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Nürburgring stellt Insolvenzantrag

Nürburg/Mainz. Erster Schritt zum Neuanfang: Mit einem Insolvenzantrag der angeschlagenen Nürburgring GmbH ist ein erster Schritt zur Neuordnung an der Eifel-Rennstrecke erfolgt. Angesichts des wirtschaftlichen Debakels beim einstigen Prestigeprojekt der rheinland-pfälzischen Landesregierung wächst der Druck auf Ministerpräsident Kurt Beck (SPD)

Nürburg/Mainz. Erster Schritt zum Neuanfang: Mit einem Insolvenzantrag der angeschlagenen Nürburgring GmbH ist ein erster Schritt zur Neuordnung an der Eifel-Rennstrecke erfolgt. Angesichts des wirtschaftlichen Debakels beim einstigen Prestigeprojekt der rheinland-pfälzischen Landesregierung wächst der Druck auf Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Harsche Kritik kommt von der rheinland-pfälzischen und der hessischen CDU.Die Nürburgring GmbH, die größtenteils dem Land Rheinland-Pfalz gehört, hatte in der Nacht zum Samstag mitgeteilt, dass der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Freitag beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler eingereicht wurde. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte dies. Um für den Nürburgring "eine zukunftsorientierte Ausgestaltung der anstehenden Verfahren zu ermöglichen", werde eine Eigenverwaltung beantragt, teilte die Geschäftsführung der Nürburgring GmbH mit. Dabei könnte die Firmenspitze im Amt bleiben.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung wird vom Gericht kein Insolvenzverwalter, sondern ein Sachwalter bestellt. Unter dessen Aufsicht darf der Schuldner die Insolvenzmasse verwalten und über sie verfügen. Betroffen sind auch die Beteiligungsgesellschaften Motorsport Resort Nürburgring GmbH und Congress- und Motorsport Hotel Nürburgring GmbH.

CDU, FDP und der Bund der Steuerzahler dringen auf einen Rücktritt Becks. "Ministerpräsident Beck ist für den hohen Millionenschaden verantwortlich, und selbst jetzt sucht er die Schuld noch bei anderen. Das macht man nicht", sagte die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner im Interview mit der "Allgemeinen Zeitung" (Mainz). "Der Steuerzahler muss die Zeche zahlen." Klöckner warf der Regierung "Größenwahn" und "Tricksereien" vor. Harte Töne auch aus der hessischen CDU. "Es ist ja schon ärgerlich, dass wir in Hessen von den Eltern einen Beitrag zur Finanzierung der Kindergärten verlangen, damit in Rheinland-Pfalz niemand zahlen muss", sagte der Fraktionsvorsitzende der hessischen CDU, Christean Wagner. "Dass wir aber auch noch dafür sparen sollen, dass Rot-Grün in Rheinland-Pfalz unser Steuergeld in einem gescheiterten Freizeitpark Nürburgring verpulvert, das muss ein Ende haben." Die SPD steht aus Sicht ihres rheinland-pfälzischen Generalsekretärs Alexander Schweitzer hinter dem Regierungschef. Mehrere SPD-Politiker räumten aber Fehler ein. Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone fordert einem Bericht der "Rhein-Zeitung" (Koblenz) zufolge eine zeitnahe Entscheidung zur Zukunft der Formel 1 auf dem Ring. Wenn es 2013 dort ein Rennen geben solle, müssten die Verhandlungen innerhalb der nächsten Wochen abgeschlossen sein, sagte er der Zeitung. Neben den Formel-1-Rennen ist der Nürburgring auch als Veranstaltungsort des Musikfestivals "Rock am Ring" bekannt.



Die Nürburgring GmbH, die zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz gehört, ist in Schieflage geraten, weil zu wenig Pacht hereinkam und die EU-Kommission eine Finanzspritze des Landes von 13 Millionen Euro wegen rechtlicher Bedenken nicht genehmigt. Ministerpräsident Beck hatte die GmbH am Mittwoch um den Antrag auf Eröffnung des Verfahrens gebeten (wir berichteten).

Vor einigen Jahren hatte die damalige SPD-Alleinregierung rund 330 Millionen Euro in den Ausbau des Rings gesteckt. Der Freizeitpark ist zu groß, und es kommen weniger Besucher als erwartet. Um die Landesbürgschaft für einen Kredit zu decken, müssen nun wohl eine Rücklage von 254 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt und weitere 80 Millionen Euro mobilisiert werden. dpa

 Wenn es 2013 auf dem Nürburgring ein Rennen geben soll, müssen die Verhandlungen in den nächsten Wochen abgeschlossen sein, sagt Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone. Foto: Büttner/dpa
Wenn es 2013 auf dem Nürburgring ein Rennen geben soll, müssen die Verhandlungen in den nächsten Wochen abgeschlossen sein, sagt Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone. Foto: Büttner/dpa