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Mainzer Regierung stellt „Landarzt-Offensive“ vor
Rheinland-Pfalz hat Ärztegenossenschaft

Ein Landarzt untersucht einen Patienten. In Rheinland-Pfalz wurde jetzt die erste Ärztegenossenschaft zugelassen. Genossenschaften sind ein Weg, um Ärzten mehr Anreize zu geben, auf dem Land zu arbeiten.
Ein Landarzt untersucht einen Patienten. In Rheinland-Pfalz wurde jetzt die erste Ärztegenossenschaft zugelassen. Genossenschaften sind ein Weg, um Ärzten mehr Anreize zu geben, auf dem Land zu arbeiten. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Bitburg/Mainz. In das Thema Landärztemangel kommt Bewegung: Erst wird nach langen Debatten die erste Ärztegenossenschaft in Rheinland-Pfalz zugelassen, nun will die Landesregierung ein Maßnahmenbündel vorstellen.

Kurz vor der Vorstellung des Konzepts der Landesregierung gegen den Landärztemangel ist eine erste Ärztegenossenschaft in Rheinland-Pfalz zugelassen worden. Voraussichtlich am 1. November wird die Medicus Eifler Ärzte eG in Bitburg an den Start gehen. „Wir haben gerade unsere Zulassung bekommen“, sagte gestern Allgemeinmediziner Michael Jager, dessen Praxis in Bitburg die zentrale Anlaufstelle sein wird. Ein Ausschuss aus Vertretern von Ärzten und Krankenkassen hatte am Mittwochabend in Koblenz Medicus grünes Licht gegeben.

Genossenschaften sind ein Weg, um Ärzten mehr Anreize zu geben, auf dem Land zu arbeiten. Sie stellen Mediziner an und bieten ihnen so flexiblere Arbeitszeiten als in der Selbstständigkeit mit einer niedergelassenen Praxis. Ein ganzes Bündel weiterer Maßnahmen im Kampf gegen den Landarztmangel wollen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Wissenschaftsminister Konrad Wolf (beide SPD) morgen in Mainz vorstellen. Sie sprechen von einer „Landarzt-Offensive“, es wird um zusätzliche Studienplätze und um die umstrittene und seit langem diskutierte Landarztquote gehen.

Die Bundesregierung räumt den Ländern ein, bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab für Studenten zu reservieren, die sich für zehn Jahre als Hausarzt auf dem Land verpflichten. Der „Rhein-Zeitung“ zufolge soll in Rheinland-Pfalz künftig eine Strafzahlung von 250 000 Euro fällig werden, wenn junge Mediziner dieser Verpflichtung nicht nachkommen. Zu dem Paket der Regierung gehört der Zeitung zufolge auch die Förderung der Telemedizin. Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2019/20 seien hierfür 620 000 Euro vorgesehen. Die beiden Ministerien wollten sich dazu gestern nicht äußern.



Zuletzt hatten sich auch die SPD-Koalitionspartner FDP und Grüne skeptisch zu einer Quote geäußert. Die Grünen-Abgeordnete Katharina Binz hatte etwa gesagt, eine Quote wirke erst in zehn bis zwölf Jahren. Zudem sei die Frage, ob sie verfassungsfest sei. Gestern teilte sie mit: „Wir Grünen haben zwar immer gesagt, dass wir an der Wirksamkeit einer Landarztquote zweifeln, uns aber nicht grundsätzlich verschließen wollen, auch solche Wege zu gehen. Deshalb tragen wir die Entscheidung mit.“ Ob diese Maßnahme wirke, werde sich ohnehin erst in rund zehn Jahren feststellen lassen. „Uns erscheint es viel wichtiger, die Zahl der Medizinstudienplätze zu erhöhen – das fordern wir schon lange und es wird nun endlich angegangen.“

Der FDP-Gesundheitspolitiker im Mainzer Landtag, Steven Wink, sagte: „Die Quote allein ist kein Allheilmittel.“ Insofern sei es erfreulich und wichtig, dass es mehr Studienplätze geben werde. Es werde ein rundes Paket kommen, auch mit „signifikanten Haushaltsmitteln“ etwa zur Förderung der Telemedizin. „Das tragen wir dann auch mit.“

Ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung sagte, man gehe nach wie vor nicht davon aus, dass sich jemand nur allein wegen einer Landarztquote für ein Medizinstudium entscheide. Die jungen Menschen könnten auch nur schwer schon am Beginn ihrer Ausbildung wissen, zu welchem Fachbereich sie später neigten.

Zurückhaltend äußerte sich auch die Techniker Krankenkasse (TK) als eine der großen gesetzlichen Kassen im Land. „Es wird sich zeigen, ob die Einführung einer Quote zum gewünschten Erfolg führt.“ Man müsse sich im Klaren sein, dass es sich hier allenfalls um eine mittelfristige Lösung handeln könne. „Menschen, die heute beginnen, Medizin zu studieren, können erst nach einem zeitlichen Horizont von etwa zehn Jahren in der Fläche praktizieren.“ Letztlich gelte es, die Rahmenbedingungen für Ärzte auf dem Land attraktiver zu machen.

Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland teilte mit, die Gesundheitsversorgung müsse weiterentwickelt werden, damit sich mehr junge Mediziner für die Niederlassung als Hausarzt in der Fläche entscheiden. „Es braucht neue Anreize und Ideen – auch wir sind grundsätzlich offen für Initiativen zur Förderung des ärztlichen Nachwuchses – wie die sogenannte Landarztquote.“ Um jungen Ärzten den Weg in die Praxis und aufs Land zu erleichtern, sei der gemeinsame Willen aller Gesundheitspartner nötig.