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| 22:54 Uhr

Welcome-Projekt an Katholischer Hochschule
Nur wenige Flüchtlinge erreichen Hochschulen

Die 21-jährige Studentin Theresa Kurnoth spricht an der Katholischen Hochschule Mainz mit dem Studenten Balla Diop aus dem Senegal. Kurnoth leitet das Welcome-Projekt der Hochschule, das geflüchtete Studenten unterstützt.
Die 21-jährige Studentin Theresa Kurnoth spricht an der Katholischen Hochschule Mainz mit dem Studenten Balla Diop aus dem Senegal. Kurnoth leitet das Welcome-Projekt der Hochschule, das geflüchtete Studenten unterstützt. FOTO: Peter Zschunke / dpa
Mainz/Kaiserslautern. Asylbescheid und Sprachniveau B2 — diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Geflüchtete ein Studium aufnehmen können. Welcome-Projekte wie das der Katholischen Hochschule Mainz helfen bei den ersten Schritten an die Hochschule.

Mehr als zwei Jahre nach Aufnahme Zehntausender Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz ist einigen hundert jungen Menschen die Ankunft an einer Hochschule gelungen. Die größte Hürde auf dem oft langen Weg zur Universität ist meist der Spracherwerb. Auf den ersten Schritten ins Studium werden Geflüchtete von Menschen wie Theresa Kurnoth unterstützt, die an der Katholischen Hochschule Mainz Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Migration und Integration studiert. Die 21-Jährige leitet das Welcome-Projekt der Hochschule, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wird.

Im vergangenen Jahr kümmerte sich das Projekt um sechs der acht Flüchtlinge an der Hochschule, vor allem aus Syrien und Afghanistan. In diesem Jahr werden bislang zwei Studierende betreut. „Meine konkrete Aufgabe im Projekt ist es, die Studierenden zu begleiten, ihnen Orientierung und Hilfestellung zu geben“, sagt Theresa. „Das ist gerade bei dem oft von viel Bürokratie geprägten Studienbeginn wichtig. Meistens treffen wir uns ein bis zwei Mal in der Woche.“

Die Hochschule bietet Geflüchteten zunächst an, als Gasthörer in ein Studienfach reinzuschnuppern, ehe der Übergang in ein reguläres Studium eröffnet wird. Einer von Theresas Schützlingen ist der 33-jährige Balla Diop aus dem Senegal, der Sozialarbeiter werden will und nun sieben Vorlesungen an der Katholischen Hochschule besucht, verteilt auf zwei Tage in der Woche. „So kann ich weiter neben dem Studium arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen“, erklärt er. „Und abends kann ich an den Unterlagen zum Studium arbeiten, die teilweise online zur Verfügung stehen.“ An der relativ kleinen Hochschule mit 1400 Studierenden fühlt er sich wohl: „Ich bin hier von allen mit offenen Armen aufgenommen worden und werde von Theresa gut betreut.“

Genaue Zahlen zu studierenden Flüchtlingen gibt es nicht, da dies bei der Einschreibung nicht erfasst wird. Aber aus den Hauptflüchtlingsländern studieren derzeit 496 junge Menschen in Rheinland-Pfalz, die meisten von ihnen an der Technischen Universität Kaiserslautern (231). An der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sind es lediglich 55. Aus Syrien sind 302 Studierende eingeschrieben, aus dem Iran 88, aus Pakistan 69, aus dem Irak elf und aus Afghanistan sechs. Die Zahlen des Wissenschaftsministeriums beruhen auf den ihm übermittelten Angaben von zehn der elf staatlichen Hochschulen in Rheinland-Pfalz.

In Kaiserslautern versucht der 21-jährige Mohammed, seit dem Herbst 2015 sein in Damaskus begonnenes Studium wiederaufzunehmen. Das Asylverfahren hat er hinter sich, bis März will er das Deutsch-Niveau B2 erreichen. Beides ist Voraussetzung, um sich für einen deutschsprachigen Studiengang zu bewerben.

An der Uni Mainz bringt das Programm „Fremde werden Freunde“ des Studierendenwerks Mainz ausländische Studierende mit Gastfamilien aus Mainz und Umgebung zusammen. Wenn Platz ist, können auch geflüchtete Studenten in einem der Wohnheim des Studierendenwerks unterkommen.

Eine spezielle Förderung von Flüchtlingen bei der Aufnahme des Studiums in einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachs ist Teil des Fünf-Punkte-Programms der Landesregierung zur Aufnahme von Flüchtlingen an Hochschulen. Dazu gehört das Integra-Projekt der Technischen Hochschule Bingen, an dem etwa 20 Flüchtlinge teilnehmen. Die Hochschule erfasst ihre fachlichen Kompetenzen und bildet diese weiter, etwa in einem Mathematikkurs oder in mehrwöchigen praktischen Laborübungen in Elektrotechnik oder Maschinenbau. Ziel des Fünf-Punkte-Programmes ist der Ausgleich fluchtbedingter Nachteile. Flüchtlinge sollen möglichst schnell und unkompliziert ihr Studium fortsetzen oder aber bei entsprechender Eignung ein Studium überhaupt erst aufnehmen können.

Wie sich die Zahl von studierwilligen Flüchtlingen entwickeln werde, lasse sich nicht sicher vorhersagen, erklärt Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD). „Wir haben jedoch Vorsorge getroffen, dass die Kapazitäten für Sprachkurse und Beratungsangebote nach Bedarf aufgestockt werden können.“ Damit sei Rheinland-Pfalz gut aufgestellt für die weitere Integration von Flüchtlingen an den Hochschulen.

Für Theresa Kurnoth ist das Engagement im Welcome-Projekt nicht nur mit Blick auf ihren künftigen Berufsweg ein Gewinn. „Von Balla habe ich Geduld gelernt, wie er sich den ganzen bürokratischen Anforderungen gestellt hat, bis alles ins Rollen kam. Das bewundere ich.“ Auch sei es ein Ziel der Begleitung, dass ein Austausch stattfinde, „dass wir uns gegenseitig an die Hand nehmen und helfen“. So könnten etwa Kommilitonen mit Hilfe von Gasthörern aus Syrien Arabisch lernen. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir einen Deutschkurs anbieten können. Das würde vieles leichter machen.“

(dpa)