohl auch am Inhalt, meint Henn: „Die haben ein sehr, sehr gutes Händchen für Content.“ Beobachter verweisen auch darauf, dass Ludwigshafen und Mainz Ballungszentren mit mehr Einwohner seien als etwa die Westpfalz oder die Eifel.

Seit dem 1. Juni gibt es einen einheitlichen Landeskanal auf dem Fotoportal Instagram, das zu Facebook gehört. Angefangen habe das Präsidium Rheinpfalz, erzählt Henn. Mehr als 100 Beiträge sammelten sich in den vergangenen etwa acht Monaten an, knapp 5760 Abonnenten hat der Account. Er fungiert seit dem 1. Juni als zentraler Kanal der rheinland-pfälzischen Polizei. Er komme „sehr gut“ an, meint Henn.

Doch nicht jedes soziale Netzwerk ist gleich, die Polizei arbeitet zielgruppenspezifisch. Mit Instagram, sagt Henn, werde eine „ganz andere Zielgruppe“ erreicht als mit Twitter und Facebook. Twitter sei ein wichtiger Nachrichtenkanal, auch Facebook werde dafür genutzt – die Beamten informieren hier über Einsatzlagen, Verkehrsbehinderungen oder Fußballspiele. „Taktische Kommunikation“ nennt dies Henn. So warnte die Polizei Mainz jüngst vor steigender Waldbrandgefahr: „Helft mit #Waldbrände und #Flächenbrände zu vermeiden.“

„Wir haben es mit einem Kultur- und Sprachwandel innerhalb der Polizei zu tun, erzwungen durch neue Medien“, sagte der Experte Rafael Behr von der Polizeiakademie Hamburg einmal. Sprache werde damit authentischer. „Im Internet kann die Polizei zeigen, was sie sonst verborgen hält, nämlich Jugendlichkeit und Spontanität“, sagt der Experte. Die große Herausforderung sei, die Balance zwischen Schnelligkeit, Glaubwürdigkeit und Angemessenheit zu halten.