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Expertin: Vor allem Stützpunkt auf Hawaii betroffen
Pfalz kaum von möglichem USA-Nordkorea-Konflikt berührt

 Ein militärischer Konflikt zwischen den USA und Nordkorea hätte kaum Auswirkungen auf die US-Airbase Ramstein, sagt eine Expertin.
Ein militärischer Konflikt zwischen den USA und Nordkorea hätte kaum Auswirkungen auf die US-Airbase Ramstein, sagt eine Expertin. FOTO: dpa / Ronald Wittek
Kaiserslautern. Wären die in der Westpfalz stationierten US-Soldaten beteiligt, wenn es zwischen den USA und Nordkorea zur Konfrontation kommt? Eher nicht, meint eine Expertin. Die USA haben in der Region eigene Militärstützpunkte.

Eine mögliche militärische Konfrontation zwischen den USA und Nordkorea hätte nach Einschätzung der Politologin und USA-Expertin Sarah Wagner „eher weniger“ Konsequenzen für die in der Westpfalz stationierten US-Soldaten. Für Nordkorea sei das US Pacific Command –- das Pazifikkommando der Vereinigten Staaten – zuständig, dessen Hauptquartier sich auf Hawaii befinde, sagte die Mitarbeiterin der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz. Betroffen sei auch das Luftwaffenkommando Global Strike Command mit Sitz im U-Staat Louisiana.

Für Rheinland-Pfalz sehe sie „in erster Linie keine Auswirkungen“, sagte Wagner. „Das ist ein ganz anderer Einzugsbereich des Militärs und eine ganz andere Verantwortungsstruktur.“ Das US Pacific Command unterhalte eigene US-Luftwaffen- und Marinestützpunkte in Asien und dem Pazifik.

Das für Europa zuständige US-Kommando hat seinen Sitz in Stuttgart. Zu ihm gehört das Luftwaffen-Kommando United States Air Forces in Europe mit Sitz auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Pfalz. In der Region leben rund 60 000 US-Bürger. Es ist die größte US-Militärpräsenz außerhalb der Vereinigten Staaten.



Die Vernichtungsdrohung von US-Präsident Donald Trump an die Adresse Nordkoreas bezeichnete die Wissenschaftlerin als kontraproduktiv. Trump hatte den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un am Dienstag vor den Vereinten Nationen als „Raketenmann“ bezeichnet und dem Land mit völliger Vernichtung gedroht, falls es die USA oder seine Verbündeten angreifen sollte.

„Was ich als besonders fatal empfunden habe in dieser Rede: Es gab keinerlei positive Anreize für Nordkorea. Ganz im Gegensatz“, sagte Wagner. Trumps Auftritt helfe damit der nordkoreanischen Propaganda, die nun verkünden könne: „Jetzt erst recht. Es ist wichtig, dass wir uns schützen können“. Für das Regime sei der Besitz der Atombombe „fast wie eine Lebensversicherung“. Es habe am Beispiel Libyen/Irak sehen können, wie den Diktatoren dort nach dem Fall gegangen sei, „dass es hier keine guten Zukunftschancen gibt“.

Besonders problematisch sei auch Trumps Bewertung des Atom-Abkommens mit dem Iran gewesen, kritisierte die Politikwissenschaftlerin. Die US-Regierung stelle selbst dieses mit Verbündeten ausgehandelte „diplomatische Erfolgserlebnis“ in Frage, was sich auf ihre Glaubwürdigkeit auswirke. Damit sei deutlich geworden, dass eine diplomatische Möglichkeit nicht anerkannt werde, was fast nur auf eine militärische Lösung hindeute.

Das mühsam ausgehandelte und 2015 unterzeichnete Abkommen zwischen dem Iran einerseits sowie den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland andererseits sollte das Risiko eindämmen, der Iran könnte die Entwicklung der Kernenergie auch militärisch verwenden. Die Regierung in Teheran unterwirft die Urananreicherung bis zu 25 Jahre lang einem mehrstufigen System von Beschränkungen und Kontrollen. Der Westen hebt im Gegenzug die Wirtschaftssanktionen auf.

In Trumps Rede vor den UN hat Politologin Wagner eine „neue Qualität“ ausgemacht. „Sonst kannte man das eher von seinem Twitter-Account, dass es impulsive, aggressive Äußerungen gab.“ Diesmal habe es erstmals eine Vermischung des Twitter-Trumps mit dem Teleprompter-Trump gegeben, zum Beispiel mit der Bezeichnung „Raketenmann“, die er schon einmal auf Twitter verwendet habe. „Es war meiner Ansicht nach schon überraschend, dass er diesen flapsigen Spitznamen dann auch in diesem Forum der UN genutzt hat“, sagt die USA-Expertin.

(dpa)