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Pfälzische Landessynode tritt zusammen

Speyer. Vom 1. bis 4. Juni tagt die pfälzische Landessynode in Bad Dürkheim. Schwerpunktthema ist die Geschichte der Evangelischen Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus. Auch die weitere Zukunft des in finanzielle Schieflage geratenen Evangelischen Krankenhauses in Zweibrücken steht auf der Tagesordnung. epd

Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad geht davon aus, dass es der Landessynode gelingt, auf ihrer Frühjahrstagung im zweiten Anlauf einen Nachfolger für den geistlichen Oberkirchenrat Gottfried Müller zu wählen. Im November war die Wahl gescheitert. Weder der Neustadter Dekan Armin Jung noch der Speyerer Pfarrer Martin Schuck erhielten ausreichend Stimmen. Bei der Wahl am 1. Juni treten nun vier Kandidaten an.

Dieses Mal gebe es eine Bewerberin und drei Bewerber mit deutlich unterschiedlichen Profilen, sagte Schad in Speyer . Deshalb hoffe er, dass die Synodalen sich entscheiden können. Neben dem bereits bei der ersten Wahl gescheiterten Schuck bewerben sich der Leiter des evangelischen Trifelsgymnasiums, Steffen Jung, der Leiter der Personalförderung bei der badischen Landeskirche, Michael Löffler, und die Leiterin des Amts für Weltmission der pfälzischen Landeskirche, Marianne Wagner. Da Oberkirchenrat Gottfried Müller Ende August in Ruhestand geht, wird auch das Amt des stellvertretenden Kirchenpräsidenten frei. Der synodale Nominierungsausschuss werde einen Vorschlag unterbreiten, sagte Schad. Der Ausschuss habe alle geistlichen und weltlichen Oberkirchenräte gefragt, ob sie kandidieren wollen.

Schwerpunktthema der Synode, die vom 1. bis 4. Juni in Bad Dürkheim tagt, ist die Geschichte der Evangelischen Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus . Es gehöre zur Wahrhaftigkeit protestantischer Erinnerungskultur, einen kritischen Blick auf das kollektive Versagen der Landeskirche in der Zeit von 1933 bis 1945 zu werfen, sagte Schad. Außerdem gelte es, aus der Geschichte zu lernen und gegen den in Deutschland und Europa erstarkenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus die Stimme zu erheben.



Auf der synodalen Tagesordnung steht auch die mittelfristige Finanzplanung bis zum Jahr 2022. Ab dem Jahr 2018 werde ein neuer Konsolidierungsplan notwendig, sagte die für Finanzen zuständige Oberkirchenrätin Karin Kessel. Da die Personalausgaben und die Ausgaben für die Versorgungsabsicherung stärker stiegen als die Kirchensteuereinnahmen, werde die Kirche im Jahr 2022 ein strukturelles Defizit von elf Millionen Euro erwirtschaften. Wie dem entgegenzuwirken sei, werde bis 2018 in den zuständigen Gremien beraten.

Informiert wird die Synode auch über die weitere Zukunft des in finanzielle Schieflage geratenen Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken, dessen Träger der Landesverein für Innere Mission ist. Derzeit gebe es zwei Optionen, sagte der Diakoniedezernent der Landeskirche, Oberkirchenrat Manfred Sutter. Zum einen werde mit dem katholischen Nardini-Klinikum über eine Verbundlösung verhandelt. Zum anderen führe der Landesverein Gespräche mit rund 30 potenziellen Investoren für das Haus (wir berichteten).

Die Landessynode wird sich außerdem mit dem Klimaschutzkonzept der Landeskirche beschäftigen. Ziel ist, dass bis 2020 der von der Landeskirche verursachte Ausstoß von Kohlendioxid im Vergleich zum Jahr 2005 um 40 Prozent gesenkt werde, sagte der zuständige Oberkirchenrat Michael Gärtner. Außerdem wird sich die Synode mit dem Bericht des Kirchenpräsidenten und den Berichten der gesamtkirchlichen Dienste beschäftigen.

Zum Thema:

Stichwort Die pfälzische Landessynode ist laut Verfassung die kirchliche Volksvertretung in der Evangelischen Kirche der Pfalz. Ihre Mitglieder werden durch die Bezirkssynoden auf die Dauer von sechs Jahren gewählt und vertreten die ganze Landeskirche. Sie sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen verantwortlich. Die Landessynode tagt in der Regel zweimal im Jahr und hat 62 gewählte Mitglieder, davon mindestens je ein Pfarrer aus jedem Kirchenbezirk. Die Synode kann weitere sechs Mitglieder und zwei Jugendvertreter berufen. Ihre Tagungen sind grundsätzlich öffentlich. In der Landessynode, die weder Fraktionen noch Parteien kennt, gibt es derzeit vier kirchenpolitische Gruppen, die sich über gemeinsame Ziele verständigen: Der "Arbeitskreis Offene Kirche", der "Synodale Gesprächskreis", die "Kirchlich-Theologische Arbeitsgemeinschaft" und das "Synodale Forum". Die Landessynode kann über alle Angelegenheiten der Landeskirche beraten und beschließen. Sie ist das verfassungsgebende Organ der Landeskirche. Zu ihren ständigen Aufgaben gehören der Erlass von Kirchengesetzen, die Verabschiedung des Haushalts, die Wahl des Kirchenpräsidenten und der Oberkirchenräte sowie der synodalen Mitglieder der Kirchenregierung. epd