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Pfarrer zwischen Kanzel und Nazis

Speyer. Evangelische Theologen aus der Pfälzischen Landeskirche haben die Geschichte der Landeskirche zur Zeit des Nationalsozialismus unter die Lupe genommen. Drei Bände umfasst das monumentale Werke "Documenta", das auf der ursprünglichen Ausgabe aus dem Jahr 1960 fußt

Speyer. Evangelische Theologen aus der Pfälzischen Landeskirche haben die Geschichte der Landeskirche zur Zeit des Nationalsozialismus unter die Lupe genommen. Drei Bände umfasst das monumentale Werke "Documenta", das auf der ursprünglichen Ausgabe aus dem Jahr 1960 fußt. Herausgeber war damals der Pfälzer Theologe Richard Bergmann (1890 bis 1972), der selbst in die kirchenpolitischen Auseinandersetzungen in der Nazizeit involviert war. Seit dem Jahr 2004 hat der "Verein Pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer" (VPPP) an der heutigen Ausgabe gearbeitet. Nun liegt die dreibändige "Documenta" vor. Der Pfälzer Verein gehört zum Verband der Vereine evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, dem 20000 Pfarrer (davon über 300 aus dem Saarland und der Pfalz) in 22 Mitgliedsvereinen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehören.Im Zentrum der Darstellungen, die alle auf Ursprungsquellen - darunter Anklageschriften, Gestapoberichte, Schreiben von Ortsgruppenleitern oder Zeitungsartikel - basieren, stehen die Auseinandersetzungen einzelner Pfarrer und Vikare mit NS-Organisationen oder Polizeistellen. "Meines Wissens gibt es momentan noch keine bessere Gesamtdarstellung zur Geschichte der Evangelischen Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus", sagt der für die Neuausgabe verantwortliche Pfarrer Martin Schuck. Der 47-jährige promovierte Theologe ist Referent für Catholika (katholische Theologie) und im Konfessionskundlichen Institut in Bensheim. Er ist Schriftleiter des Pfälzischen Pfarrerblattes. Er lebt in Speyer und war früher auch in den Gemeinden Zweibrücken, Ernstweiler und Einöd tätig. Die neue Documenta lässt nach Schucks Auffassung eine einfache Einteilung in Gut und Böse, Bekennende Kirche auf der einen und Deutsche Christen auf der anderen Seite, nicht zu: "Es gibt viele Grautöne. Die Mehrheit der Pfarrer hat mit den Nazis kooperiert, was aber nicht immer Zustimmung bedeutete. Das sieht man, wenn man die spannenden Berichte auf Ortsebene liest", sagt Schuck. jkn