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Studie
Personalmangel bei Kitas in Rheinland-Pfalz

 ARCHIV - 01.08.2013, Hamburg: Krippenkinder spielen mit bunten Bauklötzen in einer Kindertagesstätte. Trotz Verbesserungen bei der Kinderbetreuung hängt Hamburg bei der personellen Ausstattung der Krippen im westdeutschen Vergleich weiter hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt das diesjährige Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. (zu dpa "Kita-Qualität in Hamburg trotz Ausbau noch nicht kindgerecht" vom 26.09.2019) Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 01.08.2013, Hamburg: Krippenkinder spielen mit bunten Bauklötzen in einer Kindertagesstätte. Trotz Verbesserungen bei der Kinderbetreuung hängt Hamburg bei der personellen Ausstattung der Krippen im westdeutschen Vergleich weiter hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt das diesjährige Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. (zu dpa "Kita-Qualität in Hamburg trotz Ausbau noch nicht kindgerecht" vom 26.09.2019) Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Christian Charisius
Mainz. Laut einer Studie fehlt es in Rheinland-Pfalz an tausenden Erziehern – und das Betreuungsverhältnis in den Kitas variiert regional stark. Sowohl Regierung als auch Opposition sehen sich in ihren Positionen bestätigt – auch wenn die komplett anders sind.

In rheinland-pfälzischen Kitas fehlen nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung knapp 5000 zusätzliche Erzieher. Die Betreuungssituation bringe für das Personal in den Einrichtungen „hohe Arbeitsbelastung“ mit sich, befand die Stiftung am Donnerstag. Sie konstatierte auch, dass zwischen Westerwald und Pfalz das Betreuungsverhältnis besonders stark regional voneinander abweiche.

In der Landespolitik werteten sowohl Regierung als auch Opposition die Zahlen als Beleg für die Richtigkeit ihrer Position. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte: „Das Ländermonitoring der Bertelsmann-Stiftung zeigt ganz eindeutig, dass wir mit dem Kita-Zukunftsgesetz die richtigen Schritte gehen.“

Dieses Gesetz war Ende August vom Landtag in Mainz nach kontroversen Debatten mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von SPD, FDP und Grünen verabschiedet worden. Es war die erste umfassende Neufassung des Kita-Gesetzes seit 28 Jahren, in Kraft tritt sie am 1. Juli 2021. Grob gesagt wird mit dem Gesetz die Berechnung der Personalausstattung auf eine neue Grundlage gestellt. Es garantiert außerdem eine siebenstündige Betreuung am Tag und erhöht den Personalschlüssel um rund zehn Prozent.



Der parlamentarische Geschäftsführer der oppositionellen CDU-Fraktion, Martin Brandl argumentierte, die Kita-Novelle verbessere die Situation nicht – im Gegenteil. „Gerade der Rechtsanspruch auf eine durchgängige Sieben-Stunden-Betreuung wird deutlichen Mehraufwand in den Kitas mit sich bringen.“ Erzieherinnen hätten damit weniger Zeit als bislang zur Betreuung der Kinder.

Die Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass in Krippengruppen maximal drei und in Kindergartengruppen höchstens 7,5 Kinder gleichzeitig von einer pädagogischen Vollzeit-Fachkraft betreut werden sollten. Dem nun veröffentlichten Ländermonitor zur frühkindlichen Bildung zufolge lag der Betreuungsschlüssel in Rheinland-Pfalz zum Stichtag 1. März 2018 jedoch bei 8,6 in Kindergartengruppen und bei 3,7 in Krippengruppen.

Im Land gebe es regional ein großes Gefälle, befand die Stiftung. So betreue eine Erzieherin oder ein Erzieher in Kindergartengruppen in Neustadt an der Weinstraße rechnerisch 11,4 Kinder und damit deutlich mehr als etwa eine Kollegin oder ein Kollege im Landkreis Germersheim, wo der Schlüssel bei eins zu 6,5 liege. Bundesweit betrachtet sei das sogar die größte Spannweite.

Insgesamt habe sich die Zahl des pädagogischen Personals in Kitas zwischen 2008 und 2018 von rund
21 700 auf 30 600 erhöht. Doch die Zahl der betreuten Kinder stieg auch – von 134 000 auf mehr als 151 400.

  Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) verteidigt das neue Kita-Gesetz.       Foto: Dedert/dpa
Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) verteidigt das neue Kita-Gesetz. Foto: Dedert/dpa FOTO: dpa / Arne Dedert