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Gespräch in Trier
Missbrauchsopfer nehmen jetzt Bischöfe ins Visier

 Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Beauftragter für die Missbrauchs- Vorwürfe.    Foto: Becker/dpa
Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Beauftragter für die Missbrauchs- Vorwürfe. Foto: Becker/dpa FOTO: dpa / Marius Becker
Trier. Wer hat weggesehen, wer vertuscht? Eine unabhängige Kommission soll die Übergriffe im Bistum Trier aufarbeiten.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann will bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in seinem Bistum eine unabhängige Expertenkommission einsetzen. Das kündigte Ackermann bei einem Gespräch mit Vertretern der Opfer­initiative Missbit an. Das Gremium soll auch eine mögliche Mitverantwortung von leitenden Priestern oder Bischöfen bei der Vertuschung von Missbrauchstaten thematisieren und bewerten.

Wann die Kommission eingesetzt wird, ist noch offen. Bis Herbst wollen sich die katholische Kirche und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, auf Eckpunkte zur Aufarbeitung einigen. Dabei gehe es um strukturelle Festlegungen sowie um einheitliche Standards und Kriterien, sagte der Bischof.

Allein im Bistum Trier wurden seit 1946 insgesamt 148 Priester wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Betroffen waren 442 Opfer.



Missbit-Sprecher Thomas Schnitzler sagte, dass „Bischöfe und höhere Kleriker nachweislich mitverantwortlich“ gewesen seien bei der Vertuschung von Übergriffen, indem etwa die Täter in andere Pfarreien oder Krankenhäuser versetzt worden seien. Er forderte „großzügige Schadenersatzzahlungen“ für die Opfer und sprach von 100 000 bis 300 000 Euro. Dies könne sich die Kirche angesichts der großen Reichtümer leisten.

Bislang hat das Bistum Trier 475 000 Euro Entschädigung an Opfer gezahlt. 104 Betroffene haben sich laut Bistumssprecherin Judith Rupp bis Ende vergangenen Jahres gemeldet. Insgesamt seien 96 Anträge bewilligt worden. Das ausgezahlte Geld stamme nicht aus der Kirchensteuer, sondern aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls.