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Wegen sinkender Schülerzahlen
Neun Zwergschulen in Rheinland-Pfalz schließen

Mainz. Zukünftig haben mehr als 200 Kinder einen weiteren Weg, denn ihre örtlichen Grundschulen machen dicht.

Das Krachmachen mit Trommeln und Pfeifen von Eltern und Schülern vor dem Mainzer Landtag hat nicht geholfen: Neun kleine Grundschulen in Rheinland-Pfalz müssen ab dem kommenden Schuljahr schließen. Das ist das Ergebnis einer Überprüfung von Dutzenden kleinen Grundschulen, welche die im Schulgesetz vorgesehene Mindestgröße unterschreiten. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) stellte dem Bildungsausschuss des Landtags die Liste der Schulen gestern in Mainz vor.

Zu den Kriterien bei der Entscheidung über eine Schließung gehörte die absehbare Entwicklung der Schülerzahlen – wo also in den kommenden fünf Jahren wieder mehr Kinder erwartet werden, wird nicht dichtgemacht. Außerdem spielte eine Rolle, wie weit die nächste Grundschule entfernt liegt und ob diese die zusätzlichen Kinder ohne zusätzliche Bauten aufnehmen kann. Wichtig war den Prüfern auch, wie hoch die Akzeptanz der Grundschule bei den Eltern ist, also ob viele Kinder auf die Schule im eigenen Ort gehen.

Insgesamt sind 209 Schülerinnen und Schüler betroffen, die zukünftig in einer Nachbarschule unterrichtet werden sollen. Das seien 0,15 Prozent der Grundschüler, sagte Hubig. „Wir haben keinen Kahlschlag gemacht“, betonte sie. Ihr sei es auch nicht um möglichst viele Schließungen gegangen, sondern darum, auf Dauer ein Grundschulangebot zu sichern. Die Lehrer würden nicht entlassen, sondern blieben im Schuldienst möglichst nahe ihrem Wohnort tätig.



Die Großzahl der Zwergschulen, die geschlossen werden sollen, liegt im Norden von Rheinland-Pfalz. Im einzelnen sind es in der Eifel die Grundschule Reifferscheid im Kreis Ahrweiler und die Grundschule Oberkail im Kreis Bitburg-Prüm. An der Mosel machen die Grundschule Pünderich und die Grundschule Lieg (beide Kreis Cochem-Zell) sowie die Grundschule Wintrich im Kreis Bernkastel-Wittlich zu. Im Hunsrück betrifft es die Grundschule Schöndorf im Kreis Trier-Saarburg. Außerdem stehen die Michaelschule Kirchen - Sprengel Herkersdorf im Kreis Altenkirchen, die Grundschule Bingen-Gaulsheim im Kreis Mainz-Bingen und die Grundschule Frankenstein im Kreis Kaiserslautern auf der Liste. An der Grundschule in Klotten im Kreis Cochem-Zell an der Mosel ist der Unterricht bereits eingestellt worden. Dort seien zwei Drittel der Kinder des Ortes schon vorher in eine andere Schule gegangen, sagte Hubig. Ganz anders sehe es in Mörsdorf im Rhein-Hunsrück-Kreis aus, wo 100 Prozent der Mörsdorfer Kinder auch die örtliche Grundschule besuchen. Deswegen bleibe diese Schule mit nur 18 Kindern bestehen. Auch in Müden an der Mosel werde die Schule mit nur einer Klasse fortgeführt, weil die Nachbarschule keine Kapazitäten für zusätzliche Schüler habe.

Die oppositionelle CDU-Fraktion erklärte, die Schließungen seien schlecht für den ländlichen Raum. „Die Folgen für die Infrastruktur in den betroffenen Orten werden dramatisch sein, sind die Schulen doch meist das Zentrum der Ortsgemeinschaft“, kritisierte die bildungspolitische Sprecherin Anke Beilstein. Die AfD-Fraktion forderte, bei der Entscheidung die Lernergebnisse der Schüler und die Zufriedenheit der Eltern zu berücksichtigen.

Die Schließungen erfolgten nicht aus finanziellen, sondern aus pädagogischen und organisatorischen Gründen, betonte Hubig.

(dpa)