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Barbaro wird Professor an Uni
Hörsaal ruft: Staatssekretär verlässt Dreyers Kabinett

Mainz. Von Florian Schlecht

Salvatore Barbaro (Foto: dpa) schleicht am Mittwoch durch die Reihen der SPD-Fraktion im Mainzer Landtag und schüttelt fröhlich Hände. Es ist der Abschiedsgruß des Wissenschaftsstaatssekretärs aus der Politik. Der SPD-Politiker wechselt an die Uni Mainz, wo er eine Vertretungsprofessur in den Wirtschaftswissenschaften übernimmt. Und das ist nicht das einzige Adieu an diesem Tag. Weil Innenstaatssekretär Günter Kern in den Ruhestand geht, vollzieht sich im Kabinett ein rascher Personalumbruch bei den SPD-Köpfen.

Wenig überraschend ist der Abschied von Barbaro, hinter dem harte Jahre liegen. 2017 verlor er als SPD-Kandidat im Kreis Mainz-Bingen deutlich die Landratswahl gegen Dorothea Schäfer (CDU). Über die „Allgemeine Zeitung“ wetterten lokale Parteikollegen gut ein Jahr nach der Wahl, Barbaro sei bei einer 1275-Jahr-Feier in Nierstein verschwitzt im Rad-Dress erschienen und habe sich distanzlos gegenüber Frauen verhalten. Barbaro dementierte die Vorwürfe, viele Genossen hielten zu ihm, witterten eine Schmutzkampagne. Zugleich stand Barbaro in der Kritik, weil er in der Affäre um den zurückgetretenen Oppenheimer SPD-Bürgermeister Marcus Held zu spät reagiert haben soll. Als langjähriger Aufsichtsratschef des Flughafens Hahn hatte Barbaro wiederum die undankbare Aufgabe, der Presse jedes Jahr rote Zahlen erläutern zu müssen. Barbaro, einst Finanzstaatssekretär, sagt zum Abschied: „Politik ist ein Amt auf Zeit. Ich will das nicht nur sagen, sondern so handeln. Nun ist es gut, wenn sich im Ministerium jemand mit neuer Kraft den Aufgaben zuwendet.“

Dieser Jemand hat bereits einen Namen: Als Staatssekretär auf Barbaro folgt ab dem 1. März Denis Alt. Der 38-Jährige war bis zuletzt  Abgeordneter der SPD-Fraktion im Mainzer Landtag und tummelte sich dort in einem Pool junger Talente, zu denen unter anderem auch der Trierer Sven Teuber, die Eifeler Benedikt Oster und Nico Steinbach oder die Pfälzerin Giorgina Kazungu-Haß gehören. Auf Alt – in der Fraktion ein Experte für Finanzen und Wirtschaft, geachtet für seine ruhige, sachliche Art – warten harte Brocken wie das Hochschulzukunftsprogramm. „Ich freue mich auf die Aufgabe“, sagt Alt. An die Stelle von Kern tritt die bisherige Leiterin des Ministerbüros im Innenministerium, Nicole Steingaß. Innenminister Roger Lewentz (SPD) bezeichnete die 39-jährige Beamtin als „eine hervorragende Kennerin des Hauses“.