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Sprunghafter Anstieg von Kirchenaustritten im Land

 Im Bistum Speyer (hier der Dom) sind die Kirchenaustritte sprunghaft angestiegen. Foto: dpa
Im Bistum Speyer (hier der Dom) sind die Kirchenaustritte sprunghaft angestiegen. Foto: dpa
Mainz. Die Kirche in Rheinland-Pfalz leidet unter teils massivem Mitgliederschwund - bei den Katholiken werden als ein möglicher Grund die Missbrauchsfälle angenommen. So zeigt sich bei all den Bistümern, die Zahlen vorliegen haben, dass sich in diesem Jahr mehr Gläubige als im Vorjahr von der Kirche abgewandt haben Von dpa-Mitarbeitern Birgit Reichert und Tobias Goerke

Mainz. Die Kirche in Rheinland-Pfalz leidet unter teils massivem Mitgliederschwund - bei den Katholiken werden als ein möglicher Grund die Missbrauchsfälle angenommen. So zeigt sich bei all den Bistümern, die Zahlen vorliegen haben, dass sich in diesem Jahr mehr Gläubige als im Vorjahr von der Kirche abgewandt haben. So traten im Bistum Trier bis Ende November 7029 Menschen aus der katholischen Kirche aus - gut 50 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr (2009: 4583), wie das Bistum mitteilte. Aber auch die Evangelische Kirche im Rheinland klagt über schwindende Mitgliederzahlen. Im Bistum Trier war die Austrittswelle in den Monaten März, April und Mai am stärksten, in denen die Kirche wegen des Missbrauchsskandal viele Schlagzeilen machte. Die meisten Austritte gab es bei den 40- bis 50-Jährigen mit rund 30 Prozent. Jeweils fast 20 Prozent machten die Altersgruppen der 30- bis 40-Jährigen sowie der 20- bis 30-Jährigen aus.Das Bistum Trier, in dem rund 1,5 Millionen Katholiken leben, umfasst die ehemaligen Regierungsbezirke Trier und Koblenz sowie weite Teile des Saarlandes. Von den ausgetretenen Katholiken haben gut 4200 kommen aus Rheinland-Pfalz. 2008 hatten rund 4400 Menschen im Bistum Trier der katholischen Kirche den Rücken gewandt, 2007 waren es noch 3500.

Auch im Bistum Speyer ist die Zahl der Kirchenaustritte in diesem Jahr spürbar gestiegen. Waren es im vergangenen Jahr rund 3800 Austritte, so geht das Bistum in diesem Jahr von etwa 4300 Austritten aus. Ein Sprecher führte das auf die Debatte um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zurück. So sei die Zahl der Austritte in den Monaten März und April, als das Thema stark in den Medien war, doppelt so hoch gewesen als im Vorjahr. Das Bistum zählt den Angaben zufolge rund 575 000 Mitglieder.

Aus dem Bistum Mainz waren indes noch keine Zahlen zu erfahren. Diese lägen erst im neuen Jahr vor, hieß es. Auch das Erzbistum Köln, das bis nach Rheinland-Pfalz reinreicht, hatte noch keine Zahlen parat.