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Ryanair macht Regierung Druck

 Ryanair-Chef Michael O'Leary (Mitte) begrüßte gestern mit Horst Wiesemann den 30-Millionsten Passagier der Ryanair am Flughafen Hahn. Links: Wiesemanns Lebensgefährtin Antje Norwig. Foto: Frey/dpa
Ryanair-Chef Michael O'Leary (Mitte) begrüßte gestern mit Horst Wiesemann den 30-Millionsten Passagier der Ryanair am Flughafen Hahn. Links: Wiesemanns Lebensgefährtin Antje Norwig. Foto: Frey/dpa
Hahn. Die irische Billigfluglinie Ryanair plant im kommenden Jahr neue Routen von Deutschland aus - macht dies aber auch abhängig von einem Aus für die Luftverkehrssteuer. Ryanair-Chef Michael O'Leary begrüßte zwar die Absicht der Bundesregierung, die Steuer senken zu wollen. Aber: "Das reicht nicht", sagte O'Leary Von dpa-Mitarbeiter Marc-Oliver von Riegen

Hahn. Die irische Billigfluglinie Ryanair plant im kommenden Jahr neue Routen von Deutschland aus - macht dies aber auch abhängig von einem Aus für die Luftverkehrssteuer. Ryanair-Chef Michael O'Leary begrüßte zwar die Absicht der Bundesregierung, die Steuer senken zu wollen. Aber: "Das reicht nicht", sagte O'Leary. Für den Flughafen Hahn stellte er nach Streichungen im Winter neue Routen für 2012 in Aussicht. O'Leary: "Je mehr die Steuer gesenkt wird, desto mehr neue Flugrouten wird es in Frankfurt-Hahn im nächsten Sommer geben." Er hofft auf Potenzial wegen Streckenstreichungen von Air Berlin.Die rheinland-pfälzische Landesregierung bekräftigte ebenfalls ihre Ablehnung der Flugverkehrssteuer. "Wir halten sie für wettbewerbsverzerrend im europäischen Flugmarkt", sagte Infrastruktur-Staatssekretärin Heike Raab.

Ryanair, die mit Abstand wichtigste Fluggesellschaft am Hunsrück-Airport, streicht wegen der Luftverkehrssteuer im Winterflugplan 13 Flugziele - darunter Palma und Faro - und bietet noch 31 Ziele an. Die Abgabe führte auch zu einem Passagierrückgang. Seit dem 1. Januar müssen Fluggäste bis zu 45 Euro Aufschlag zahlen.

Für 2012 peilt Ryanair laut O'Leary insgesamt 79 Millionen Passagiere an. Für dieses Jahr werden 75 Millionen Fluggäste prognostiziert. In Deutschland will der irische Billigflieger eine Trendwende schaffen, denn nach zehn Millionen Fluggästen 2010 fliegen in diesem Jahr nur noch etwa acht Millionen mit Ryanair. Das Unternehmen führt dies auf die Ticketabgabe zurück. "Wir hoffen, das etwas umkehren zu können", sagte Marketing-Managerin Henrike Schmidt. Ob der neue Berliner Flughafen von Ryanair angeflogen wird, ist nach ihren Angaben noch offen. Sie verwies auch auf den neuen Standort Leipzig.



O'Leary begrüßte den 30-millionsten Passagier seiner Airline in Hahn. Fluggast Horst Wiesemann, der mit seiner Familie auf dem Weg nach Pisa war, freute sich über den Besuch des Ryanair-Chefs und wurde von ihm an der Maschine begrüßt. In diesem Jahr werden 2,7 Millionen Ryanair-Passagiere den Flughafen Hahn, Deutschlands größtes Drehkreuz des Billigfliegers, nutzen. Im Jahr 1999 startete der Ryanair-Flugbetrieb auf dem Hunsrück-Flughafen.

"Wir halten sie für wettbewerbsverzerrend im europäischen Flugmarkt."

Infrastruktur-Staatssekretärin Heike Raab über die Flugticket-Abgabe

Stichwort

Der ehemalige US-Fliegerhorst Hahn im Hunsrück gilt als einer der wichtigsten Regionalflughäfen in Deutschland. Für den irischen Billigflieger Ryanair ist er das wichtigste deutsche Drehkreuz. Die Passagierzahlen sinken aber. Der Airport zählte im ersten Halbjahr 2011 knapp 1,4 Millionen Fluggäste, 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich steigt das Frachtgeschäft rasant an: In den ersten sechs Monaten wurden fast 115 000 Tonnen Güter dort verladen - eine Steigerung um fast 70 Prozent. dpa