| 23:44 Uhr

Kulturminister sieht Unesco-Antrag zu jüdischem Erbe auf gutem Weg
Sind die Schum-Städte bald Welterbe?

Ein Chanukkaleuchter in der Wormser Synagoge. Der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf ist überzeugt, dass das jüdische Erbe der drei Schum-Städte Worms, Speyer und Mainz bald von der Unesco den Welterbetitel erhalten wird. Der Antrag soll Ende des Jahres eingereicht werden. Im Sommer 2021 steht die Entscheidung an.
Ein Chanukkaleuchter in der Wormser Synagoge. Der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf ist überzeugt, dass das jüdische Erbe der drei Schum-Städte Worms, Speyer und Mainz bald von der Unesco den Welterbetitel erhalten wird. Der Antrag soll Ende des Jahres eingereicht werden. Im Sommer 2021 steht die Entscheidung an. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Mainz. Die Idee zur Aufnahme ins Welterbe entstand vor 14 Jahren — jetzt geht es in den Endspurt. Kulturminister Konrad Wolf zeigt sich überzeugt, dass das jüdische Erbe von Speyer, Worms und Mainz alle Voraussetzungen mitbringt und das Welterbe-Komitee überzeugen kann.

Die Initiative zur Bewahrung der jüdischen Geschichte von Speyer, Worms und Mainz will den Antrag für das Unesco-Welterbe in den nächsten Monaten weitgehend fertigstellen. „Die Texte für den Antrag sollen bis zum Jahresende 2018 vorliegen“, teilte der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf (SPD) in einem schriftlichen Bericht für den Fachausschuss des Landtags mit. Danach sind bis zur Einreichung des Antrags im September 2019 nur noch redaktionelle Arbeiten und die Übersetzung ins Englische geplant.

Die Bestrebungen für die Anerkennung der Schum-Städte als Weltkulturerbe reichen bis ins Jahr 2004 zurück, die Initiative kam vom damaligen Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel. Schum bezeichnet die jüdische Tradition von Speyer, Worms und Mainz – nach den hebräischen Anfangsbuchstaben Schin (Sch) für Schpira (Speyer), Waw (U) für Warmaisa (Worms) und Mem (M) für Magenza (Mainz). Im Sommer 2021 entscheidet das Welterbe-Komitee über die Aufnahme der Schum-Städte.

Der Antrag besteht nach Angaben des Ministers aus mehreren großen Teilen. Im Zentrum steht die wissenschaftliche Begründung mit der Darlegung, warum die Schum-Städte von einzigartig universeller Bedeutung sind. Diese wird maßgeblich von Matthias Untermann vom Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg erstellt, mit Unterstützung des Arye-Maimon-Instituts der Universität Trier, des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte in Essen sowie des Lehrstuhls für Judaistik an der Universität Mainz.



Der Verein Schum-Städte kümmert sich um den von der Unesco geforderten Management-Plan. Darin geht es unter anderem um Schutz und Erhaltung der Stätten sowie um die touristische Erschließung. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz ist für das Gesamtkonzept der Denkmalpflege zuständig und richtet im April eine Tagung zu Authentizität und Integrität der Monumente aus.

Im September ist die dritte Sitzung des internationalen wissenschaftlichen Beirats geplant. Die Teilnehmer beraten dann abschließend über die Kernaussagen des Antrags der drei Schum-Städte.

Zu den wesentlichen Stätten des besonderen Kulturerbes gehört die Wormser Synagoge, deren Grundriss aus dem Jahr 1174 prägend für Synagogen des europäischen Judentums wurde. Von besonderer Bedeutung sind sodann die beiden Mikwen, also Ritualbäder, in Speyer und Worms. Dritte Säule sind die bis ins Mittelalter reichenden Grabdenkmäler der jüdischen Friedhöfe in Worms und Mainz.

„Ich bin der Überzeugung, dass die Schum-Städte alle Voraussetzungen für die Einschreibung in die Welterbeliste aufweisen“, schrieb Wolf dem Wissenschafts- und Kulturausschuss des Mainzer Landtags. „Die Geschichte der Schum-Gemeinden zeigt dabei eindrucksvoll, welche befruchtenden Entwicklungsschübe vom kulturellen Austausch von Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft ausgehen können.“ Ebenso zeugten die Schum-Städte aber auch von Ausgrenzung, Pogromen und Verfolgung, findet der in Zweibrücken lebende Minister.

Der rheinland-
pfälzische 
Kulturminister 
Konrad Wolf.
Der rheinland- pfälzische Kulturminister Konrad Wolf. FOTO: Arne Dedert / picture alliance / Arne Dedert/d