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Gesundheit
Sorge um die medizinische Versorgung und die Demokratie

Trier. Ministerpräsidentin Dreyer zeigt sich bei Ärzteempfang in Trier zuversichtlich, den Medizinermangel in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig warnt sie vor Hass und Hetze. Von Bernd Wientjes

Der Ärztemangel, die Sicherung der Gesundheitsversorgung auf dem Land und die Herausforderungen der Medizin in der Zukunft waren die beherrschenden Themen beim Neujahrsempfang der Bezirksärztekammer in Trier. Kammervorsitzender Walter Gradel knüpfte in seiner Begrüßungsrede an seine Kritik aus dem vergangenen Jahr an der Gesundheitspolitik des Bundes an. Er sieht vor allem in der zunehmenden Bürokratie und dem sogenannten Termin-Service-Gesetz, mit dem Patienten garantiert werden soll, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen, Hemmnisse für die Gewinnung des ärztlichen Nachwuchses. Dadurch würden junge Ärzte abgeschreckt, sich in eigenen Praxen niederzulassen.

„Wir jammern nicht auf hohem Niveau“, sagte Gradel im Ärztehaus Trier vor 200 Gästen, darunter die beiden Landtagsabgeordneten Sven Teuber (SPD) und Michael Frisch (AfD), Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Man nehme die Sorgen der Ärzte ernst, sagte Dreyer und nannte als Maßnahmen gegen den Ärztemangel die Landarztquote, mit der Abiturienten, die die Zugangsvoraussetzungen für ein Medizinstudium nicht erfüllen, trotzdem einen Studienplatz erhalten können, falls sie sich verpflichten, sich nach der Ausbildung als Landarzt niederzulassen. Sie habe „gute Hoffnung“, dass die Landarztquote dazu beitrage, die ärztliche Versorgung, die sie als eines der wichtigsten Zukunftsthemen des Landes bezeichnete, sicherzustellen. Als weitere Maßnahme nannte die Ministerpräsidentin die Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze in Mainz und die Regionalisierung der Ausbildung. Dazu zähle, dass ab kommenden Wintersemester 30 Medizinstudenten der Mainzer Unimedizin freiwillig ihr Praxissemester in Trier absolvieren. „Sie sollen Trier so liebgewinnen, dass sie hier nicht mehr weg wollen“, formulierte Dreyer die damit verbundene Hoffnung, junge Ärzte an die Region zu binden.



Als eine wichtige Herausforderung der Medizin nannte sie die Digitalisierung. Damit könnten Ärzte entlastet werden, etwa indem sie Patienten über das Internet betreuen könnten. Auch die Arbeit in den Praxen könnte durch Digitalisierung vereinfacht werden.

Die Digitalisierung sei in der Tat die große Herausforderung in der Medizin, sagte auch Rüdiger Schneider, Vorsitzender der ärztlichen Versorgungseinrichtung der Bezirksärztekammer. Er forderte, dass der Datenschutz den medizinischen Fortschritt nicht behindern dürfe. Gleichzeitig warnte Schneider davor, dass Internetriesen wie Google oder Apple in den Gesundheitsmarkt drängten und an die Daten der Patienten ran wollten.

Wie sehr sich die Medizin unabhängig von der Digitalisierung in den kommenden Jahren entwickeln werde, zeige sich bereits jetzt in ersten Ansätzen von künstlich hergestellten Organen. Diese Entwicklung könne die Diskussion über Organspende in Zukunft beeinflussen, sagte Schneider. Er glaubt, dass die Medizin zunehmend personalisiert und passgenau auf die Patienten zugeschnitten wird.

Dreyer (SPD) nutzte ihre Rede erneut, um vor der Gefährdung der Demokratie durch Angriffe von „rechtsaußen und durch Schwarz-Weiß-Denken“ zu warnen. Es sei schlimm, dass Menschen in Deutschland Angst hätten, ein Amt zu übernehmen, weil sie befürchten müssten, bedroht und angegriffen zu werden, so die Ministerpräsidentin. „Ich möchte nicht, dass Hass, Hetze und Rassismus den Alltag bestimmen.“

Zum Abschluss des Empfangs wurden der Bernkastel-Kueser Augenarzt Thomas Schwarz und der Trierer Hals-Nasen-Ohren-Arzt Stefan Pappert für ihr soziales Engagement mit der Simon-Reichwein-Plakette ausgezeichnet. Schwarz behandelt regelmäßig sehbehinderte Kinder in Namibia. Pappert führt seit Jahren plastische Operationen für Mittellose unter anderem in Peru durch. Mit der Auszeichnung soll an den früheren Trierer Stadt- und Leibarzt Simon Reichwein (1501-1559) erinnert werden.

Traditionell werden bei dem Ärzteempfang auch die Mediziner geehrt, die im Jahr zuvor ihre 50-jährige Verleihung des Doktortitels feierten. In diesem Jahr waren dies: Albert Heuser (Koblenz), Edith Seelbach (Trier), Hermann Theiß (Trier), Uffo Monreal (Mehren), Volker Hochdörfer (Trier) und Heinz Wieser (Bernkastel-Kues). Sie wurden mit der Goldenen Doktorurkunde ausgezeichnet.