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Bildung
Mehr Einheitlichkeit für die Schulbildung

 Schüler arbeiten an ihrem schriftlichen Abitur. Aktuell wird darüber diskutiert, wie man bundesweit mehr Einheitlichkeit schaffen kann.
Schüler arbeiten an ihrem schriftlichen Abitur. Aktuell wird darüber diskutiert, wie man bundesweit mehr Einheitlichkeit schaffen kann. FOTO: dpa / Jens Wolf
Mainz. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig steht als Vorsitzende der Kultusministerkonferenz nicht nur im eigenen Land vor einem Berg von Herausforderungen. Von Bernd Wientjes

Stefanie Hubig hat keinen leichten Stand. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und SPD-Politikerin ist seit vier Jahren für Kindergärten und Schulen im Land verantwortlich. Eine Herausforderung. Die Ausweitung der Kinderbetreuungszeiten bei gleichzeitigem Mangel an Kita-Personal sorgte für heftige Kritik von Gewerkschaften und Trägern. Genauso der ständige Versuch von Hubig, die dauer­haften Unterrichtsausfälle an den Schulen zu erklären und zu rechtfertigen.

Eltern, Gewerkschaften und Opposition fordern von der Ministerin klare Aussagen, wie sie das Problem in den Griff bekommen will. Die CDU-Fraktion im Landtag spricht von geschönten Statistiken.

Seit vergangenem Donnerstag steht Hubig aber nicht nur im rheinland-pfälzischen Fokus. Die 51-Jährige hat den Vorsitz der Kultusministerkonferenz übernommen und ist damit zuständig für die Koordination der unterschiedlichen Bildungspolitiken der Bundesländer. Als ein Ziel hat sich die SPD-Politikerin gegeben, für mehr Einheitlichkeit zu sorgen. Unter anderem bei der Sommerferienregelung. Während sich 14 Bundesländer beim Beginn der Sommerferien in einem festgelegten Korridor abwechseln, weigern sich Bayern und Baden-Württemberg standhaft, an ihrem festen, späten Ferientermin zu rütteln. „Extrawürste soll es nicht mehr geben“, sagte Hubig dazu in einem Interview mit der in Ludwigshafen erscheinenden „Rheinpfalz“. Mehr Einheitlichkeit wünscht sich Hubig auch beim Abitur. Es müsse mehr Vergleichbarkeit bei den Prüfungen geben, forderte sie im SWR. Zwar gebe es heute bereits zentrale Elemente im Abitur, die alle Länder hätten, aber es müsse verstärkt gleicher Stoff abgefragt werden. Trotz der zentralen Elemente bei der Abiturprüfung sollten die Eigenheiten der Länder beibehalten werden.



Eine Aussage, die die CDU-Opposition stutzig macht. Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Anke Beilstein, spricht von widersprüchlichen Aussagen Hubigs zum Zentralabitur. Sie kündigt an, das Thema ins Parlament zu bringen.

Ein klares Nein zum Zentralabitur gibt es von den Schülern. „Natürlich ist es erstrebenswert, wenn es in einem Land auch einen einheitlichen Abschluss gibt. Dafür kann das bundesweit einheitliche Abitur aber nur der letzte Schritt und nicht der erste sein“, sagt Jonah Simon, Vorstandsmitglied der Landesschülervertretung (LSV). Solange jedes Bundesland sein eigenes Bildungssystem mit eigenen Lehrplänen und Schulkonzepten habe, sei das nicht gegeben. Die LSV befürwortet das rheinland-pfälzische System, bei dem die Fachlehrer die Abiturprüfungen erstellen. Dadurch könnten die Lehrer auch auf inhaltliche Exkurse und Abweichungen vom Lehrplan bei den Prüfungen eingehen.

Allerdings fordern die Schüler die Abschaffung der Abiturklausuren in der jetzigen Form. Zum einen verursachten die schriftlichen Prüfungen in den Leistungskursfächern „überflüssige Stresssituationen“ und zum anderen würden sie durch „eine lediglich punktuelle Abfrage“ dem breiten Leistungsspektrum der gesamten Oberstufe nicht gerecht. „Eine einzige mehrstündige Prüfung steht doch nicht im Verhältnis zu meinen Leistungen der letzten 13 Jahre“, sagt LSV-Vorstandsmitglied Elisabeth Hegemann. Die Schüler fordern, dass die Abiturnote aus den Leistungen während der gesamten Oberstufenzeit errechnet wird.

Bereits jetzt setze sich die Abinote zu Zweidritteln aus den Noten der vier Halbjahre vor den schriftlichen Prüfungen zusammen, sagt Ministeriumssprecher Henning Henn. Die eigentlichen Abiturprüfungen machten daher nur ein Drittel der Gesamtnote aus. Eine Prüfung am Ende der Schullaufbahn gehöre aber zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife und sei zudem Voraussetzung für die Anerkennung des Abiturs in anderen Bundesländern.

Der Philologenverband, der die Interessen der Gymnasial- und Gesamtschullehrer vertritt, fordert Fortschritte zu einer besseren Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen. Dazu sei aber kein bundesweites Zentralabitur nötig, sagt die Bundesvorsitzende des Verbandes, Susanne Lin-Klitzing. Stattdessen sollen künftig mindestens die Hälfte aller Abituraufgaben aus einem gemeinsamen Prüfungspool entnommen werden.

Auch die anderen Lehrergewerkschaften haben klar formulierte Wünsche an die neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Klaus-Peter Hammer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, fordert ein gemeinsames Maßnahmenpaket der Länder, „um die Arbeitsbelastung an Schulen und Kindertagesstätten zu reduzieren“. „Beherztes Handeln“ um die Zukunft der Bildung in Deutschland „entscheidend mitzuprägen“, wünscht sich Gerhard Bold, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, von Hubig.