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Helfer dringend gesucht
Wegen Corona: Land ruft Ärzte aus Rente zurück

 Überall werden Helfer gebraucht. Ärztekammer und Landesregierung hoffen, Ärzte bis 75 Jahre reaktivieren zu können.
Überall werden Helfer gebraucht. Ärztekammer und Landesregierung hoffen, Ärzte bis 75 Jahre reaktivieren zu können. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Mainz. Die Ärztekammer bittet 1300 Mediziner um Hilfe. Die Landesregierung in Mainz äußert sich zur Lage in Altersheimen und Schulen.

Weil das Coronavirus für überfüllte Arztpraxen und überlastete Gesundheitsämter sorgen dürfte, bitten Landesregierung und Ärztekammer in Rheinland-Pfalz Mediziner um Hilfe, die schon in Rente sind. 1300 Ärzte bis 75 Jahre seien angeschrieben worden, erklärte das Gesundheitsministerium in Mainz.

„Wir hoffen auf Ärzte, die uns in der Krisensituation unterstützen“, sagte Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), die von ersten positiven Rückantworten spricht. Auch bei der Flüchtlingskrise 2015 habe das Land Mediziner angeschrieben, um Einwanderer aus Kriegsgebieten schneller und besser versorgen zu können.

50 bis 60 Stellen mehr hätten die Gesundheitsämter wegen Belastungen durch das Coronavirus landesweit angemeldet, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Das Land habe auch Medizinstudenten ab dem 5. Semester angeschrieben, um zu helfen, führte die SPD-Politikerin aus. Helfen sollen ehemalige Ärzte auch, um bei der Bürger-Hotline des Landes medizinische Fragen zu beantworten. Diese ist unter der Telefonnummer (0800) 57 58 100 geschaltet.



Am Donnerstag gab es landesweit bereits mehr als 50 Corona-Erkrankungen in Rheinland-Pfalz. Bodo Plachter von der Unimedizin Mainz spricht von einer „stündlichen Entwicklung“, sagte aber: „Wir haben die Chance, die Infektionsrate zu kontrollieren, weil wir einen zeitlichen Vorsprung haben. Eine Situation wie in Italien, wo Krankenhäuser und das Personal völlig überlastet sind, wollen wir in Rheinland-Pfalz nicht haben.“

Auf lange Sicht – „über bis zu vier Jahre“, so Plachter – sei aber zu erwarten, dass sich bis zu 70 Prozent der Bevölkerung mit Corona infizierten. Menschen seien gegenüber dem Virus „immunologisch naiv“, es fehle an einem Immunschutz.