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Aufgrund technischer Mängel
Patenschiff von Rheinland-Pfalz wird später fertig als geplant

 Die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ sollte ursprünglich 2017 in Dienst gestellt werden. Doch das Schiff wird wohl erst im Jahr 2020 fertig.
Die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ sollte ursprünglich 2017 in Dienst gestellt werden. Doch das Schiff wird wohl erst im Jahr 2020 fertig. FOTO: dpa / Markus Scholz
Hamburg/Mainz. Die neue Fregatte hätte schon 2017 in Dienst gestellt werden sollen. Nun verzögert sich aufgrund vieler Mängel alles bis Ende 2020. Von Jens Albes, dpa

Hafenrundfahrt in Hamburg. Bootskapitän Kurt nimmt Kurs auf ein graues Ungetüm, die neue Fregatte „Rheinland-Pfalz“, eines der modernsten Waffensysteme der Bundeswehr. „Das Schiff ist immer noch nicht fertig“, sagt er. Schlagseite, Softwareprobleme, weitere technische Mängel, eine Verzögerung nach der anderen habe es gegeben. Die Touristen der Hafenrundfahrt starren auf das Kriegsschiff. „Einmal ist die Fregatte zum Probeschießen rausgefahren“, erzählt Kurt, der seinen Nachnamen nicht nennt. „Fünf Stunden hat es gedauert, bis das Ziel erfasst worden ist. Die Piraten bei Afrika lachen sich da kaputt und fliehen einfach.“

Bereits vor zwei Jahren hat die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) in Hamburg die letzte von vier neuen Fregatten für die Deutsche Marine getauft. Seit Jahrzehnten pflegt das Binnenland Rheinland-Pfalz eine Partnerschaft zur Marine – erst zur alten, bereits verschrotteten Fregatte mit dem Namen des Bundeslandes, jetzt zum Nachfolgeschiff. Ein Freundeskreis in Rheinland-Pfalz hält Kontakt – erst kürzlich hat eine Delegation der künftigen rotierenden Besatzungen der vier neuen Kriegsschiffe das Rhein-Mosel-Land besucht, wie das Mainzer Innenministerium berichtet.

2017 schon hätte die neue Fregatte „Rheinland-Pfalz“ in Dienst gestellt werden sollen, teilt der Sprecher des Inspekteurs der Marine, Johannes Dumrese mit. Nun werde es wohl Ende 2020. „Das ist nicht schön“, sagt der Kapitän zur See. Die Einsatzreife folge nach Erprobungsfahrten nochmals rund zwei Jahre später.



Die erste der vier neuen Fregatten der Schiffsklasse F 125, die „Baden-Württemberg“, hätte bereits etwa 2014 in Dienst gestellt werden sollen – nun passiere dies etwa fünf Jahre später, am 17. Juni 2019 in Wilhelmshaven mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Dumrese spricht von einer Salamitaktik der Verzögerungen: Immer wieder sei ein technischer Mangel hinzugekommen. „Es ist aber auch neue Hochtechnologie. Das ist eine Neuentwicklung, die Sie nicht im Baumarkt kaufen können.“ Die neuen vier Fregatten gehörten zu den modernsten Kriegsschiffen weltweit – die Marine sei heilfroh, sie zu bekommen. „Die Einsatznotwendigkeit ist eher höher geworden“, sagt Dumrese mit Blick auf die Weltlage mit Konflikten, Terroristen, Piraten und Flüchtlingen.

Das brandneue Waffen erst nach fünfstündigem sogenannten Anschießen ihre Ziele träfen, das sei nicht ungewöhnlich. Dumrese weist auch die Kritik des Bundesrechnungshofs zurück, für die vier neuen Fregatten seien nicht ausreichend Besatzungen ausgebildet worden – sie könnten daher mindestens zehn Jahre nicht so genutzt werden wie geplant. Falsch, sagt der Marinesprecher – es gebe zum Beispiel schon ein neues Ausbildungszentrum in Wilhelmshaven.

Die neuen Fregatten sollen für weltweite und lange Einsätze geeignet sein – und dabei zwei Jahre ohne Werftzeit auskommen. Sie sind 150 Meter lang und haben eine Verdrängung von 7100 Tonnen. Die Kosten für das Schiffsquartett sind um mehr als eine Milliarde auf insgesamt gut drei Milliarden Euro gestiegen. Hafenkapitän Kurt spricht sogar von fast einer Milliarde Euro alleine für die neue „Rheinland-Pfalz“: „Die wird teurer als unsere Elbphilharmonie.“

Taufpatin Malu Dreyer hat 2017 in Hamburg gesagt, sie hoffe, „dass es vor allem Friedensmissionen und humanitäre Einsätze sein werden, die unser Schiff herausfordern werden“. Mit einer Flasche Sekt aus Rheinhessen tauft sie damals die neue Fregatte „Rheinland-Pfalz“.

Das gleichnamige, deutlich kleinere Vorgängerschiff ist 2013 nach fast 30 Jahren Einsatz auf den Weltmeeren außer Dienst gestellt worden – nach 770 701 Seemeilen, was 38 Weltumrundungen entspricht. Zuvor, 2009, hat der damalige Mainzer Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) die alte „Rheinland-Pfalz„ bei einem Tagesmanöver nahe Helgoland besucht.

Vieles an Bord der alten Fregatte hat auf die Verbindung mit dem Patenland hingewiesen, beispielsweise Geschirr in der Offiziersmesse mit dem rheinland-pfälzischen Wappen, ein Gang zwischen den Kammern mit dem Namen „Riesling-Gasse“ und der rheinland-pfälzische Werbespruch „Wir machen’s einfach“ an der Tür der Kommandantenkammer.