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Kriminalitätsstatistik vorgestellt
Rheinland-Pfalz war 2017 so sicher wie lange nicht

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2017 in Rheinland-Pfalz stark zurückgegangen. Allerdings ist auch die Aufklärungsquote gering.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2017 in Rheinland-Pfalz stark zurückgegangen. Allerdings ist auch die Aufklärungsquote gering. FOTO: Nicolas Armer / dpa
Mainz. Einbrecherbanden schlugen im vergangenen Jahr nicht mehr so häufig zu wie zuvor. Auch kam es zu weniger Körperverletzungen und Rauben. Allerdings hatte es die Polizei mit neuen Phänomenen zu tun.

Weniger Morde, weniger Vergewaltigungen, weniger Diebstähle: In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Straftaten auf den niedrigsten Wert seit mehr als zwei Jahrzehnten gesunken. Die Kriminalität sei geringer und die Sicherheit höher, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) gestern in Mainz. Aus der Kriminalitätsstatistik 2017 geht hervor: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei rund 252 000 Straftaten, das waren acht Prozent weniger als im Vorjahr.

Damit sei Rheinland-Pfalz im Vergleich eines der sichersten Bundesländer, sagte Lewentz. Beim Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, liege das Land im bundesweiten Vergleich auf dem vierten Platz. Besonders erfreut zeigte sich der Mainzer Ressortchef darüber, dass statistisch gesehen fast zwei von drei Straftaten aufgeklärt werden konnten. Die Aufklärungsquote von 62,9 Prozent – ohne ausländerrechtliche Verstöße wie Passvergehen oder Verstöße gegen das Asylrecht – sei so hoch wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.

Besonders drastisch ist die Zahl der Wohnungseinbrüche gefallen. Schlugen die Täter, die meist in Banden organisiert sind, im Jahr 2016 noch 6744 Mal zu, waren es 2017 noch 4334 Mal – ein Rückgang um mehr als ein Viertel. Auch in diesem Jahr fielen die Zahlen weiter. Lewentz führte die Entwicklung vor allem darauf zurück, dass viele Menschen ihre Häuser und Wohnungen besser schützten. Er verhehlte aber nicht, dass die Banden wahrscheinlich woanders zuschlagen. „Ich glaube nicht, dass wir die Täter vom Markt nehmen konnten.“



Der Minister kündigte an, dass die Polizei ihre Anstrengungen im Kampf gegen Einbrüche verstärken werde. Die Aufklärungsquote sei mit 12,4 Prozent zu niedrig. „Das ist eine Zahl, mit der wir alle nicht zufrieden sein können.“ Einbrüche seien für die Betroffenen schwerer zu verarbeiten, als wenn ihnen zum Beispiel die Geldbörse auf der Straße geklaut werde, sagte Lewentz. „Ich weiß, wie hart Menschen betroffen sind, wenn in ihren eigenen vier Wänden eingebrochen wird, wenn die eigenen Dinge durchwühlt werden, wenn man das Gefühl der Sicherheit in der eigenen Wohnung verliert.“

Einige Kriminalitätsphänomene breiteten sich im vergangenen Jahr allerdings aus – vor allem jene, die von professionellen Banden verübt werden. So vervielfachte sich die Zahl der Betrügereien durch falsche Polizisten. Sie erweckten den Eindruck, dass Geld oder Schmuck zuhause nicht sicher seien, erklärte Lewentz. Die Betrüger verführten die Menschen dazu, Wertgegenstände an falsche Polizisten zu übergeben. Weil daneben vorgespielt werde, dass Banken in kriminelle Machenschaften verwickelt seien, räumten die Betroffenen auch immer wieder ihre Konten und Bankschließfächer. „Einmal hat eine Bank einer Dame dafür 200 000 Euro in bar ausgehändigt“, sagte Lewentz.

Ähnlich dramatisch schnellte die Zahl der Sprengungen von Geldautomaten nach oben. Waren es in den Jahren 2015 und 2016 jeweils noch fünf Fälle, wurden im vergangenen Jahr 23 Automaten gesprengt. Diese Masche sei sehr profitabel, erklärte Johannes Kunz, der Präsident des Landeskriminalamtes, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Nach Angaben von Lewentz gingen die Banden äußerst professionell vor. So seien in einem Fall Polizeiautos, die die Täter in ihren Fluchtautos durch die Felder verfolgten, mit aus den Autofenstern geworfenen Krähenfüßen gestoppt worden.

Zuwanderer begingen laut der Kriminalstatistik im vergangenen Jahr rund 12 000 Straftaten, ohne Verstöße gegen Einreisebestimmungen. Das waren zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor, allerdings nahm die Zahl der Zuwanderer in dem Zeitraum um 36 Prozent zu. Zuwanderer seien also viel weniger häufig straffällig geworden, erklärte Innenminister Lewentz.

Die Zahl der Straftaten bewegt sich nach Ansicht der CDU im Landtag noch auf zu hohem Niveau. Der Rückgang sei ein bundesweites Phänomen, betonte CDU-Innenpolitiker Matthias Lammert. AfD-Fraktionschef Uwe Junge erklärte, für eine Entwarnung gebe es keinen Grund.