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Neue extreme Gewitter drohen
Schäden durch Unwetter werden deutlich

Carina Willmar, Mitarbeiterin der Verbandsgemeinde-Verwaltung in Herrstein im Kreis Birkenfeld bei den Aufräumarbeiten nach dem verheerenden Unwetter in der Nacht vom vorletzten Sonntag auf Montag.
Carina Willmar, Mitarbeiterin der Verbandsgemeinde-Verwaltung in Herrstein im Kreis Birkenfeld bei den Aufräumarbeiten nach dem verheerenden Unwetter in der Nacht vom vorletzten Sonntag auf Montag. FOTO: dpa / Harald Tittel
Mainz/Herrstein. Unwetter haben in den vergangenen Wochen Rheinland-Pfalz und das Saarland heimgesucht. Neben Winzern und Bauern wurden vor allem Privatleute geschädigt. Jetzt drohen neue extreme Gewitter.

Rund eine Woche nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und im Saarland werden die Schäden durch Hagel, Wind und Hochwasser deutlich. Die Winzer- und Bauernverbände beklagen Millionenschäden, auch Innenstaatssekretär Günter Kern (SPD) sprach im Innenausschuss des Mainzer Landtags von Schäden von mehreren Millionen Euro. Eine komplette Sammlung der Schäden gebe es aber noch nicht. Winzer und Landwirte waren vor allem vergangenen Freitag von Hagel getroffen worden. Vier Tage vorher hatte Starkregen für eine Katastrophe in Herrstein gesorgt.

Auch für den heutigen Donnerstag besteht nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Gefahr extremer Gewitter. Wie bereits in der vergangenen Woche bewegen sich die Gewitter nach Einschätzung der Meteorologen wohl nur langsam vorwärts und „stehen“ mitunter über einzelnen Orten, weil es nur wenige Luftströmungen gibt. Die Folge: Über den betroffenen Orten prasseln innerhalb weniger Stunden regelrechte Sturzfluten vom Himmel, weil das Gewitter nicht „abwandern“ kann.

Hagel zerstörte vergangene Woche Rebflächen vor allem in Rheinhessen, der Südpfalz, der Eifel, rund um Trier und im Nahetal, wie die Sprecher der beiden Bauern- und Winzerverbände in Rheinland-Pfalz mitteilten. Besonders betroffen sei Rheinhessen gewesen, sagte Andreas Köhr, Sprecher des Verbandes Rheinland-Pfalz Süd. Dort wurden 1600 Hektar Rebfläche und 350 Winzer getroffen – eine Fläche von rund 2200 Fußballfeldern.



Ein zweiter Schwerpunkt war die Südpfalz: Dort wurden Rebstöcke auf rund 500 Hektar beschädigt oder zerstört. Auch wenn die Temperaturen sehr gut seien und es sein könne, dass sich manche Schäden auswüchsen, komme es auf jeden Fall zu Ernteausfällen, sagte Köhr. „Es sind sicherlich Schäden im siebenstelligen Bereich.“

Zur Lage in Herrstein im Kreis Birkenfeld sagte der Büroleiter der Verbandsgemeinde, Klaus Görg, gestern: „Das Augenfällige ist beseitigt, aber es gibt noch eine Reihe von Folgearbeiten.“ Eine Wasserflut war dort durch das Fischbachtal gelaufen. „Es ist noch lange nicht wie vorher“, sagte Görg.

Rund 360 Häuser wurden dort überflutet, darunter ein Altenheim und eine Feuerwache. Rund 50 Privatautos wurden zerstört. Der Vertreter einer Versicherung sagte, alleine in Herrstein habe man bereits mehr als 200 Fälle von betroffenen Privatkunden bearbeitet. Bei den Unternehmen Effgen und Weyand entstanden laut Staatssekretär Kern Schäden in Milionenhöhe. Auch in der Region Kaiserslautern, im Westerwald und in der Pfalz seien Keller vollgelaufen.

Für die Katastrophenopfer, die nicht versichert waren, seien bereits etliche Spenden eingegangen, sagte Görg. Die Verbandsgemeinde sei derzeit dabei, Richtlinien zur Verteilung zu erarbeiten.

Als erste schnelle Hilfe werde das Ministerium Geld zur Verfügung stellen, betonte Stich im Ausschuss. Die Höhe werde noch geprüft. Neben Herrstein waren weitere Kommunen in Eifel, Hunsrück und Pfalz betroffen gewesen. Der Staatssekretär sprach von insgesamt einem Todesopfer bei einem Verkehrsunfall.

Im Saarland, wo in der Nacht zum vergangenen Freitag Unwetter unter anderem in Kleinblittersdorf, Bliesransbach und St. Ingbert verheerende Schäden angerichtet haben, steht mittlerweile fest, dass Opfer mit Soforthilfen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro unterstützt werden. Die Landesregierung stelle bis zu eine Million Euro bereit, weitere 1,5 Millionen kämen von den Kommunen, teilte die Staatskanzlei in Saarbrücken mit. Für Haushalte, die in eine existenzbedrohende Notlage geraten seien, gebe es eine schnelle Abschlagszahlung von 1500 Euro. „Wir lassen die Opfer in dieser schwierigen Situation nicht alleine“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) nach dem Kabinettsbeschluss.