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Justiz
Ehemalige IS-Kämpferin aus Idar-Oberstein festgenommen

 Ein Fahrzeugkonvoi mit Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), aufgenommen 2017 in Syrien.
Ein Fahrzeugkonvoi mit Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), aufgenommen 2017 in Syrien. FOTO: dpa / Uncredited
Koblenz/Idar-Oberstein. Die Türkei schiebt eine mutmaßliche Anhängerin der Terrormiliz mit drei Kindern ab. In Frankfurt wird sie gepackt – und ist froh, wieder in Deutschland zu sein. Von Bernd Wientjes

Eine 29-Jährige aus Idar-Oberstein, die von der Türkei als angebliches IS-Mitglied nach Deutschland abgeschoben wurde, ist am Freitagabend nach ihrer Rückkehr auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Das teilte die für die Terrorismusbekämpfung zuständige Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mit.

Demnach ist die Frau, deren Namen mit Lisa R. angegeben worden ist, am 9. September 2014 gemeinsam mit ihrem nach islamischem Recht verheirateten Ehemann und zwei seiner Schwestern von Idar-Oberstein über die Türkei in ein von der Terrororganisation IS in Syrien kontrolliertes Gebiet eingereist.

 Laut Generalstaatsanwaltschaft haben sie sich dort dem IS angeschlossen. Während der Ehemann eine militärische Ausbildung absolvierte, habe sich die Frau zunächst in ein „Frauenhaus“ der Organisation begeben. Im Dezember 2014 habe das Paar ihr erstes Kind, einen Sohn, bekommen.



 Während sich der Ehemann auf Seiten des IS an Kampfhandlungen in Nordsyrien beteiligte, unterstützte ihn die Beschuldigte, indem sie sich dem traditionellen Frauenbild des IS unterordnete, den gemeinsamen Haushalt verrichtete und ihm bei seinen Kampfhandlungen zumindest moralische Unterstützung leistete, damit er uneingeschränkt der terroristischen Vereinigung zur Verfügung stehen konnte“, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Zudem habe die Frau von Syrien aus über soziale Medien und Messenger-Dienste die Ideologie des IS nach außen propagiert und dabei die Tötung Andersdenkender durch den IS gerechtfertigt. Dafür habe sie von der Vereinigung Geld erhalten. Anfang des vergangenen Jahres hätten kurdische Kämpfer die Frau festgesetzt und in ein Camp nahe der türkischen Grenze gebracht.

Die Frau sitzt nun in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Oberlandesgerichts Koblenz hatte den Haftbefehl gegen sie aufrechterhalten. Die 29-Jährige war mit einem fünfjährigen Jungen und zwei Mädchen im Alter von zwei Jahren an Bord einer deutschen Maschine aus Istanbul in Frankfurt angekommen. Mitarbeiter des Jugendamtes nahmen die Kinder in Obhut.

Der Rechtsanwalt der Beschuldigten äußerte sich nicht zu den gegen seine Mandantin erhobenen Vorwürfen. Er wolle erst Akteneinsicht haben, sagte Serkan Alkan dem SWR. Nach seinen Angaben wird die 29-Jährige im Gefängnis in Koblenz untergebracht. Alkan sagte, sie sei froh, wieder in Deutschland zu sein. Von ihren Kindern getrennt zu sein, sei jedoch „der nicht so schöne Nebeneffekt“, der aber zu erwarten gewesen sei. Wie die Zeitung „Rheinpfalz am Sonntag“ unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz berichtete, handelt es sich um den ersten Fall einer Abschiebung einer rheinland-pfälzischen Terrorverdächtigen aus der Türkei zurück nach Rheinland-Pfalz.

Die Türkei schiebt seit Wochen Menschen mit angeblichen Verbindungen zu Terrororganisationen in ihre Heimatländer ab. Das türkische Militär hatte am 9. Oktober im Norden Syriens eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die von der türkischen Regierung als Terrororganisation betrachtet wird. Dabei wurden offiziellen Angaben zufolge auch 287 IS-Anhänger festgenommen, darunter Frauen und Kinder.

Das türkische Innenministerium hatte am Freitagabend über die Abschiebung von vier „Terroristenkämpfern“ mit deutscher Staatsbürgerschaft getwittert. Nähere Auskünfte zu konkreten Vorwürfen gab das Ministerium nicht. Die türkischen Angaben sind generell mit Vorsicht zu betrachten: Es fließen unter anderem in die Zahlen zu angeblichen „Terroristenkämpfern“ auch immer wieder die mitreisenden Kinder ein.