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Gläubige entsetzt über Vergleich mit Pkw-Maut
Missbrauchsdebatte: Bischof sorgt für Sturm der Entrüstung

  Der Bischof entschuldigte sich rasch für seinen Vergleich.
Der Bischof entschuldigte sich rasch für seinen Vergleich. FOTO: dpa / Marius Becker
Trier . Kirchensteuer für die Entschädigung von Opfern: Stephan Ackermann macht eine Kehrtwende, nimmt einen umstrittenen Vergleich zurück und entschuldigt sich.

Äußerungen des Trierer Bischofs über die Entschädigung von Missbrauchsopfern aus Kirchensteuermitteln sind auf scharfe Kritik gestoßen. „Das ist unmöglich und alles andere als ein Zeichen von Verantwortungsübernahme“, sagte der Sprecher der Opferorganisation Missbit, Thomas Schnitzler, unserer Zeitung. Schnitzler glaubt, dass die Ackermann-Äußerungen zu einem weiteren Anstieg der Austrittszahlen führen werden.

Der Trierer Bischof hatte am Wochenende gesagt, er sehe keine Alternative zur Zahlung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus der Kirchensteuer. Auch wenn es vielen Gläubigen widerstrebe, mit ihren Beiträgen für Verfehlungen einzelner Geistlicher einzustehen, seien die Kirchenmitglieder als Solidargemeinschaft in der Pflicht, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz beim Jahrestreffen der katholischen Journalistenschule ifp in Trier.

Ähnlich müssten die Steuerzahler auch für die gescheiterte PKW-Maut aufkommen: „Wir zahlen auch für Andi Scheuers Autobahnen“, so der Bischof. In den sozialen Netzwerken entbrannten nach den Äußerungen Ackermanns heftige Diskussionen. Vor allem der Vergleich der Opfer­entschädigung mit dem Mautdebakel wurde scharf kritisiert. „Mir fehlen die Worte für soviel Unsensibilität“, kommentierte etwa die Trierer CDU-Kommunalpolitikerin Jutta Albrecht. Ackermann nahm den Vergleich am Montag als „zu salopp und unpassend“ zurück.  Menschen, die sich dadurch verletzt fühlten, bat der Bischof um Entschuldigung.



Bislang hatte das Bistum Trier immer Wert auf die Feststellung gelegt, dass Entschädigungszahlungen nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls gezahlt würden. Eine Sprecherin Ackermanns sagte, an Änderungen dieser Praxis sei „im Moment auch nicht gedacht“. Unstrittig sei zudem, dass immer zuerst der Täter auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden müsse, sofern er noch lebe. Derzeit beraten die Bischöfe über eine Neuregelung der Entschädigungszahlungen. Für die Opfer soll es deutlich mehr Geld geben.