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Familiendrama
Vater will kranke Tochter töten: Prozessauftakt

Trier. Vater wollte seine schwerkranke Tochter aus Trier angeblich aus Mitleid töten. Von Rolf Seydewitz

Weil er seine an einer unhelbaren Augenkrankung leidende Tochter töten wollte, muss sich ein 63-jähriger Mann aus Trier ab Ende April vor dem Landgericht verantworten. Man habe die wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erhobene Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen, sagte eine Gerichtssprecherin auf Anfrage unserer Zeitung.

Das fast ein halbes Jahr zurückliegende Familiendrama hatte über die Grenzen der Region für Aufsehen gesorgt. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte seine 35-jährige Tochter mit einem Messer attackiert und schwer verletzt, nachdem er sie zuvor aus der Klinik abgeholt und zu ihrer Wohnung gebracht hatte. Trotz lebensgefährlicher Schnittverletzungen soll sich die Frau noch aus der Wohnung in den Flur geschleppt haben, wo sie von Nachbarn gefunden wurde.

Nach der Attacke auf seine Tochter soll der Vater versucht haben, sich mit dem Messer selbst zu töten. Aber auch dieser Versuch schlug fehl. Beide überlebten schwer verletzt, auch weil der Rettungsdienst rasch vor Ort war und die Schwerstverletzten in die Klinik brachten.



Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen hat sich der Angeklagte stets aufopferungsvoll um seine Tochter gekümmert, die an einem unheilbaren, schweren Augenleiden erkrankt sei. Vor diesem Hintergrund habe sich der 63-Jährige entschlossen, „dem Leiden der Tochter ein Ende zu setzen und sowohl ihr Leben als auch sein eigenes zu beenden“. Da die Tochter davon nichts geahnt haben soll, gehen die Ermittler vom Mordmerkmal der Heimtücke aus. Prozessauftakt ist 25. April. Wie viele Verhandlungstage angesetzt sind, ist noch unklar.