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Kirche
Trierer Bischof segnet gemeinsame Kommunion ab

  Ein Geistlicher reicht in einer Eucharistiefeier der katholischen Kirche einem Gläubigen eine Hostie.
Ein Geistlicher reicht in einer Eucharistiefeier der katholischen Kirche einem Gläubigen eine Hostie. FOTO: Rolf Vennenbernd
Trier. Nach langem Streit über ein Reformpapier dürfen protestantische Ehepartner von Katholiken offiziell die Hostie empfangen.

Protestantische Ehepartner können im Bistum Trier unter bestimmten Umständen ebenfalls zur katholischen Kommunion gehen. Mit dieser Entscheidung setzte Bischof Stephan Ackermann eine sogenannte Orientierungshilfe der deutschen Bischöfe für seine Diözese in Kraft. Das Reformpapier zur Kommunionfrage hatte im vergangenen Jahr zu einem monatelangen Streit unter den deutschen Bischöfen geführt. Mehrere Bistümer, darunter Köln, Augsburg, Passau, Bamberg und Regensburg, hatten seinerzeit angekündigt, es nicht umzusetzen. Vertreter der kirchenkritischen Bewegung „Wir sind Kirche“ warnten daraufhin vor einem Flickenteppich in der praktizierten Ökumene.

Bisher konnten sogenannte konfessionsverbindende Ehepaare (ein Partner gehört der katholischen, der andere einer anderen christlichen Kirche an) in der Regel nicht gemeinsam an der Eucharistie teilnehmen. In der Orientierungshilfe ist beschrieben, unter welchen Voraussetzungen dies nun möglich ist. Allerdings stellten diese Kriterien zur Entscheidungsfindung weder ein Gesetz dar, noch böten sie detaillierte Antworten für alle auftretenden Einzelsituationen, so der Trierer Bischof Stephan Ackermann. So wird in dem Reformpapier ausdrücklich die „Freiheit des Gewissens“ betont.

Der Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert bezeichnete es als wesentlich für die gemeinsame Kommunion, „dass der Partner oder die Partnerin glauben, dass Jesus wirklich gegenwärtig ist“.



Nach der Mitteilung des Bistums hat Bischof Stephan Ackermann den Seelsorgern die Orientierungshilfe zur Anwendung empfohlen. In etlichen Pfarreien des Bistums dürfte sich dies aber erübrigen, da die gemeinsame Kommunion von protestantischen Ehepartnern in der katholischen Messe längst gängige Praxis ist und von den Priestern auch geduldet wird.

Nachdem die Bischofskonferenz das Papier vor gut einem Jahr mit Dreiviertelmehrheit beschlossen hatte, hatten mehrere Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki den Vatikan eingeschaltet. Der am Ende beschlossene Kompromiss sah vor, dass jeder Bischof selbst entscheiden soll, ob er die Handreichung in Kraft setzt oder nicht. In über einem Dutzend Bistümer ist die Orientierungshilfe schon seit vergangenem Jahr gültig, Trier ist von daher eher ein Nachzügler-Bistum. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hatte im vergangenen Sommer gesagt, er hoffe, dass sich möglichst viele Bischöfe daran orientierten.