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Wasserqualität besser, aber nicht gut

Mainz. Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) hat am Montag den Gewässerzustandsbericht für das Jahr 2010 vorgestellt. Es ist der erste seit zehn Jahren, und er beurteilt die Gewässer erstmals unter der Maßgabe der strengen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie Von Merkur-Korrespondent Frank Giarra

Mainz. Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) hat am Montag den Gewässerzustandsbericht für das Jahr 2010 vorgestellt. Es ist der erste seit zehn Jahren, und er beurteilt die Gewässer erstmals unter der Maßgabe der strengen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Die Kernaussage des Berichts: 25 Jahre nach der Sandoz-Katastrophe, als bei Basel tonnenweise giftige Chemikalien in den Rhein flossen, sind enorme Defizite abgearbeitet und die Wasserqualität ist gestiegen - erreicht aber noch nicht alle Vorgaben der EU. "Es bleibt noch viel zu tun", sagt Höfken. Bis auf den Stör seien aber gerade in den Rhein alle Fischarten zurückgekommen.Dennoch sind laut Bericht rund drei Viertel (73 Prozent) der Flüsse in keinem guten ökologischen Zustand. Besonders belastet sind nach wie vor die Bundeswasserstraßen Rhein, Mosel und Saar, deren ökologischer Zustand schlecht (Note 5) bewertet wird. Auf der anderen Seite leben in einem der besten Gewässer des Landes, der Our (Nebenfluss der Sauer) entlang der Grenze zu Belgien und Luxemburg, bis zu 39 empfindliche Kleintierarten, die Indikatoren für die gute Wasserqualität sind.

Die Proben an über 1000 biologischen und 120 chemischen Messstellen im Land haben unter anderem ergeben, dass sich die Jahresmittelwerte bei den europaweit verbotenen PCB-Verbindungen in Rhein, Mosel und Saar von 1994 bis 2009 halbiert haben. Lebensmittelgrenzwerte werden aber weiterhin überschritten, vor allem bei fettreichen Fischen wie dem Aal, sodass selbige ungenießbar sind.

Die Ministerin sieht eine wichtige Herausforderung der kommenden Jahre darin, die Belastungen durch Stickstoffe und Pflanzenschutzmittel der Landwirtschaft weiter zu reduzieren. Bauern sollen im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen ebenso beraten werden wie Verbraucher. Laut Umweltministerium sind bis 2015 Investitionen von 420 Millionen Euro vorgesehen. 310 Millionen Euro sollen zur Sanierung von Kläranlagen und Kanalsystemen fließen, 110 Millionen Euro für die Aktion Blau Plus zur Renaturierung von Gewässern gemeinsam mit den Kommunen.



Hintergrund

Vor 25 Jahren, am 1. November 1986, ist in einer Lagerhalle des Schweizer Chemiekonzerns Sandoz bei Basel ein Feuer ausgebrochen. 1350 Tonnen hochgefährliche Chemikalien sind dort gelagert, mehr als 20 Tonnen Gift fließen ungehindert in den Rhein und färben den Fluss blutrot. Der Aalbestand auf einer Strecke von mehr als 400 Kilometern wird ausgelöscht, tausende andere Fische und Lebewesen sterben. Drei Wochen lang wird kein Trinkwasser aus dem Rhein entnommen, der 20 Millionen Menschen in Deutschland mit Trinkwasser versorgt. Es war eine der bis dahin größten Umwelt-Havarien. Die positiven Folgen der dramatischen Ereignisse: Die Dauereinleitungen von Chemikalien in den Rhein wurden drastisch reduziert, Anlagen zum Gewässerschutz sowie Messsysteme wurden errichtet. Heute ist der Rhein sauberer als vor der Katastrophe. dpa