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Hebammen unter Druck
Das „Wunder der Geburt“ ist meist harte Arbeit

 Immer mehr Hebammen gehen in Teilzeit oder steigen aus, berichtet der rheinland-pfälzische Hebammenverband.
Immer mehr Hebammen gehen in Teilzeit oder steigen aus, berichtet der rheinland-pfälzische Hebammenverband. FOTO: dpa / Fredrik von Erichsen
Mainz. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es Probleme bei der Betreuung durch Hebammen – ein „Runder Tisch“ soll Lösungen finden.

Angespannt, aber hoffnungsvoll: So lässt sich nach Angaben der Verbände die Lage der Hebammen in Rheinland-Pfalz beschreiben. „Es ist kein rückläufiger Trend erkennbar“, betont das Sozialministerium in Mainz. „Zwischen 2005 und 2017 hat sich die Zahl der Hebammen von 915 auf 1218 um rund 33,1 Prozent vergrößert.“

Aber gleichzeitig sei der Anteil der Teilzeit-Arbeitsverhältnisse von 260 auf 391 Hebammen gestiegen, betont der regionale Hebammenverband. Von dort kommt allerdings auch Lob: „Am landesweiten Runden Tisch beraten Ministerium, Hebammen, Elternvertreterinnen, Ärzte und andere gemeinsam. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Dennoch sei die Aufgabenliste lang, etwa bei den Arbeitsbedingungen angestellter Hebammen. Es sei heute leider „normal“, dass Hebammen an drei von vier Wochenenden in der Klinik arbeitet würden und regelmäßig 20 Überstunden pro Monat zu leisten hätten, sagte die Verbandsvorsitzende Ingrid Mollnar. „Fazit: immer mehr Hebammen gehen in Teilzeit, steigen aus, oft schon nach der Ausbildung.“



In Germersheim eröffnete vor kurzem ein neues Hebammenzentrum. Dazu sagte Mollnar, die Einrichtung sichere die Versorgung mit ambulanten Leistungen nach Schließung der Geburtshilfestation in dem Ort. „Zudem scheint durch die Anbindung der Germersheimer Hebammen an das Speyerer Diakonissenkrankenhaus die zu erwartende Geburtensteigerung personell und räumlich aufgefangen zu werden. Das ist begrüßenswert.“

Dennoch fehlen Hebammen, darauf macht auch das Sozialministerium aufmerksam. „2015 lag in Rheinland-Pfalz eine Fachkräftelücke von 49 fehlenden Hebammen vor, für 2025 wird ein Fachkräfteengpass von 59 Personen prognostiziert“, sagte eine MinisteriumssSprecherin. Um die Lücke gar nicht erst entstehen zu lassen, seien im neuen Ausbildungsstättenplan die Plätze bedarfsnotwendig angepasst.

„Seitens des Hebammenverbands Rheinland-Pfalz begrüßen wir dies sehr“, betont Mollnar. Um die Ausbildung zukunftsfähig zu machen, plädiert sie für eine Überführung der Ausbildung an die Hochschule - wie es eine EU-Richtlinie vorsehe.

Wo drückt der Schuh besonders? „Das Bundesgesundheitsministerium sollte schleunigst ein Geburtshilfestärkungsgesetz auf den Weg bringen“, fordert Verbandsvorsitzende Mollnar. Leider sei die Politik oft etwas schleppend. „Doch gerade wegen der Zustände im klinischen Sektor ist Windeseile geboten. Die Finanzierung der Geburtshilfe über Fallpauschalen (DRG) ist nicht kostendeckend, es müssen viele Elemente bereitgehalten werden: Technik, hoch qualifiziertes Personal rund um die Uhr, Raum und Haftpflicht für Klinik und so weiter.“

„Eine gute und sichere Geburtshilfe für jede Frau braucht andere Rahmenbedingungen“, unterstreicht der Deutsche Hebammenverband. Es sei „mehr als enttäuschend“, dass bisher keine Maßnahmen für die drängenden Probleme in der Geburtshilfe in den Kliniken erfolgt seien, meint eine Sprecherin. Als Beispiele zählt sie auf: steigende Überlastung, Personalmangel, schwierige Arbeitsbedingungen. Das Statistische Bundesamt weise aktuell 24 000 Hebammen deutschlandweit aus. Ein Mangel sei aber fühlbar, unterstreicht der Dachverband.

Der 2016 gebildete „Runde Tisch Geburtshilfe“ ist auch für das Sozialministerium eine wichtige Plattform. „Ziel ist es, gemeinsame Lösungen zu erreichen. Themen sind etwa die Erörterung der Situation kleinerer Geburtshilfen im ländlichen Raum“, sagte eine Sprecherin.

So sieht es auch der in Worms ansässige Landesverband. „Hebammenhilfe und Geburtshilfe sind Leistungen für eine relativ kleine Gruppe, nämlich Frauen im Alter zwischen etwa 15 und 45 Jahren“, betont Mollnar. „Diese Gesundheitsleistungen müssen erreichbar sein für die Frauen – wohnortnah, qualifiziert und in ausreichender Menge.“

Der Hebammenberuf gilt als erfüllend, aber auch fordernd. Der Kontakt zu den werdenden Eltern ist sehr eng. Die Arbeitszeiten erfordern Flexibilität, die Verantwortung ist groß. Azubis verdienen der Bundesagentur für Arbeit zufolge bei Einrichtungen des öffentlichen Dienstes oder Trägern mit angelehnter Vergütung zwischen knapp 1100 Euro im ersten und 1250 Euro im dritten Jahr. Für ausgelernte Hebammen im Krankenhaus beträgt das Einstiegsgehalt nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands rund 2800 Euro brutto. Dazu kommen etwa Nachtzuschläge. Bei Freiberuflern hängt der Verdienst vom Pensum ab.

(dpa)