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Rettungswagen zu spät vor Ort?
Ministerium weist Vorwürfe zu Notfall-Versorgung zurück

Mainz. In Rheinland-Pfalz war laut eines Medienberichts die Notfall-Versorgung vor allem auf dem Land unzureichend. Das Innenministerium weist das zurück. Fachleute betonen: Auch Rettungsdienste müssten mit Unabwägbarkeiten wie etwa Glatteis und Unfällen zurechtkommen.

Das Innenministerium wehrt sich gegen Vorwürfe zur Notfall-Versorgung in Rheinland-Pfalz. Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) erklärte gestern, im Schnitt seien die Rettungsfahrzeuge nach sieben Minuten und 33 Sekunden am Einsatzort. Der Südwestrundfunk hatte berichtet, 2017 hätten die Rettungswagen in Tausenden Fällen zu lange bis zum Einsatzort gebraucht. Landesweit seien davon 1268 der 2304 Gemeinden besonders betroffen gewesen.

In Rheinland-Pfalz muss laut Gesetz innerhalb von fünfzehn Minuten der Rettungsdienst in einem Notfall beim Patienten sein. Diese sogenannte Hilfeleistungsfrist gilt, wenn der Einsatzort an einer öffentlichen Straße liegt und bezieht sich auf die Fahrzeit. „Die gesetzliche Hilfeleistungsfrist wird in mehr als 93 Prozent aller Notfalleinsätze im Land erreicht“, erklärte Stich.

Kritik an der Haltung des Innenministeriums kommt aus Reihen der CDU-Landtagsfraktion. Ihr gesundheitspolitischer Sprecher Peter Enders erklärte: „Es reicht nicht aus, sich auf Durchschnittswerte zurückzuziehen.“ Das helfe den betroffenen Patienten nicht und verschleiere die Problematik. Die Hilfeleistungsfrist müsse in der Praxis verbessert werden. „Außerdem werden wir das zum Thema der Ausschussberatungen machen“, kündigte Enders an.



Aus Sicht des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Rheinland-Pfalz ist es unmöglich, die gesetzliche Frist in jedem Fall einzuhalten. Naturereignisse wie beispielsweise Glatteis, aber auch technische Defekte oder Unfälle während der Anfahrt könnten zu Verzögerungen führen, erklärte Ralf Seibert, ASB-Referent für Notfallvorsorge. „Allein von daher sind 100 Prozent ja nie erreichbar.“ Das sei in anderen Bundesländern nicht anders. Aus medizinischer Sicht gelte: „Je schneller jemand da ist, desto besser ist es.“ Ähnlich äußerte sich die Landesärztekammer in Mainz. Wartezeiten könnten je nach Lebenssituation lebensgefährlich sein, erklärte eine Sprecherin. Im Flächenland Rheinland-Pfalz könne nicht jeder Ort zu jeder Jahreszeit schnell erreicht werden. „Das gilt besonders für die Höhenlagen außerhalb der urbanen Ballungsräume.“

Dem SWR zufolge brauchten die Rettungsdienste 2017 in eher ländlichen Gebieten mehr als fünfzehn Minuten bis zum Patienten. Die Journalisten werteten für ihren Bericht nach eigenen Angaben Rettungsdienststatistiken mit Daten für rund 3400 Orte aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg aus. Den Recherchen zufolge wird die „medizinisch wünschenswerte“ Zeit von zehn Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vielerorts nicht erreicht.

ASB-Referent Seifert betonte, nicht nur die Anfahrtszeit sei wichtig. Vielmehr müsse öfter Erste Hilfe geleistet werden. „Der Zeitpunkt vom Erkennen eines Notfalls bis zum Eintreffen der Hilfe ist der kritische Zeitraum.“ Dann sei es wichtig, dass Zeugen beispielsweise eine stark blutende Wunde versorgten oder einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage brächten. „Wenn was passiert, kann man auch mal zehn, fünfzehn Minuten überbrücken“, sagte Seibert.

(dpa)