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Bereits 19 Fälle in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz
Fahnder identifizieren Panzerknacker

Mainz. Das Mainzer Landeskriminalamt übernimmt Ermittlungen gegen Geldautomatensprenger. Von Rolf Seydewitz

Im Zusammenhang mit den zunehmenden Geldautomatensprengungen in Rheinland-Pfalz hat die Polizei seit vorletztem Jahr 14 Tatverdächtige identifiziert. Wie viele der mutmaßlichen Panzerknacker geschnappt und später auch verurteilt wurden, ist nicht bekannt.

Aus der Strafverfolgungsstatistik ist nach Angaben des Mainzer Innenministeriums nicht ersichtlich, ob Verurteilungen im Zusammenhang mit dem Aufsprengen von Geldautomaten stehen. Das geht aus einer unserer Zeitung vorliegenden Antwort auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Lammert hervor.

In diesem Jahr gab es in Rheinland-Pfalz bis Ende August bereits 19 Geldautomatensprengungen. Im gesamten Vorjahr waren es 26. Jeder zweite Raubzug missglückte. In der Region Trier wurden zuletzt Geldautomaten in Salmtal (Bernkastel-Wittlich) und Trier-West gesprengt. Die Panzerknacker konnten jeweils unerkannt entkommen.



Ist die Sprengung erfolgreich, machen die Täter meist reiche Beute. Insider sagen, dass manche Geldautomaten mit bis zu einer Viertelmillion Euro gefüllt seien. Je mehr Geld in den Automaten sei, desto seltener müssten sie befüllt werden. „Das spart Kosten“, heißt es.

Nach Angaben des Mainzer Innenministeriums beliefen sich allein die durch Geldautomatensprengungen letztes Jahr verursachten Schäden auf insgesamt zwei Millionen Euro. Sie waren damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. In diesem Jahr gehen die Ermittler bislang von Sachschäden über 700 000 Euro aus. Über die Gesamthöhe der Beute ist nichts zu erfahren.

Und wie reagieren die Banken auf die steigende Zahl an Sprengungen? Die rheinland-pfälzischen Sparkassen setzten zahlreiche Präventiv- und Sicherheitsmaßnahmen ein, sagt Sprecher Alexander Schaubeck unserer Zeitung. Das gehe von verstärkten Tresoren über Geldeinfärbesysteme bis hin zu gasgeschützten Geldautomaten. Auch der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken verweist auf „ein Höchstmaß an Sicherheit für Menschen und Werte“. Zudem stünden die Kreditinstitute in einem engen Dialog auch mit den Landeskriminalämtern, um Sicherungsmaßnahmen abzustimmen.

Der Mainzer Innenminister Roger Lewentz hatte dagegen vor kurzem im Gespräch mit unserer Zeitung kritisiert, dass die Beratungsangebote des Landeskriminalamts „nicht sonderlich nachgefragt“ würden. Er halte weitergehende Sicherungsmaßnahmen der Banken für absolut notwendig, sagt der Minister.

Seit Anfang des Monats hat das Mainzer Landeskriminalamt zentral für Rheinland-Pfalz die Ermittlungsarbeit in Sachen Panzerknacker übernommen. LKA-Präsident Johannes Kunz kündigte einen verbesserten und länderübergreifenden Informationsaustausch an, um die europaweit agierenden Tätergruppen effektiver bekämpfen zu können.

Für die meisten Sprengungen in der Region werden Banden aus dem nordafrikanischen Raum verantwortlich gemacht, deren Mitglieder überwiegend in den Niederlanden leben. In Mainz wurde zuletzt einer Gruppe Holländer der Prozess gemacht, die zahlreiche Geldautomaten in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg gesprengt haben sollen. Ein Angeklagter wurde deshalb Ende Juni zu einer sechseinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

In der Antwort des Mainzer Innenministeriums auf die Anfrage des CDU-Politikers Matthias Lammert heißt es, dass unter den 14 seit vorletztem Jahr identifizierten Tatverdächtigen neben Niederländern und Marokkanern auch sechs Polen und drei Deutsche seien.

Trotz allem sind Ermittlungserfolge gegen die Panzerknacker eher die Ausnahme. Und nach Festnahmen in den Panzerknackerbanden frei werdende Stellen würden rasch wiederbesetzt, sagen Fahnder.