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Netz für lebenslanges Lernen
Fitmacher für die Digitalisierung

Die Landesregierung in Mainz treibt die Digitalisierung voran. Weiterbildungsangebote sollen jedermann den Weg ins Netz ebnen.
Die Landesregierung in Mainz treibt die Digitalisierung voran. Weiterbildungsangebote sollen jedermann den Weg ins Netz ebnen. FOTO: dpa
Mainz. Weiterbildung ist das Herzensthema von Katrin Rehak-Nitsche. Nur so ist Mitgestaltung möglich, ist die neue SPD-Abgeordnete im Mainzer Landtag überzeugt.

Hochschulen, Volkshochschulen, Kirchen oder Gewerkschaften sollen in Rheinland-Pfalz stärker zusammenarbeiten, um gemeinsam das lebenslange Lernen für alle voranzubringen. Mit diesem Ziel hat die neue SPD-Abgeordnete Katrin Rehak-Nitsche ihre Arbeit im Mainzer Landtag aufgenommen. „Weiterbildung muss aus der Nische heraus und sich stärker vernetzen“, sagt die weiterbildungspolitische Sprecherin der Fraktion. „Alle Menschen sollten die Gelegenheit haben, sich lebenslang weiterzubilden.“ Dies sei auch ein wesentliches Instrument für umfassende gesellschaftliche Teilhabe.

Als Beispiel nennt die Wissenschaftlerin die Digitalisierung. Diese werde „zu sehr als Prozess wahrgenommen, der über uns kommt und passiv hingenommen werden muss“. Es gehe aber nicht darum, sich diesen Veränderungen anzupassen. Schließlich sei die Technik für den Menschen da. „Wir müssen sie selbst mitgestalten“, sagt Rehak-Nitsche im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Aber das kann ich nur, wenn ich verstehe, was da passiert.“

Deshalb habe die Landesregierung Weiterbildung zu einem festen Bestandteil ihrer Digitalstrategie gemacht, sagt Rehak-Nitsche. „Wir müssen die digitale Qualifizierung der Träger der Weiterbildung stärken, damit sie den Menschen geeignete Formate und einen niederschwelligen Zugang zu Themen der Digitalisierung anbieten können.“



Die Projektmittel für Weiterbildungsträger wurden im Entwurf für den Doppelhaushalt 2019/20 von bisher 150 000 Euro im Jahr auf 450 000 Euro verdreifacht. „Ziel sind strategische und didaktische Gesamtkonzepte für den Einsatz von digitalen Techniken und digital gestützten Lernformaten in Einrichtungen der Erwachsenenbildung“, erklärt ein Sprecher des Ministeriums für Weiterbildung. Personalstellen für Digitalbeauftragte in den Geschäftsstellen erhalten Zuschüsse. Weiterbildungseinrichtungen werden bei der Entwicklung eines Medienkonzeptes durch gezielte Coaching-Maßnahmen unterstützt. Bereits gefördert wird etwa das Volkshochschul-Projekt „Vom Präsenzkurs zum Online-Angebot“ mit der Entwicklung von Webinaren und sogenannten Blended-Learning-Formaten – also der Verbindung von klassischem Unterricht mit digitalen Lernformen.

Die Volkshochschulen seien schon lange dabei, sich selbst zu professionalisieren, sagt die Direktorin des Landesverbands der Volkshochschulen, Steffi Rohling. „Wir müssen unsere Angebote ausweiten, das können wir nur mit einer Stärkung durch das Land.“ Deshalb sei die geplante Mittelerhöhung sehr zu begrüßen. Es gehe nicht nur darum, welche Taste am Bildschirm betätigt werden müsse, um eine Anwendung zu bedienen. „Es geht auch um den kritischen Blick auf das, was Digitalisierung mit unserer Gesellschaft macht.“ Viele Erwachsene kämen mit dem digitalen Wandel noch nicht zurecht, hätten aber im Unterschied zu Schülern und Studenten keinen Bezug mehr zu den üblichen Bildungswegen. „Zu uns können alle Menschen kommen“, betont Rohling.

„Meine Vision ist, dass wir über die Weiterbildung auch Orte der sozialen Begegnung schaffen“, sagt Rehak-Nitsche. „Die Menschen müssen aus ihren Blasen heraus.“ Solche engen sozialen Kreise ohne Berührung nach außen gebe es nicht nur in der Bundeshauptstadt, sondern auch in Rheinland-Pfalz, hat die gebürtige Berlinerin festgestellt. „Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist es wichtig, dass wir uns in Kreise begeben, die uns auf den ersten Blick fremd scheinen.“

Darin ist die Landtagsabgeordnete geübt: Nach dem Studium in Berlin, Potsdam, Edinburgh und Stanford war die promovierte Geologin erst für die Helmholtz-Gemeinschaft, seit 2016 für die Robert-Bosch-Stiftung tätig. Von der Wissenschaft kam sie erst 2013 mit dem Umzug nach Wörth und dem Eintritt in die SPD zur Politik. „Ich sehe mich als Grenzgängerin zwischen beiden Welten, möchte beide miteinander verbinden.“

Als Ersatzkandidatin der neuen Bürgerbeauftragten Barbara Schleicher-Rothmund rückte Rehak-Nitsche Ende April in den Mainzer Landtag nach. Anfangs habe sie „manche Gepflogenheiten im Landtag mit Verwunderung betrachtet“, erzählt die 40-Jährige. Als Schriftführerin musste sie schon neben dem Präsidentenplatz auf die Rednerlisten achten. Die erste eigene Rede im Plenum steht noch aus. Hin und wieder hält die Abgeordnete Gedanken zu ihrer neuen Arbeit in einem persönlichen Blog fest. Sie sieht darin einen „weiteren Kanal für die Vermittlung, da sich viele Menschen nicht so recht vorstellen können, was wir im Landtag tun“.


Die rheinland-
pfälzische SPD-Landtagsabgeordnete 
Katrin 
Rehak-Nitsche.
Die rheinland- pfälzische SPD-Landtagsabgeordnete Katrin Rehak-Nitsche. FOTO: dpa / Peter Zschunke
(dpa)