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Unterrichtsausfall steigt leicht an

Mainz. Die Schülerzahlen sinken in Rheinland-Pfalz weniger stark als vorhergesagt. In den ersten Klassen sitzen sogar mehr Kinder als vor einem Jahr. Leicht zugenommen hat aber auch der Unterrichtsausfall. dpa

An rheinland-pfälzischen Schulen fällt wegen fehlender Lehrer wieder etwas mehr Unterricht aus. Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) gab die Quote für den sogenannten strukturellen Unterrichtsausfall an allgemeinbildenden Schulen am Freitag in Mainz mit 2,1 Prozent an - nach 1,9 Prozent im Vorjahr. Im Schuljahr 2011/2012 waren es allerdings noch 2,4 Prozent gewesen. Ziel ist es laut Ahnen, bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2016 wieder auf den einstigen Spitzenwert von 1,2 Prozent zu kommen - so wie ihn jetzt nur die Grundschulen haben. Die Quote erfasst nicht den kurzfristigen Unterrichtsausfall etwa wegen Krankheiten von Lehrern.

"Total erfreulich" ist Ahnen zufolge, dass entgegen dem allgemeinen demografischen Trend die Zahl der Abc-Schützen binnen Jahresfrist um 1,5 Prozent auf 33 000 geklettert ist. "100-prozentig kann ich es mir nicht erklären", sagte die Ministerin. Erstaunlicherweise gebe es einen derartigen Anstieg im Nachbarland Hessen nicht. "Wir sind einfach attraktiv für junge Familien", vermutete Ahnen. Noch unklar sei, ob es auch nächstes Jahr wieder mehr Schulanfänger gebe.

Insgesamt sanken die Schülerzahlen in Rheinland-Pfalz nicht so deutlich wie in früheren Prognosen vorhergesagt wurde. Auch deshalb nahm der Unterrichtsausfall nach Ahnens Worten leicht zu. 425 000 Mädchen und Jungen besuchen derzeit die allgemeinbildenden Schulen. Das sind 8000 weniger als vor einem Jahr. Vorgesagt worden war aber ein Rückgang um 10 000 Schüler.

Gemäß den sinkenden Schülerzahlen könnten laut Ahnen anteilig 3800 Lehrerstellen zwischen 2012 und 2016 wegfallen. "Wir bauen aber nur 2000 ab", sagte sie mit Blick auf die Sparzwänge der Schuldenbremse. Sie bekräftigte, dass der Pool von Vertretungslehrern bis 2016 insgesamt 1000 Beamtenstellen zählen soll. Derzeit hat er 300.

Die CDU-Opposition im Mainzer Landtag kritisierte, trotz sinkender Schülerzahlen falle immer noch viel zu viel Unterricht aus. Sie forderte eine "vollständige Unterrichtsgarantie". Dafür seien übergangsweise 700 Lehrer mehr nötig als von der rot-grünen Landesregierung geplant. Finanziert werden könnte das unter anderem mit sozial gestaffelten Elternbeiträgen für Schulbusse.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) monierten, dass weiterhin eine garantierte Vollversorgung für Schulen fehle. Laut VBE dürfte die Landesregierung daher keine einzige Lehrerstelle streichen. Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) sprach von wachsenden Belastungen für Pädagogen. Das führe verstärkt zu Erkrankungen und Berufsunfähigkeit.