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Weinbau
„Ganzkörperkondome“ für Winzer: Legte das Land keinen Protest ein?

Mainz/Trier. Von Florian Schlecht

Im Streit um umstrittene Auflagen für Winzer widerspricht das CDU-geführte Bundeslandwirtschaftsministerium dem rheinland-pfälzischen Weinbauminister Volker Wissing (FDP), der im Trierischen Volksfreund gesagt hatte, seine Beamte hätten gegen neue Regeln aus Berlin „größte Bedenken“ geäußert. Wie ein Sprecher des Ministeriums nun mitteilte, seien diese „in keinem Protokoll“ zu finden.

In dem Konflikt zwischen Bund und Land geht es um die Frage, wie lange Winzer in den Weinbergen einen langen Sicherheitsanzug gegen Pflanzenschutzmittel tragen müssen, der in der Branche nur „Ganzkörperkondom“ genannt wird. Nach neuen Auflagen des Bundes droht künftig ein Bußgeld, wenn Winzer gegen Vorschriften verstoßen. Weinbauern sind empört: Es sei unerträglich, bei Sommer-Temperaturen von 40 Grad in den Steillagen über mehrere Stunden hinweg die Anzüge zu tragen, sagen sie. Lange Wartezeiten, nachdem die Pflanzenschutzmittel eingesetzt seien, hielten auch von der Arbeit ab.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das unter Beteiligung der Länder alle Regeln erarbeitet hatte, habe nun „alle Protokolle und Mailverkehre durchgeschaut, um die besonderen Einlassungen aus Rheinland-Pfalz ausfindig zu machen“, heißt es aus Berlin. Es habe aus dem Land lediglich die Frage gegeben, wie die Kontrolle der neuen Bestimmungen ausgeübt werden könne. Im Bundeslandwirtschaftsministerium sei bei einer Besprechung mit Leitern der Pflanzenschutzdienste am 6. und 7. März 2018 im Protokoll festgehalten worden: „Das Thema wurde erörtert und keine Proteste der Länder vermerkt.“ Auch das rheinland-pfälzische Weinbauministerium habe einen Vertreter zu dem Treffen abgestellt. Trotz E-Mail-Aufforderung, sich schriftlich zu äußern, habe Rheinland-Pfalz keine Stellungnahme abgegeben. Es sehe wohl so aus, dass Minister Wissing „nicht richtig von seinen Leuten informiert wurde oder das Thema in 2017 und 2018 – bevor Julia Klöckner ins Amt kam – nicht ernst genommen hat“, mutmaßt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums.



Das FDP-geführte Weinbauministerium in Mainz sagt, es könne die Informationen nicht nachvollziehen. Das Land habe in einer Stellungnahme vom 11. Juli 2017 auf kritische Punkte bei den Auflagen hingewiesen. Das Schreiben sei per E-Mail an das zuständige Amt und Ministerium gesendet worden. In dem Papier, das dem TV vorliegt, warnte das Land unter anderem vor „stärkeren körperlichen Belastungen“ beim andauernden Tragen längerer Arbeitskleidung. Das rheinland-pfälzische Ministerium kritisiert, die Vorwürfe aus Berlin hätten in Mainz ohnehin nichts zu suchen, weil es sich um eine reine Bundesangelegenheit handele, der die Länder nicht mal zustimmen mussten.

Winzer hoffen im Streit auf eine schnelle Lösung, bevor die heißen Sommer-Tage beginnen: Bundesministerin Klöckner hat für den April zu einer Fachtagung nach Bonn geladen. Sie wolle die Auflagen überprüfen lassen, heißt es von ihrem Sprecher. Aus Winzer-Kreisen erklingt wiederum die Furcht, dass es angesichts des mehr als angespannten Verhältnisses von Julia Klöckner und Volker Wissing zu keiner Lösung kommen könnte.