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LKA Rheinland-Pfalz stellt innovative Techniken vor
Mainz setzt auf Hightech im Kampf gegen Verbrecher

 Der Präsident des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz, Johannes Kunz.  Foto: Dedert/dpa
Der Präsident des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz, Johannes Kunz. Foto: Dedert/dpa FOTO: dpa / Arne Dedert
Mainz. Dreidimensionale, bewegte Phantombilder helfen der rheinland-pfälzischen Polizei, Täter zu finden. Und neue Geräte entlarven Menschen, die mit gefälschten Pässen unterwegs sind.

Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz hat gestern zwei innovative Techniken vorgestellt, die den Fahndern dabei helfen, Verdächtige zu identifizieren und zu überführen. Vieles davon klingt nach ScienceFiction, ist in Rheinland-Pfalz bei der Suche nach Verbrechern aber inzwischen Realität.

Zum einen ist da das weltweit einzigartige Verfahren, das der aus Osann-Monzel im Kreis Bernkastel-Wittlich stammende Phantombildzeichner Uwe Kinn entwickelt hat. Ein Verfahren, das noch weit über das hinausgeht, was vermeintliche Hightech-Ermittler in US-Krimiserien so bieten. Denn es werden nicht „einfach nur“ Tatorte mit Hilfe von Laserstrahlen dreidimensional digitalisiert, so dass man den Ort des Verbrechens am Computer noch Jahre später aus verschiedensten Perspektiven betrachten kann. Auch die mutmaßlichen Täter werden als dreidimensionale Phantombildfiguren, sogenannte „Avatare“, an den Ort des Geschehens versetzt. Man kann sie von vorne betrachten, von der Seite, sogar von oben. Und mehr noch: Selbst die Tathandlung kann Kinn wie in einem 3-D-Film abbilden. Mord, Totschlag oder Banküberfälle. Die Avatare bewegen sich so, wie die Verdächtigen es Zeugen zufolge auch zum Tatzeitpunkt getan haben. Den Ermittlern fällt es so leichter, widersprüchliche Aussagen zu entlarven, Wege oder zeitliche Abläufe zu rekonstruieren. Und mancher Zeuge erinnert sich dank der originalgetreuen Szenerie wieder. „Oft ist das Wiedererkennen erst möglich, wenn der Handlungsablauf sichtbar wird“, sagt Kinn. Auch bei der Analyse des Tatgeschehens sei die neue Darstellungsform sehr hilfreich.

„Hierdurch entstehen neue Möglichkeiten, das Tatgeschehen und die -abläufe zu rekonstruieren und alle relevanten Aspekte zu einem Fall auch bildlich darzustellen“, sagt LKA-Präsident Johannes Kunz. Dadurch könnten neue Ermittlungsansätze gewonnen werden, die für die Aufklärung einer Tat oder die Beweisführung entscheidend sind.



Das zweite neue Verfahren: „Gefälschte Ausweispapiere können durch den Einsatz von Dokumentenprüfgeräten leichter erkannt werden“, sagt Innenminister Roger Lewentz. Zwischen August 2017 und September 2018 hat die Polizei bei Großereignissen oder Verkehrskontrollen landesweit mit den Geräten 13 502 Dokumente überprüft. 173 davon waren gefälscht. Da diejenigen, die sich mit gefälschten Papieren anmelden, der Gesellschaft großen Schaden verursachen – laut LKA 40 000 bis 60 000 Euro pro Fall – investiert das Land in weitere Geräte. 45 sind es bald, verteilt auf alle Polizeipräsidien. Bisher blieben Fälschungen, die meist sehr professionell gemacht sind, oft unerkannt.